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Reutlingen

Georg Lutz: Green Fence

Mit der zwei Stockwerke umfassenden Installation »Green Fence« (dt. »Grüner Zaun«) geht Georg Lutz der Frage nach der Darstellbarkeit von NS-Verbrechen nach. Ausgangspunkt seiner Untersuchung sind das ehemalige NS-Vernichtungslager Sobibor und eine Täterfotografie aus dem 2019 gefundenen Niemann-Album.

 

Im Hintergrund dieser Fotografie entdeckte der Künstler vermutlich erstmals den mit Tannenzweigen getarnten Gang zu den Vernichtungsstätten. Mit den bekannten Baumaterialien dieses historischen Zauns – Tannenzweige, Holzpfähle, Stacheldraht und Sand – sensibilisiert Georg Lutz für die absolute Beherrschung von Mensch und Natur. Im Kontrast zu seiner ursprünglichen Funktion der Tarnung macht die Installation die Wirkungsweisen der NS-Verbrechen sichtbar. Dies steigert sich mit der Zeit durch den ephemeren, begehbaren Charakter der Arbeit: Im bewussten Zerfall der Zweige löst sich der Sichtschutz langsam auf, sodass über die Ausstellungsdauer hinweg der eigentliche Charakter des Stacheldrahtzauns offengelegt wird.
Dieser Darstellbarkeitsdiskurs wird im unteren Stockwerk durch eine Videoarbeit, die das heutige Gelände des ehemaligen Lagers untersucht.

Diese Ausstellung endet in
129
Tage
20
Std
27
Min
58
Sek
Termine
Start12.06.2026
Ende01.11.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–20:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
Veranstaltungsort
Kunstmuseum ReutlingenSpendhausstraße 4, 72764 Reutlingen (Spendhaus)

Mit zwei Standorten, drei programmatischen Schwerpunkten und rund 2.400 m2 Ausstellungsfläche gehört das Kunstmuseum Reutlingen zu den größten kommunalen Häusern für moderne und zeitgenössische Kunst im Südwesten Deutschlands. Im Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus, einem sechsgeschossigen Fachwerkgebäude, das als Getreidespeicher der Spendenpflege im Jahr 1518 errichtet wurde, werden seit der Museumsgründung 1989 Sammlungspräsentationen und Wechselausstellungen gezeigt. Im Fokus steht zum einen die Sammlung mit ihrem Schwerpunkt auf dem künstlerischen Holzschnitt und Hochdruck des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Wichtige Konvolute der Sammlung bilden Werke von Wilhelm Laage (1868–1930) und HAP Grieshaber (1909–1981). Die Schenkung der Sammlung Ziegler, die im Jahr 1954 an das Kunstmuseum übergeben wurde bildet mit ihren 1578 Papierarbeiten und 394 Gemälden von Renaissance bis Romantik den Grundstock der städtischen Kunstsammlung. 50 Jahre später übereignete der Hamburger Bauunternehmer Peter Kemna dem Kunstmuseum seine exquisite Holzschnittsammlung. Im Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus werden neben historischen und zeitgenössischen Positionen im Bereich Holzschnitt und Hochdruck monografische Ausstellungen und Gruppenausstellungen mit zeitgenössischen Künstler:innen gezeigt, deren Papier- oder Holzarbeiten das Medium um neue Aspekte erweitern. Auch die Ausstellungen der Preisträger:innen des international renommierten Jerg-Ratgeb-Preises werden im Spendhaus ausgerichtet. Kunstmuseum Reutlingen Konkret 2017 nahm die Stadt Reutlingen die Schenkung umfassender Werkgruppen aus den Beständen der Stiftung für konkrete Kunst (gegründet 1987) sowie der hochkarätigen Privatsammlung von Manfred Wandel an – in deren Zusammenspiel Florian Illies einmal den »stillen Weltmarktführer im Bereich der konkreten Kunst« erkannt hatte. Bedingung der Schenker war es, dass von diesem wertvollen Konvolut ausgehend in den Wandel- ​​ Hallen (einer zentral gelegenen ehemaligen Metalltuch- ​​ und Maschinenbaufabrik) auf rund 1.000 Quadratmetern Fläche ein neuer eigenständiger Ausstellungsbetrieb etabliert werden soll. Zu diesem Zweck gründete die Stadt Reutlingen einen unabhängigen gemeinnützigen Betrieb gewerblicher Art (BgA), dessen Satzung insbesondere die Vermittlung konstruktiver, konkreter und konzeptioneller Kunstformen hervorhebt. Er trägt den Namen Kunstmuseum Reutlingen | konkret und ist organisatorisch dem Kunstmuseum Reutlingen angegliedert. Seit seiner Gründung profiliert sich das Kunstmuseum Reutlingen | konkret unter der Leitung von Dr. Holger Kube Ventura einerseits durch Sammlungsausstellungen wie Arbeiten aus System (2018), Malereikonkrethochdrei (2019), und Gläserne Härten. Konkrete, generative und sonisch visionäre Kunst (2020), die thematisch fokussierte Querschnitte präsentieren. Andererseits zeichnet sich das Programm durch Einzelausstellungen international renommierter Künstler wie etwa des Spaniers Ignacio Uriarte (2019) oder des Belgiers Peter Buggenhout (2020) aus, sowie durch Gruppenausstellungen mit punktuellem Sammlungsbezug wie (2019/20), die jeweils andere, zeitgemäße Neufassungen des Begriffs »konkrete Kunst« vorschlagen. Somit wird erforscht, wie in der geschenkten Sammlung angelegte Entwicklungslinien ihre Fortsetzung in der Kunst der Gegenwart finden.