Ausstellungen

Entdecken Sie aktuelle und kommende Ausstellungen in Museen und Galerien

13.03.26 - 25.06.26
Berlin

Bundespreis Ecodesign: Thinking Ahead

Das Berliner Kunstgewerbemuseum (KGM) präsentiert 30 preisgekrönte Projekte, die mit dem Bundespreis Ecodesign, der höchsten staatlichen Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland, geehrt wurden.

 

Die Ausstellung zeigt die Vielfalt nachhaltiger Designlösungen, die von einer interdisziplinären Jury aus Design- und Umweltexpert:innen ausgewählt wurden. Die im Dezember 2025 prämierten Beiträge demonstrieren eindrucksvoll, wie Gestaltung zu Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft, digitaler Transformation und gesellschaftlicher Innovation beitragen kann.

 

Design prägt und beeinflusst langfristig unterschiedlichste Bereiche unseres Alltags. Die Ausstellung macht erlebbar, in welch breitem Spektrum nachhaltiges Design heute wirkt – von Autoblech und Beton über Over-Ear-Kopfhörer bis hin zu T-Shirts. So demonstriert zum Beispiel das Projekt »Felt the Future« mit einem Monomaterial-Schuh aus 100 % Wolle das Potenzial biobasierter Werkstoffe, während das Konzept des »SHIFTphones« die grundsätzliche Möglichkeit, ein Smartphone zu reparieren, gewährleistet. Das vollständig recycelte Aluminium-Autoblech von »Novelis« wiederum zeigt, dass selbst in energieintensiven Industrien nachhaltige Materialkreisläufe möglich sind.

 

Von Materialien und Produkten über digitale Dienstleistungen bis hin zu neuartigen Systemlösungen zeigt die Ausstellung das immense Potenzial nachhaltiger Gestaltung auf – ein zentrales Thema, dem sich das KGM in hohem Maße verpflichtet fühlt. Die Roadshow des Bundespreises Ecodesign richtet sich an ein breites Publikum aus Designinteressierten, Fachleuten und allen, die sich von zukunftsorientiertem Design begeistern lassen.

 

 

Über den Bundespreis Ecodesign

 

Seit 2012 würdigt der Bundespreis Ecodesign innovative Produkt-, Konzept-, Service- und Nachwuchsarbeiten, die ökologische Qualität mit gestalterischer Exzellenz verbinden. Der Preis wird jährlich vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und dem Umweltbundesamt in Kooperation mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin vergeben. Ziel ist es, ökologische Innovationen mit hoher Gestaltungsqualität sichtbar zu machen und Impulse für eine nachhaltige Gestaltungspraxis zu setzen. Noch bis zum 2. April 2026 können Projekte für den Bundespreis Ecodesign eingereicht werden.

KunstgewerbemuseumMatthäikirchplatz, 10785 Berlin
22.11.25 - 28.06.26
Dresden

Herkules – Held und Antiheld

In der Antike war Herakles (lateinisch: Herkules) der beliebteste Heros überhaupt. Zahlreiche Erzählungen des griechischen Altertums zeugen davon. Auch die bedeutendsten Maler und Bildhauer haben in klassischer Zeit Werke geschaffen, die den Helden in teils dramatischen, teils entspannten, teils auch komischen Situationen zeigten. Der muskulöse Körper sowie die Attribute Keule und Löwenfell waren Erkennungszeichen, die eine rasche Identifizierung ermöglichten.

 

Die Römer übernahmen von den Griechen die Begeisterung für den Helden. Von vielen verlorenen griechischen Statuen lässt sich heute eine Vorstellung gewinnen, weil sie in römischer Zeit kopiert und vervielfältigt worden sind. 

 

Seit dem 16. Jahrhundert führten die Wiederauffindung einzelner Skulpturen und überhaupt das neu erwachte Interesse an der Antike dazu, dass die bildenden Künstler in Europa das Thema »Herakles/Herkules« aufgriffen und kreativ weiterentwickelten.

 

Die mythische Figur des Halbgottes Herkules – Sohn des Zeus und der Alkmene – ist vielschichtig. Denn nicht in allen Lebenslagen ist Herkules stark, siegreich und tugendhaft. Er erlebt Momente der Schwäche, verliert die Beherrschung und lässt sich zu schrecklichen Schandtaten hinreißen. Am Scheideweg zwischen Gut und Böse biegt er nicht selten falsch ab. Diese Ambivalenz – seine heroischen Taten einerseits, sein Jähzorn und die daraus erwachsenden tragischen Momente seines Lebens andererseits – machten ihn auch für die bildenden Künste der Neuzeit zu einer inspirierenden Figur. 

 

Die zwölf »Herkulesaufgaben« – darunter die siegreichen Kämpfe mit dem nemeischen Löwen und dem kalydonischen Eber, die Reinigung des Augiasstalls oder die Überlistung des Atlas – sind Thema zahlloser Werke. Dargestellt wurden aber auch andere Erzählungen, so etwa der Kampf der Pygmäen gegen Herkules, den Lucas Cranach d. J. in zwei großformatigen Gemälden geschildert hat. Oder die Zeit des Helden bei der Königin Omphale, der er zur Sühne dienen musste: Herkules zieht Frauenkleider an und verrichtet weibliche Tätigkeiten. So hat ihn beispielsweise der Bildhauer Balthasar Permoser dargestellt. Peter Paul Rubens wiederum widmet sich dem Trunkenen Herkules, der nach maßlosem Weingenuss gestützt werden muss, während ihm Löwenfell und Keule abhandenkommen.

 

In der Ausstellung werden Skulpturen, Gemälde, Grafiken und Kunsthandwerk gezeigt, die die Faszination für diese Sagenfigur von der Antike bis zur Neuzeit anschaulich machen. Die spannenden Erzählungen und vielfältigen Darstellungen werden auf leichte, spielerische, unterhaltsame Weise vermittelt. Und sie werden mit unserer Gegenwart in Beziehung gesetzt: Was bedeutet uns Heldentum? Wer sind heute die wahren Helden? 

Zwinger mit SemperbauTheaterplatz 1, 01067 Dresden
30.10.25 - 28.06.26
Leipzig

Sichtbarmachen – Spuren jüdischen Engagements im MdbK

Jüdische Leipziger Bürger:innen prägten mit ihrem zivilgesellschaftlichen und kulturellen Engagement seit dem 19. Jahrhundert die Stadt und das MdbK maßgeblich – bis sie im Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt, vertrieben, ausgeraubt und ermordet wurden. Das Wissen um ihr Wirken und ihre Kunstsammlungen ist heute weitgehend verloren. Das MdbK will die Namen und Geschichten von wegweisenden Leipziger jüdischen Akteu:innen in das öffentliche Bewusstsein und das Museum zurückbringen. Gemeinsam mit der Künstlerin Shlomit Lehavi und der Publizistin Sharon Adler begab es sich dafür seit 2024 auf Spurensuche, um vergessene und ausgelöschte Verbindungen wieder sichtbar zu machen.

 

 

Sichtbarmachen, Phase 1 und 2

 

In der ersten Phase führte das MdbK gemeinsam mit Sharon Adler Recherchen zu vergessenen jüdischen Akteur:innen durch. Im Archiv der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, in Stadt- und Staatsarchiven sowie in der Dokumentation des MdbK wurden 28 Personen und Familien identifiziert. Ihnen gemeinsam ist, dass sie jüdisch waren, sich karikativ gesellschaftlich und kulturell engagierten und eine Verbindung zum MdbK hatten.

 

Die Auswahl der Protagonist:innen, zu denen in der zweiten Projektphase intensiver geforscht wurde, erfolgte nach Kriterien, die im Projektteam erarbeitet wurden. Unter anderem sollten die Familiengeschichten sowohl verschiedene Aspekte des sozialen und kulturellen Engagements als auch unterschiedliche Bindungen zum Museum widerspiegeln. Im Zentrum stehen die Biografien von Wilhelm Breslauer, Hermann und Toni Halberstam, Cläre Kirstein, Moritz Kraemer und Laura Sonntag. Zu den Ergebnissen dieser zweiten Phase hat Shlomit Lehavi eine künstlerische Visualisierung erarbeitet.

 

 

Leerstellen Sichtbarmachen

 

Als künstlerische Intervention und Visualisierung der Ergebnisse steht Lehavis Werk Leerstellen sichtbarmachen dem Stiftermosaik von Stephan Huber im Foyer des MdbK gegenüber. Das Tafelmosaik, das er 2004 für den Neubau des Museums erarbeitete, vereint Förder:innen des Museums aus drei Jahrhunderten in einem Gruppenporträt. Das Historienbild fungiert dabei sowohl als Erinnerung an die Stiftungsmentalität der Bürger:innen Leipzigs im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert als auch als Einladung, an diese Tradition künftig anzuknüpfen.

 

Leerstellen sichtbarmachen erweitert das Bild der abgebildeten Stifterinnen und Mäzene um die jüdischen Protagonist:innen und macht deutlich, dass Wissen und Geschichte abhängig von der sie leitenden Fragestellung ist. Shlomit Lehavi arbeitet gattungsübergreifend und kombiniert traditionelle Techniken mit medienkünstlerischen Methoden. Leerstellen sichtbarmachen – eine Installation aus digitalen Zeichnungen, die auf einem transparenten Bildschirm präsentiert werden – steht an der Schnittstelle von Video, Zeichnung und interaktiver Kunst. Die Arbeit fügt sich räumlich in das Foyer ein und schafft einen Erinnerungsort im MdbK.

 

Die recherchierten Biografien werden den Besuchenden als Audiodateien in einer Hörstation vor Ort und online zugänglich gemacht. Die Texte wurden zusammen mit Sharon Adler erstellt, die sie auch in Deutsch und Englisch eingesprochen hat und so den ehemaligen Leipziger Familien ihre Stimme leiht. Leerstellen sichtbarmachen lädt die Besuchenden zum Innehalten, Agieren und Beobachten ein und bietet die Möglichkeit, tief in vergessene Familiengeschichten einzutauchen.  

 

Jüdische Familien, Sammler:innen und Künstler:innen waren vor 1933 ein wichtiger Bestandteil des Leipziger Kulturlebens. Ihr Beitrag und ihr Engagement sind ebenso wie ihre Lebensgeschichten mit der Verfolgung, der Vertreibung und Ermordung im Nationalsozialismus aus dem Gedächtnis der Stadt gelöscht worden. Ihr Fehlen hat Leerstellen hinterlassen. Diese zu füllen und an die Menschen zu erinnern, ist eine wichtige Aufgabe im Umgang mit der Sammlung sowie der Geschichte des MdbK.

 

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Museum der bildenden Künste Leipzig Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig
28.03.26 - 28.06.26
Düsseldorf

For Ever and Forever When I Move

Mit Enya Burger und Teresa Linhard

 

In seinem 1842 veröffentlichten Gedicht Ulysses lässt der viktorianische Schriftsteller Lord Alfred Tennyson (1809–1892) einen älter gewordenen Odysseus wehmütig seine abenteuerlichen Tage auf hoher See Revue passieren. Jahrhunderte später sind wieder westliche Entdecker auf den Meeren unterwegs. Ihr Ziel ist nicht nur die Expansion Europas. Forscher und Wissenschaftler suchen auch nach anderen Schätzen: Biologische Proben werden geborgen, aus denen wissenschaftliche Theorien entwickelt werden, die aus heutiger Sicht ebenso mythisch und fantastisch klingen wie Odysseus’ Abenteuer. Viele dieser Seefahrer waren Eroberer und Besetzer, die fremde Territorien gewaltsam in Besitz nahmen und deren Kulturgüter vereinnahmten und nach Europa brachten. Die für Europa beglückende Erfahrung der gewaltsamen Erweiterung des Weltbildes ging einher mit Leid und Unterdrückung indigener Gesellschaften, auf deren Kosten die viel gerühmte »Gleichheit« der Aufklärung ging.[1]

 

In der Ausstellung »For Ever and Forever When I Move« – der Titel zitiert eine Zeile aus Tennysons Gedicht, das den Bewegungsfluss von Material, Formen und Wissen über territoriale Grenzen und Epochen hinweg beschreibt – zeigen die Künstlerinnen Enya Burger und Teresa Linhard Werke in höchst unterschiedlichen Formaten. Mit ihren materiell gegensätzlichen Ansätzen gehen die beiden Absolventinnen der Kunstakademie Düsseldorf viele Jahrhunderte zurück, um in ihren Werken Motive, Geschichten und Theorien darzustellen, die sich zwischen Fakt und Fiktion, Mythologie und Wissenschaft bewegen. Ihre Kunst lässt uns Räume erkennen, die ein Dazwischen sind – und sie gibt uns Bilder an die Hand, die uns dazu anregen können, unser eurozentristisches Erbe zu reflektieren.

 

Enya Burger begeistert sich seit Langem für viskose und fluide Materialien, die sich einer klar greifbaren Form entziehen. Ihr besonderes Interesse gilt Schleim, Sekreten und pilzartigen Strukturen, die kulturell häufig mit Ekel, Abwehr und Unbestimmtheit in Verbindung gebracht werden. Es sind Stoffe, die sich ausbreiten, anpassen, vernetzen und damit die Vorstellung von Stabilität und Eindeutigkeit durchbrechen, auf der viele kulturelle und wissenschaftliche Ordnungssysteme beruhen. Burger untersucht in ihren Arbeiten, wie sich bestimmte Bilder, Affekte und Wissensformen zu genau diesen Materialien bilden und wie sie sich dabei zwischen Wissenschaft, Fiktion und Mythos bewegen. Flüssigkeit wird in ihren Arbeiten zum Medium des Übergangs: Feste Trennungen zwischen Körper und Umwelt, Natur und Technologie, Innen und Außen werden unterwandert. Zur Untersuchung dieser flüssigen Materialien sind Werkzeuge zum Messen, Prüfen oder Ordnen notwendig, die wir in ihren Installationen wiederfinden.

 

Teresa Linhard verwendet in ihren Arbeiten handwerkliche Techniken, die auf textilen Verfahren beruhen. So entstehen ihre Malereien auf Holz beispielsweise mit Methoden, die der Batik entlehnt sind. In ihrer Recherche beschäftigt sie sich mit europäischer Chinoiserie und dem Gegenkonzept der chinesischen Europerie aus dem 18. Jahrhundert. Die Anfänge von Aufklärung und Globalisierung markieren einen kurzen Moment in der europäischen Geschichte, in dem sich mittelalterliche, teils mythische Vorstellungswelten mit einem »wissenschaftlichen« Denken überlagerten. Das europäische Interesse an China führte zu einer eigenständigen Formensprache, der Chinoiserie, die weniger mit dem tatsächlichen China jener Zeit als mit europäischen Projektionen und Sehnsüchten verbunden war. Einzelne Motive lassen sich auf Holzschnitte der chinesischen Populärkunst zurückführen. Umgekehrt blieb China vom Kontakt mit europäischen Händlern und Missionaren weitgehend unbeeindruckt; lediglich einzelne westliche Gestaltungsprinzipien wie die Zentralperspektive fanden Eingang in chinesische Darstellungsweisen. In Anlehnung an Byung-Chul Hans Essay Shanzhai. Dekonstruktion auf Chinesisch nähert sich Linhard dem Thema über das sensible Kopieren historischer Vorlagen. Sie bringt beide Blickrichtungen in einen zeitgenössischen Dialog und zeigt, dass Erzählungen stets auch Aussagen über die Vorstellungen und Sehnsüchte der eigenen Kultur treffen.

 

Kuratorin: Jessica Aydin.

 

[1] In diesem Absatz wird bewusst das generische Maskulinum verwendet.

KIT – Kunst im TunnelMannesmannufer 1b, 40213 Düsseldorf
28.02.26 - 28.06.26
Nürnberg

Constantin von Mitschke-Collande – Ein Künstlerleben zwischen Dresden und Nürnberg

Im Jahr 2026 jährt sich der Todestag des 1884 geborenen Künstlers Constantin von Mitschke-Collande (1884–1956) zum 70. Mal. Die Kunstvilla zeigt aus diesem Anlass eine großangelegte Retrospektive aus dem Schaffen des Künstlers.

 

Der zunächst in München, Paris und Dresden tätige Künstler verbrachte gemeinsam mit seiner ebenfalls als Künstlerin tätigen, zweiten Frau Hilde von Collande seine letzten Lebensjahre in Nürnberg. In Dresden hatte Mitschke-Collande ab 1907 unter anderem bei dem deutschen Impressionisten Robert Sterl und bei dessen Widerpart, dem neusachlichen Maler Oskar Zwintscher studiert. Daneben hinterließen Künstlerreisen nach Rom, Florenz und Paris, wo er Maurice Denis und Fernand Léger kennenlernte, bleibende Eindrücke. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Mitschke-Collande gemeinsam mit Otto Dix zu den Gründern der gesellschaftskritischen Künstlervereinigung »Dresdner Sezession Gruppe 1919«, woran sich eine expressionistische Werkphase in seinem Schaffen anschloss. Eine weitere Zäsur stellte die folgende Diffamierung durch die Nationalsozialisten dar: 1937 wurde eines seiner Gemälde in der Münchner Femeausstellung »Entartete Kunst« präsentiert, weitere wurden beschlagnahmt oder vernichtet. Die Zerstörung seines Ateliers durch die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg bedeutete den Verlust eines Großteils seines bis dahin entstandenen Œuvres.

 

Die Ausstellung vereint Werke aus dem Bestand der Kunstvilla, der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg sowie aus Firmen- und Privatsammlungen – darunter selten gezeigte Arbeiten aus dem Nachlass. Sie würdigt nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen, der nach Krieg und Vertreibung in Nürnberg eine neue Heimat fand und dort bis zu seinem Tod 1956 wirkte.

Kunstvilla NürnbergBlumenstraße 17, 90402 Nürnberg
27.02.26 - 28.06.26
Linz

conceptual exercises – ewa partum

Feministische Konzeptkunst

 

conceptual exercises ist Ewa Partums erste umfassende Ausstellung in Österreich. Die polnische Künstlerin verband seit Mitte der 1960er- Jahre bewusst feministische Intentionen mit konzeptuellen und ästhetischen Strategien. Parallel zu ihren Arbeiten mit Buchstaben, die häufig im öffentlichen Raum inszeniert wurden und ihren Mail-Art Aussendungen, setzte sie ihren eigenen nackten Körper als künstlerisches Werkzeug ein.

 

 

the touch of a woman

 

In der Ausstellung werden zentrale Werke der Künstlerin präsentiert. Im Außenraum, vor dem Museum, ist The Legality of Space installiert. Erstmals 1971 auf dem Freiheitsplatz in Łódź gezeigt, besteht die Installation aus Verkehrs- sowie selbst gestalteten Gebots- und Verbotsschildern und macht auf die staatliche Kontrolle des öffentlichen Raums aufmerksam. Für Change ließ sich die Künstlerin 1974 eine Hälfte ihres Gesichts als alternde Frau schminken und plakatierte 1978 rund 600 Poster dieser Transformation in der Stadt. In Self – Identification von 1980 collagierte sie ihren nackten Körper in Straßenszenen und betrat zur Ausstellungseröffnung nackt den Gehsteig vor der Galerie in dem Moment, als sich dort eine Hochzeitsgesellschaft vor einem Standesamt aufhielt. My touch is the touch of a woman – dieser Satz steht unter dem lippenstiftroten Kussmund auf einem ihrer Mail-Art-Blätter von 1971, versehen mit der Bemerkung poem by ewa.

 

Mit conceptual exercises wird eine künstlerische Position vorgestellt, die intellektuell klar und präzise ist, gesellschaftliche Sprengkraft entfaltet, und gleichzeitig von Liebe und Sanftmut getragen ist.

 

Kuratiert von Nathalie Hoyos und Rainald Schumacher

Francisco Carolinum LinzMuseumstraße 14, 4020 Linz
27.02.26 - 28.06.26
Linz

Unzensiert. Eine Retrospektive – Annegret Soltau

Inszenierte Fotografie und Body Art

 

Annegret Soltau zählt mit ihrer eigenständigen, radikal feministischen Bildsprache zu den bedeutendsten Vertreterinnen der inszenierten Fotografie und Body Art in den 1970er- und 80er-Jahren. Gesellschaftliche Normen, Körperpolitik und weibliche Identität sind zentrale Themen ihrer Werke. Ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Schwangerschaft, Mutterschaft und Familie in den 1970er- und 80er-Jahren, in der sie komplexe Gefühlswelten, innere Konflikte und emotionale Zustände freilegt, ist einzigartig. Ihr Werk macht ihre weibliche Biografie konsequent zum Thema und bricht damit mit gesellschaftlichen Konventionen, die zum Teil noch immer gültig sind. Sie hinterfragt Rollenbilder und dekonstruiert Klischees über Mutterschaft und Familie. Bis heute brechen ihre Arbeiten Tabus, wenn sie uns eindringlich mit dem Altern des weiblichen Körpers und Fragen der Vergänglichkeit konfrontieren.

 

Auch technisch geht die Künstlerin ihren eigenen Weg, sie entwickelt die für ihr Werk charakteristische Methode der Fotovernähung und -radierung. Immer wieder verstößt sie mit ihren Arbeiten gegen gesellschaftliche und ästhetische Konventionen und wird von der Öffentlichkeit zensiert. Die Retrospektive rückt ihr Gesamtwerk ins richtige Licht, etabliert die Künstlerin als wichtige Stimme der Gegenwartskunst und zeigt, wie relevant ihre Arbeiten über die Zeit geblieben sind.

 

Eine Ausstellung des Städel Museums, Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Francisco Carolinum, Linz.

 

Kuratorisches Grundkonzept Svenja Grosser, kuratiert von Michaela Seiser.

Francisco Carolinum LinzMuseumstraße 14, 4020 Linz
19.03.26 - 28.06.26
Berlin

Peter Hujar / Liz Deschenes: Persistence of Vision

Die Ausstellung Persistence of Vision vereint die Arbeiten von Peter Hujar und Liz Deschenes und bringt diese in einen generationsübergreifenden Dialog über Fotografie. Hujar, der in der Zeit zwischen den Stonewall-Protesten von 1969 und dem Ausbruch der AIDS-Krise in den 1980er Jahren in New York City arbeitete, hielt eine entscheidende kulturelle Phase in eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien fest. Neben prägnanten Bildern von Tieren, Natur und verfallenden Gebäuden porträtierte er die queeren und Avantgarde-Communitys in Lower Manhattan, darunter Persönlichkeiten wie Candy Darling, Susan Sontag und David Wojnarowicz.  

 

In der Ausstellung werden Hujars Fotografien mit zeitgenössischen Werken der in New York City lebenden Künstlerin Deschenes verwoben. Diese Konstellationen laden dazu ein, innezuhalten, den eigenen Blick zu schärfen und neue Perspektiven auf Hujars Werk zu entdecken. Deschenes schafft Skulpturen und ungegenständliche fotografische Arbeiten, die grundlegende Eigenschaften des Mediums – Licht, Chemie und Zeit – nutzen, um zu erforschen, was eine Fotografie sein kann. Als erste große Ausstellung der Arbeiten von Hujar und Deschenes in Berlin formuliert Persistence of Vision ein erweitertes Verständnis von Fotografie und hebt die kompromisslose Klarheit der Vision hervor, die die Praxis beider Künstler:innen vereint.

 

Kuratiert von Eva Respini, Co-CEO und Curator at Large, Vancouver Art Gallery, mit Monique Machicao y Priemer Ferrufino, kuratorisches Volontariat Ausstellungen, Gropius Bau
Ausstellungsmanagement: Filippa Carlini, Projektleitung

 

In Partnerschaft mit dem Gropius Bau zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn vom 27. Februar bis 23. August 2026 Peter Hujar. Eyes Open in the Dark.

Gropius BauNiederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
04.04.26 - 28.06.26
Münster

Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert

Erstmals in Deutschland befasst sich eine Ausstellung mit den nicht realisierten Projekten von Christo und Jeanne-Claude, die vor allem durch ihre spektakulären Interventionen im Stadt- und Landschaftsraum Berühmtheit erlangten. Dabei stehen den publikumswirksamen Großprojekten mehr als doppelt so viele Vorhaben entgegen, deren Umsetzung scheiterte und die sich entsprechend weniger ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben – darunter etwa auch die Verhüllung von Picassos monumentaler Skulptur Bust of Sylvette auf dem Gelände der New York University. 

 

Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert wird vom 4. April bis zum 28. Juni 2026 im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster zu sehen sein, Deutschlands einzigem Museum, das dem Werk und Einfluss des spanischen Künstlers gewidmet ist. Vor allem in Christo und Jeanne-Claudes druckgrafischem Werk nehmen die unrealisierten Projekte einen großen Platz ein. Die Ausstellung trägt diesem Umstand Rechnung und zeigt vornehmlich die handwerklich teils aufwendig gestalteten Lithografien und Collage-Grafiken des Paares. Das umfangreiche Konvolut, das aus dem Bestand der Christo and Jeanne-Claude Foundation in New York stammt und um weitere Leihgaben aus privaten wie öffentlichen Sammlungen ergänzt wird, gewährt einen umfassenden Einblick in die unbändige Schaffenskraft und Beharrlichkeit der Künstler, die für die Realisierung ihrer Projekte oft jahrzehntelang gegen technische, rechtliche und administrative Hürden kämpften.

 

Eine Präsentation an frühen Multiples und verhüllten Objekten beleuchtet zum Auftakt der Ausstellung Christo und Jeanne-Claudes künstlerische Anfänge im Paris der 1950er- und 1960er-Jahre bis hin zu ihrem Umzug nach New York 1964. Zum ersten Mal überhaupt sind nahezu sämtliche ihrer frühen Auflagenobjekte versammelt, manche davon in mehrfacher Ausführung, um so den seriellen Unikatcharakter dieser Editionen deutlich zu machen. Dass zum Erfolg auch das Scheitern gehört, macht die Ausstellung auf eindrückliche Weise deutlich. Christo und Jeanne-Claude haben mit ihren Arbeiten im öffentlichen Raum sowohl politische, ökonomische als auch soziale Fragen berührt und damit nicht selten vehemente Ablehnung provoziert. Beispielhaft beleuchtet eine Auswahl an Originalzeichnungen, Collagen und Filmmaterial den 25-jährigen Kampf um das Projekt Over the River, das zunächst genehmigt und schließlich nach zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen von Christo aufgegeben wurde.

 

Die Ausstellung wird von Matthias Koddenberg kuratiert, selbst Münsteraner, enger Freund von Christo und Jeanne-Claude und über 20 Jahre lang Teil ihrer »Arbeitsfamilie«. Sie versammelt über einhundert Arbeiten aus sechzig Jahren und ermöglicht einen tiefen Einblick in Christo und Jeanne-Claudes facettenreiches Schaffen, das durch seinen ästhetischen Anspruch und kollektiven Ansatz nicht erst in der Realisierung, sondern bereits im Entwurf und Prozess seine visuelle und gesellschaftliche Kraft entfaltete.

Kunstmuseum Pablo PicassoPicassoplatz 1, 48143 Münster
21.03.26 - 28.06.26
Kleve

something that flees the hands

Das Museum Kurhaus Kleve (MKK) und Residence NRW präsentieren die Ausstellung »something that flees the hands«. Arbeiten von sieben internationalen Künstler:innen –  Wisrah C. V. da R. Celestino, Sultan Çoban, Rashiyah Elanga, Xheneta Imeri, Hanni Kamaly, Arthur Stachurski, Tobias Hohn & Stanton Taylor - treten in einen Dialog mit Fragmenten der aktuellen MKK-Sammlungspräsentation, wie einer Arbeit von Mona Hatoum. Die Ausstellung schreibt sich damit ein in die bestehenden Präsentations- und Vermittlungskonventionen des MKK und nimmt sie zum Gegenstand ihrer eigenen Fragestellungen.

 

Was den Händen entflieht, lässt sich nicht festhalten. Es ist im Übergang und in Bewegung begriffen. Der Titel verweist auf den Moment, in dem etwas entgleitet, bevor es begriffen werden kann, in dem Ordnungen auf etwas treffen, das sich nicht stabilisieren lässt. »Something that flees the hands« zeigt Arbeiten, die in dieser Spannung operieren: zwischen dem institutionellen Anspruch auf Lesbarkeit und Strategien der Opazität und Verweigerung.

 

Die teilnehmenden Künstler:innen hinterfragen in ihren Arbeiten Wertesysteme, Autoritäten und Apparate der Verwaltung. Tobias Hohn und Stanton Taylor thematisieren die Funktion von musealen Displays und konzentrieren sich auf Präsentationsweisen, die Objekte eher verdecken als sichtbar machen. Xheneta Imeri greift in den Textkörper der Ausstellung ein und verschiebt die kuratorische Stimme und ihre interpretative und ordnende Funktion.

 

Wisrah C. V. da R. Celestinos reflektieren die institutionelle Macht, Zugänglichkeit und den Sammlungswahn von Kunstinstitutionen. Mittels Rekonfiguration und Wiederholung entziehen sich Celestinos score-basierte Arbeiten jeglicher Festlegung. Arthur Stachurskis handgefertigte Bronze Gefängnigsreliefs verweisen auf das ambivalente Verhältnis von Gegenwartskunst und Handwerk und nehmen Bezug auf das Gefängnis als Ort staatlicher Autorität. Rashiyah Elanga inszenieren museale Szenen zwischen Dokumentation und Fiktion und legen dabei koloniale und ökonomische Logiken von Klassifikationssystemen frei.

 

Hanni Kamalys fragil anmutende, große Stahlskulptur steht prekär ausbalanciert mit einem Fuß auf einem Sandhaufen, der aus der vorherigen Sammlungspräsentation des MKK herrührt. Benannt nach den Opfern rassistischer Gewalt – etwa Amad Ahmad, einem Todesfall in Kleve –, reflektiert sie Praktiken des Gedenkens und Leerstellen in Archiven und öffentlichen Debatten. Sultan Çoban hat für ihre Arbeit das im MKK situierte städtische Trauzimmer gewählt. Im historischen Ambiente des früheren Kurhauses befragt sie die Verschränkungen gesellschaftlicher Institutionen mit kulturellen Konventionen, unterwandert jegliches Sicherheitsversprechen, das angesichts des Objektes vermutet werden kann. Aus weichem Silikon gefertigt, gibt das Material selbst in unbenutztem Zustand unter seinem Gewicht nach. Zuvor in der Sammlungspräsentation aufrecht stehend gezeigt, ist für »something that flees the hands« der Nagel zur Befestigung an der Wand entfernt worden. Ungesichert folgt die Arbeit der Logik ihres Materials, entzieht sich der kuratorischen Fixierung und fällt zu Boden.

 

Kuratiert von Anneliese Ostertag und Antoine Simeão Schalk.

Museum Kurhaus KleveTiergartenstraße 41, 47533 Kleve
31.01.26 - 28.06.26
Uhingen

Arno Fischer – Fotografie

Die Ausstellung gibt Einblick in das fotografische Werk Arno Fischers (1927–2011) und zeigt zentrale Serien, die vom Berlin der Nachkriegsjahre über den Kalten Krieg bis ins New York der 1980er Jahre führen. Nicht die großen politischen Schlaglichter bestimmten seine Motive, sondern die stille Intensität des Alltags – das Poetische im Nüchternen, das Bedeutsame im Unscheinbaren.

In der Werkreihe Situation Berlin (1953–1960) porträtiert Fischer das Leben in der in vier Sektoren geteilten Stadt. Er besucht politische Kundgebungen, Rummelplätze, den Kurfürstendamm oder provisorische Baustellen und richtet seinen Blick bewusst abseits der offiziell »bildwürdigen« Szenen. Weitere Werkgruppen zeigen seine Reportagen aus Ländern des Ostblocks sowie seine Fotografie für die Modezeitschrift Sibylle, deren Bildsprache er entscheidend mitgestaltete. Auch seine New-York-Fotografien (1978, 1984) stehen für eine offene, unbefangene Street Photography, die sozialen Gegensätze und urbane Vielfalt sichtbar macht.

Ein eigener Bereich würdigt Fischers Rolle als Kollege und Begleiter. Arbeiten seiner Partnerin Sibylle Bergemann sowie seiner Weggefährten Brigitte Voigt, Roger Melis, Rudolph Schäfer, Ute und Werner Mahler u. a. erweitern den Blick auf sein Umfeld – um die Einflüsse und den gemeinsamen Blick auf den Moment sichtbar zu machen, der Fischers fotografisches Werk prägte.
Mit zahlreichen Arbeiten aus fünf Jahrzehnten zeigt die Ausstellung die nachhaltige Bedeutung Arno Fischers für die deutsche Fotografie.

 

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der LOOCK Galerie Berlin entstanden.© Erbengemeinschaft Arno Fischer, ©Estate Sibylle Bergemann.

Kunsthalle GöppingenSchloss Filseck, 73066 Uhingen
27.03.26 - 28.06.26
Köln

LOUISE STOMPS – Konturen des Inneren

Die Bildhauerin Louise Stomps (1900–1988) führte ein kompromisslos eigenständiges Leben als Künstlerin. Ihr Werk kreist um existenzielle Erfahrungen wie Liebe, Trauer, Hoffnung und Verlust. Ausgehend von der klassischen Moderne entwickelte sie eine Formensprache, die sich behutsam von der Figur löste – der Mensch blieb aber auch in ihren zunehmend abstrakten Arbeiten stets zentraler Bezugspunkt. 
Das Kollwitz Museum Köln widmet dieser herausragenden und zu Unrecht lange Zeit nur selten ausgestellten Künstlerin nun eine umfassende Retrospektive mit rund 45 Skulpturen und 30 Papierarbeiten aus ihrem Nachlass sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen.

 

»Es sind Linie, Form, Ausdruck — gefangen im menschlichen Urbild —, mit denen ich zu bilden suche, was ich zu sagen habe!«
Louise Stomps, 1947

 

 

Figur und Ausdruck

Während der Weimarer Republik erhält Stomps ihre Ausbildung in Berlin. Bereits bei ihren frühen Skulpturen in Holz, Gips und Stein interessiert sie weniger das naturgetreue Abbild als die Frage, wie innere Bewegung und Spannung in eine reduzierte Form übersetzt werden können. Parallel entstehen erste grafische Arbeiten, in denen sie Linie und Fläche als eigenständige Ausdrucksmittel erprobt.

 

 

Widerstand, Verlust und Neubeginn

Aus politischer Überzeugung zieht sich Stomps während der NS-Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. Nachdem 1936 Werke von Kollwitz und Barlach aus Ausstellungen entfernt werden, sieht auch sie sich und ihre Kunst nicht länger als Teil des Kulturbetriebs und stellt nicht mehr aus.
Bombenangriffe zerstören 1943 Wohnung, Atelier und den Großteil ihres bisherigen Œuvres.

Nach 1945 findet sie durch ihre eindringlichen Figuren eine neue Sprache für Kriegserfahrung, Verlust und Trauer. Stomps erfährt neue Beachtung im Berliner Kunstbetrieb – Ausstellungen und Auszeichnungen folgen.

 

 

Neue Freiheit 

1960 erwirbt Stomps eine alte Wassermühle in Oberbayern und schafft dort überlebensgroße Holzskulpturen. Sie folgt nun dem Material selbst: Wuchs, Maserung und Astlöcher werden zu Impulsgebern der Form.

 

Unabhängig bleibt sie auch hier – mit dem Motorrad durchquert sie bis ins hohe Alter das bayerische Land bis nach Italien. Diese Freiheit spiegelt sich auch in ihrem Spätwerk wider: Organische Formen rücken in den Fokus ihrer skulpturalen Arbeiten ebenso wie ihrer Tusche- und Kugelschreiberzeichnungen

 

Nach der ersten Retrospektive des Vereins DAS VERBORGENE MUSEUM in der Berlinischen Galerie 2021 macht das Kollwitz Museum Köln diese wichtige Bildhauerin des 20. Jahrhunderts nun erneut sichtbar – in teils großformatigen Arbeiten aus Stein und Holz, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie in einer eigens für die Ausstellung produzierten filmischen Dokumentation.

Käthe Kollwitz Museum KölnNeumarkt Passage, Neumarkt 18–24, 50667 Köln
14.05.26 - 28.06.26
Frankfurt am Main

Positionen zur Freiheit – Gestaltung und ihre Grenzen

the thing Fellowship 2026

 

Ist Gestaltung ein Werkzeug der Befreiung, der Unterdrückung oder beides zugleich? Vom 14. Mai bis zum 28. Juni 2026 widmet sich das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main dieser Frage. Die Ausstellung Positionen zur Freiheit. Gestaltung und ihre Grenzen versteht ihren Titel als Methode und entfaltet das Thema als Spektrum in einer dreiteiligen Ausstellungsstruktur: eine Gruppenausstellung, hervorgegangen aus einem Open Call und einer Kooperation mit dem Museum, neue Arbeiten beauftragter Designer:innen (Fellows) sowie ein Reader mit theoretischen Beiträgen und Gesprächen.

 

Zwischen Ästhetik und Norm schaffen Designer:innen konkrete Dinge, wie Werkzeuge, Mobilitätskonzepte oder Mode und legen damit fest, was möglich erscheint. Dabei entstehen nicht nur Lösungen, sondern oft auch Ausschlüsse und neue Formen von Normalität. Mit einer großen Bandbreite an Arbeiten und Formaten nähert sich Positionen zur Freiheit dem Begriff der Freiheit aus unterschiedlichen Perspektiven an. Zutage tritt ein vielschichtiges Konzept, das sich, wenn überhaupt, nur in seiner Vielfalt erfassen lässt.

 

Die in der Ausstellung versammelten Projekte reichen von politischer und räumlicher Freiheit bis hin zu Fragen der Kunst- und Gedankenfreiheit. Sie machen Freiheit konkret, in Form von Barrieren, Darstellungen von Identität sowie in Auseinandersetzungen mit Gewalt und Überwachung.

 

Dabei zieht sich eine zentrale Beobachtung durch die Ausstellung: Freiheit ist ambivalent. Sie lässt sich nur im Verhältnis zu ihren Grenzen und Beschränkungen verstehen, seien diese räumlicher, sozialer oder individueller Natur. Gestaltung macht diese Spannungsverhältnisse sichtbar und erfahrbar, ebenso wie die Auswirkungen von Unfreiheit.

 

Auch wenn sich die Ausstellung bewusst offen dem Begriff der Freiheit nähert, folgt sie einer kuratorischen Haltung, die Freiheit nicht als Durchsetzung des Stärkeren begreift, sondern als ein Konzept, das auf universellen Menschenrechten und einem empathischen Miteinander basiert, zwischen Menschen ebenso wie im Verhältnis zum Planeten, auf dem wir leben.

 

Die Ausstellung ist ein offizielles Projekt im Kontext der World Design Capital 2026 und wurde im Rahmen des the thing Fellowship realisiert, einer Initiative des the thing Magazine. In Partnerschaft mit USM und der Fondation USM entstanden, beleuchtet die Schau, wie inhaltliche Freiheit im Spannungsfeld zwischen institutionellen Strukturen und unternehmerischem Handeln verhandelt werden kann.

 

Anton Rahlwes ist Initiator und künstlerischer Leiter des Projekts. Darüber hinaus gestalten die Designer:innen Anton und Lotti Defant die Szenografie als weitere Position zur Freiheit entlang der Metapher des Gedankengebäudes. Die visuelle Kommunikation stammt von Autostrada Studios. Beide sind integrale und eigenständige Beiträge zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Freiheit.

Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
22.05.26 - 28.06.26
Frankfurt am Main

Design for Democracy. Was Gestaltung bewirken kann!

Design for Democracy versteht sich als ein von Verantwortung geprägtes Gestalten zur Erleichterung, Erweiterung, Erhaltung und Intensivierung des Lebens. Ein Gestalten guter, partizipativer Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit, die – als gute Probleme definiert – ebenso gute gestalterische Lösungen verlangen. Design will dabei als ein Veränderungsprozess verstanden werden, den der Mensch an seiner Umwelt vollzieht, als ein Werkzeug, das ein friedliches, vielfältiges und demokratisches Miteinander fördern kann.

 

Gut gestaltete, einladende öffentliche Orte, Sportanlagen und Parks, hilfreiche Tools – die eine Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen, inklusive Museen und Dritte Orte, wandelbare Wohnarchitekturen, klare Leitsysteme und Erklärungen für Behördengänge sowie kluge Mobilitätskonzepte sind Teile jener nachhaltigen Infrastruktur, die gesellschaftlichen Zusammenhalt im Alltag und einen positiven Blick in die Zukunft erst möglich machen.

 

Das Vorhandensein und der Zustand einer solchen Infrastruktur entscheiden mit über Bildungschancen, sozialen Aufstieg, Integration, das Gefühl, ob das Gemeinwesen für alle da ist – oder nicht – und nicht zuletzt über das Vertrauen in demokratische Handlungsfähigkeit. Der überlegte, weil auf Ressourcenschonung, Langlebigkeit, guten Arbeitsbedingungen und ästhetischer Qualität ausgerichtete Gestaltungsprozess von Produkten entscheidet mit über die Zukunftsfähigkeit unserer Welt, das Angebot und die Möglichkeit des Mitgestaltens über die Art und Weise eines Miteinanders im Hier und Jetzt.

 

25 Projekte aus dem In- und Ausland wurden von den Kurator:innen für die erstmals im Museum Angewandte Kunst zusammengestellte Präsentation im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 ausgewählt. Es sind aktuelle Gestaltungsbeispiele aus der Region Frankfurt RheinMain, die mit europäischen Projekten und Positionen verknüpft sind. Ein abwechslungsreicher Parcours durch die Ausstellung beleuchtet das Verhältnis von Design und Demokratie, eröffnet neue Perspektiven auf Co-Kreation und Gemeinwohl und hinterfragt die Wirksamkeit von guter Gestaltung.

 

Kurator:innen: Anna Scheuermann, Prof. Matthias Wagner K

Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
04.04.26 - 28.06.26
Münster

Schwindelgefühle – Picassos (Bild-)Architekturen

Mit über 50 Exponaten aus den Sammlungsbeständen erkundet die Studioausstellung Picassos künstlerisches Verhältnis zur Architektur in drei Kapiteln. Im Zusammenhang des globalen Siegeszuges brutalistischen Bauens entwarf Picasso ab den 1950er-Jahren zahlreiche monumentale Beton- und Stahlskulpturen, die weltweit große Beachtung fanden und bis heute Universitäten, Parks und öffentliche Einrichtungen in Metropolen wie New York, Chicago, Amsterdam und Barcelona schmücken. Die Schau stellt in diesem Kapitel Fotografien der markantesten Skulpturen in einen spannungsreichen Dialog mit Picassos Druckgrafik. 

 

Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung Picassos Stadt- und Innenansichten seiner südfranzösischen Wohnorte und Ateliers und blickt im abschließenden Kapitel in metaphorischer Verwendung des Begriffs »Architektur« auf seine Strategien der Bildkomposition. Der britische Kunsthistoriker Christopher Green entwickelt in seinem Buch »Picasso – Architecture and Vertigo« die These, Picassos Werk sei durch zwei Gestaltungsprinzipen geprägt: Der Erschaffung formaler Strukturen, die eine geschlossene »Bildarchitektur« erzeugen sowie die bewusste Zerstörung dieser »Architektur« durch eine kreative Kraft, die als »Vertigo« bezeichnet werden kann – als ein Schwindelgefühl, das durch Chaos und Orientierungsverlust gekennzeichnet ist. Die Ausstellung lädt dazu ein, unter dem Aspekt der Architektur das facettenreiche Schaffen des spanischen Künstlers neu zu entdecken.

Kunstmuseum Pablo PicassoPicassoplatz 1, 48143 Münster
11.04.26 - 28.06.26
Penzberg

CAMPENDONK MALT BLAU

Blau ist die Farbe des Himmels, der Sehnsucht und für Heinrich Campendonk der Bewegung nach innen in die Tiefe. Ab 11. April 2026 zeigt das Museum Penzberg eine Ausstellung rund um Campendonks Blau: In die Ferne ziehende Gänse, auf dem Wasser schaukelnde Boote, blaue Figuren, in die Höhe wachsende Pflanzen, Ölgemälde, Hinterglasbilder und selten bzw. noch nie gezeigte Arbeiten auf Papier – zu sehen sind Werke aus der eigenen Sammlung. Eines ist ihnen allen gemein: die Farbe Blau dominiert. 

 

»Das Blau, die typisch himmlische Farbe, der stärkste Gegensatz zu dem irdischen Gelb strahlt nicht wie dieses über die begrenzende Form hinaus und nähert sich uns, sondern die Bewegung geht nach innen wie die Windungen eines Schneckenhauses…«

 

In einem unscheinbaren, kornblumenblauen Schulheft hat Campendonk um 1924 Notizen zu seiner Farbtheorie »der Beweglichkeit der Farben« festgehalten – ein ganz besonderer Schatz. Für den expressionistischen Künstler spielte Farbe eine zentrale Rolle, sie ist der Schlüssel zu seinem Werk. 

 

Die feine Sonderausstellung im Altbau des Museums ergänzt die Dauerausstellung und eröffnet darüber hinaus neue Perspektiven auf das Gezeigte. Fokussiert wird das weithin unbekannte Spätwerk Heinrich Campendonks. Zum zehnjährigen Bestehen des Museum Penzberg – Sammlung Campendonk in seiner heutigen Form geht es auf Entdeckungsreise in der eigenen Sammlung. 

Museum Penzberg – Sammlung CampendonkAm Museum 1, 82377 Penzberg