Ausstellungen

Entdecken Sie aktuelle und kommende Ausstellungen in Museen und Galerien

07.03.26 - 02.05.26
Basel

Marc Bauer – Fear Rage Desire Still Standing

Das Kunstmuseum Basel zeigt ein Projekt des international renommierten Schweizer Künstlers Marc Bauer (*1975). In seinen Zeichnungen setzt er sich aus einer queeren Perspektive mit Geschichte, Erinnerung, Geschlecht und Identität auseinander. Unter dem Titel Fear Rage Desire, Still Standing verknüpft er kunsthistorische Motive, zum Beispiel von Künstler:innen wie Hieronymus Bosch (um 1450–1516) und Nasta Rojc (1883–1964), mit Fotos aus dem Internet und Archivmaterial. Im Zentrum seines Schaffens stehen die Konstruktion von Männlichkeit und die dadurch hervorgehende Gewalt, mit der die Gesellschaft und – als zentrales Thema in diesem Projekt – besonders queere Menschen konfrontiert sind. Bauer spannt den Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart und macht sichtbar, wie tief diese Gewalt in den gesellschaftlichen Strukturen verankert ist.

 

Für seine Werke recherchiert Bauer intensiv: Es liest wissenschaftliche Texte, taucht in Archive ein und spricht mit Wissenschaftler:innen und Expert:innen, darunter Jonathan D. Katz, der die Ausstellung The First Homosexuals organisiert, recherchiert und in Chicago, USA, kuratiert hat. Danach wählt er aus verschiedenen Quellen Bildmaterial und Texte aus. Diese verarbeitet er zu einer sehr persönlichen und äusserst faszinierenden Bildwelt, die mehrdeutig ist und zum Denken anregt.

 

Bauers Zeichnungen entstehen zum Teil direkt auf den Museumswänden und werden nach Ablauf der Präsentationsdauer wieder zerstört. Besucher:innen des Kunstmuseums können den Entstehungsprozess ab dem 4. März 2026 vor Ort mitverfolgen. Zweimal wird der Künstler die Wandzeichnungen weiter überarbeiten (vom 12.–17. Mai 2026 und vom 3.–7. November 2026). Die Zeichnungen an den Wänden, auf Leinwand und Papier bilden zusammen mit dem von den Berliner Künstlern Sin Maldita (Tim Roth) und Philipp Hülsenbeck komponierten Soundtrack eine multimediale Installation.

 

Die Einladung an Bauer erfolgte anlässlich der Ausstellung The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939, die vom 7.3. bis 2.8.2026 im Neubau zu sehen ist.

 

 

Zu Marc Bauer

 

Marc Bauer (* 1975, Genf) lebt und arbeitet in Zürich. Er studierte an der École Supérieure d’Arts Visuels Genève (heute HEAD) und an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Seit 2015 ist er Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Seine Arbeiten wurden in Einzelprojekten an renommierten internationalen Institutionen wie dem Menil Drawing Institute, Houston (2023–2024); der Berlinischen Galerie (2020–2021), Berlin; dem Istituto Svizzero, Mailand (2020); dem Drawing Room, London (2019); dem Centre Culturel Suisse, Paris (2013) und dem MAMCO, Genf (2010), gezeigt. Arbeiten von ihm wurden zudem in Gruppenausstellungen unter anderem im Kunsthaus Zürich (2025, 2019, 2015 und 2008); im Guggenheim Museum Bilbao (2021); im Migros Museum, Zürich (2019 und 2014); im S.M.A.K., Gent (2015) und in der Albertina in Wien (2015) gezeigt. Bauer nahm außerdem an der Biennale von Sydney 2018 und der Liverpool-Biennale 2014 teil.

 

Er ist Preisträger des Prix Meret Oppenheim 2020 und Gewinner des GASAG Kunstpreises 2020 und wurde 2009 mit dem Manor Kunstpreis Genf und 2001, 2005 und 2006 mit dem Swiss Art Award ausgezeichnet.

 

Kuratiert von Anita Haldemann

Kunstmuseum BaselSt. Alban-Graben 20, 4052 Basel
14.11.25 - 03.05.26
Berlin

Annika Kahrs – OFF SCORE

Der Hamburger Bahnhof zeigt die Berliner Künstlerin Annika Kahrs mit der bislang umfangreichsten Auswahl ihrer Werke an der Schnittstelle von Kunst und Musik. Kahrs geht in ihren Videos den kulturellen und sozialen Funktionen von Musik nach: in einer aufgegebenen Kirche in Lyon, auf der Parade eines generationsübergreifenden Orchesters in einem italienischen Dorf oder in Berliner Kaufhäusern.

 

Die Video- und Sound-Installationen im Ostflügel und den historischen Übergängen sowie die Live-Performances „For Two To Play On One“ (2012) im Forum Hamburger Bahnhof erschaffen klingende Räume, die die Besucher*innen beim Gang durch das Museum immer wieder überraschen. Präsentiert werden mehr als zehn Videoarbeiten, Sound-Installationen und Performances aus den letzten 15 Jahren an ausgewählten Orten im Hamburger Bahnhof, im Musikinstrumenten-Museum und im öffentlichen Raum.

 

Annika Kahrs (geboren 1984 in Achim, Deutschland) forscht an den Rändern dessen, was als Musik bezeichnet wird. Performances, Filmarbeiten und Sound-Installationen zeigen die Bedeutung Musik und Klang in sozialen, kulturellen und politischen Strukturen. Kahrs hat ausgestellt u. a. 16th Lyon Biennale of Contemporary Art (2022); LAXART, Los Angeles (2021); Flat Time House, London (2019); Savvy Contemporary, Berlin (2018); Hamburger Kunsthalle (u. a. 2017); 5th Thessaloniki Biennale für zeitgenössische Kunst (2015); KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2012); Bienal Internacional de Curitiba, Brasilien (2013); Bundeskunsthalle, Bonn (2011). Sie erhielt Preise und Stipendien, darunter Villa Aurora, Los Angeles (2023) und den von René Block gestifteten George-Maciunas-Förderpreis (2012).

 

 

Performance-Reihe

 

Zur Ausstellung findet zum 30. Jubiläum des Hamburger Bahnhof ab Februar 2026 eine Performance-Reihe an verschiedenen Orten statt.

 

 

Katalog zur Ausstellung

 

Begleitend zur Ausstellung erscheint die 15. Ausgabe der Katalogreihe des Hamburger Bahnhof, herausgegeben von Silvana Editoriale Milano mit 112 Seiten, erhältlich im Buchladen des Hamburger Bahnhof und im Onlineshop der Buchhandlung Walther König für 12 Euro. ISBN: 9788836660766

 

 

Kuratorin

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Ingrid Buschmann, Kuratorin, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart.

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der GegenwartInvalidenstraße 50–51, 10557 Berlin
01.11.25 - 03.05.26
St. Gallen

marce norbert hörler – slant

Das Kunstmuseum St. Gallen präsentiert den/die Gewinner:in des Manor Kunstpreis St. Gallen 2025, marce norbert hörler, mit einer vielschichtigen Ausstellung, die Performance, Poesie, Duft und Architektur verbindet und unsere Wahrnehmung von Raum und Identität herausfordert.

 

Welche Kriterien beeinflussen unsere Wahrnehmung in einem Raum? Welche Spuren hinterlassen Körper in den Räumen, die sie durchqueren? Wie verändert sich unsere Orientierung, wenn ein Raum nicht geradlinig verläuft? Für marce norbert hörler sind dies zentrale Fragen, die in der Ausstellung slant verhandelt werden.

 

Ein Korridor, der zwei Räume verbindet, ist perspektivisch so leicht verschoben, dass beim Durchschreiten ein Gefühl von Ungleichgewicht oder Irritation entsteht. Gegossene Aluminiumtafeln tragen poetische Sätze; die Bildmotive der Karten sind nur als entfernte Resonanz präsent. Der leicht florale Duft des Moleküls Hedione durchzieht den Raum und erweitert ihn mit einem sinnlichen Impuls und dem Potenzial, unsere Emotionen zu beeinflussen.

 

Der Ausstellungsraum dient zugleich als Bühne für eine neu entwickelte Performance von marce norbert hörler gemeinsam mit den Performance-Künstler:innen Hannah Mehler, Kameron Locke und martÍn m. wollmann. In dieser szenischen Erkundung werden Wegfindung, Orientierung und die Verschränkung dieser drei Räumlichkeiten stimmlich und körperlich erfahrbar.

 

marce norbert hörler lebt zwischen der Schweiz und Berlin und hat einen MA in Art Praxis am Dutch Art Institute in Arnhem (NL) sowie einen BA in Fine Arts am Institut Art Gender Natur der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW, Basel.

 

 

Ein Engagement für die junge Schweizer Kunstszene

 

Der Manor Kunstpreis, einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz, wurde 1982 von Philippe Nordmann ins Leben gerufen, um jungen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Er wird von einer Fachjury jährlich in sechs Schweizer Städten verliehen, wobei sich Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Luzern, Lugano, Schaffhausen, Sion, St. Gallen und Winterthur im Zweijahresrhythmus abwechseln. Der Förderpreis hat bereits eine ganze Reihe von Künstlern auf ihrem Weg zum internationalen Durchbruch begleitet.

 

Die Ausstellung marce norbert hörler – slant wurde durch die großzügige Unterstützung von Manor, der Innerrhoder Kunststiftung, des Kunstkredit Basel-Stadt, der Susanne und Martin Knechtli-Kradolfer Stiftung, Dr. Fred Styger Stiftung, Stiftung Erna und Curt Burgauer, Lienhard Stiftung, Arnold Billwiller Stiftung und von Tisca Tischhauser AG ermöglicht.

 

 

MITWIRKENDE

 

 

Hannah Mehler, Performancekünstlerin

 

Hannah Mehler arbeitet als freiberufliche Sängerin. Sie tritt als Solistin und Ensemblesängerin auf und entwickelt eigene Projekte in wechselnden Formationen. Im jüngsten Programm, einem szenischen Liederabend mit dem Titel Am Himmel staht es Sternli z’Nacht (2024), widmete sie sich gemeinsam mit Mario Strebel (Akkordeon), Moritz Roelcke (Klarinette) und Charlotte Joss (Regie) dem Schweizer Chanson.

 

Mehler wirkte in zwei Produktionen des Stuttgarter Performance-Duos NAF (Nana Hülsewig und Fender Schrade) mit. Netzwerk aus 392 Tasten – Musikwerkstatt zu Casta Diva (2020) und NORM IST F!KTION #5/1 (2020) wurden im Theater Rampe in Stuttgart aufgeführt. NORM IST F!KTION #5/3 (2021) präsentierten sie zudem auf Einladung des Performancekollektivs Oblivia in Helsinki.

 

Ein besonderer Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit ist die Beschäftigung mit dem Liedrepertoire. Mit der Akkordeonistin Stefanie Mirwald war Mehler 2025 im Rathaus Kultur Lichtensteig zu Gast  mit dem Programm Komponistinnen und der Wald. Ebenso war sie mit der Harfenistin Marina Mello beim Kollektiv #workoutjazz (Romantische Liebeslieder) sowie mit dem Pianisten Stefan Kägi beim Heidenheimer Förderverein für Neue Musik (Arbeiter:innenlieder) zu erleben.

 

Als Mitglied der Zürcher Sing-Akademie ist Mehler regelmäßig solistisch zu hören. Konzertreisen mit dem international renommierten Schweizer Konzertchor führten sie durch zahlreiche europäische Länder sowie nach Asien.

 

Hannah Mehler erhielt ihre klassische Gesangsausbildung in den Klassen von Ľubica Orgonášová und Werner Güra (Zürich) sowie Christina Landshamer (Trossingen).

 

 

Kameron Locke. Performancekünstler

 

Kameron Locke ist ein in Chicago geborener, in Hamburg lebender interdisziplinärer Performancekünstler, klassisch ausgebildeter Tenor, Autor und Forscher. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Erfahrungen der afro-diasporischen und LGBTQ+-Community und bedient sich dabei Text, Musik, Bewegung und Performance. Er hat seine Arbeiten bereits an Orten wie dem Gropius Bau, der Art Gallery of New South Wales, dem Barbican Centre, dem Cercle Cité, dem Sydney Modern Project und den Deichtorhallen präsentiert.

 

Locke debütierte mit seinem halb-biografischen Stück »the Blacker the Berry / perhaps home is not a place but simply an irrevocable condition« über James Baldwin und Fritz Raddatz und zu Themen wie Sexualität, Identität, Liebe (zu sich selbst/anderen), Vätern und Heimat beim Kampnagel Internationalen Sommerfestival 2024. Seine Performancearbeit über Blackness und Queerness im Berlin der 1990er Jahre, »Black Cowboys in Dresses«, eröffnete das Constellations Festival 2023. Locke trat in den Berliner und Sydneyer Premieren von Brook Andrews posttraumatischem Stück »GABAN« auf.

 

Seine jüngsten Forschungen führten ihn nach Tiflis und Istanbul, wo er sich mit der Realität von LGBTQ+-Bürger:innen und -Künstler:innen befasste, die unter staatlich geförderter Unterdrückung leiden.

 

 

martín m. wollmann

 

martín m. wollmann ist Tänzer:inOsteopath:in (C.E.O.B), Astrolog:in und Künstler:in aus Buenos Aires, Argentinien. Dey hat Darstellende Künste und Theaterregie (U.N.A) sowie zeitgenössischen Tanz, Voguing, Malambo und C.I. studiert.

 

Dey ist in verschiedenen somatischen und künstlerischen Praktiken ausgebildet und sucht ständig danach, diese Welten miteinander zu verweben und unterschiedliche Wege zu erforschen, um die Geheimnisse des Körpers zu erkunden.

 

martín lebt derzeit in der Schweiz, wo dey als Tänzer:in für Baby Volcano auf deren Tourneen arbeitete und mit Sami Galbi in Musikvideos zusammenarbeitete. Dey war außerdem in »Влајна«, bei der Eröffnung der City Art Awards Zürich und beim »Queer Balkan Disco« tätig. martíns neueste Arbeit ist eine Soloperformance mit dem Titel »Galope«, produziert in Zusammenarbeit mit »Dansometre« und »NosEnVera«.

 

 

Laurent Hermann Progin, Kostüme

 

Laurent Hermann Progin, geboren 1990, ist ein Schweizer Modedesigner und Stylist. Im Jahr 2016 schloss er sein Bachelorstudium in Modedesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel ab. Er absolvierte ein Praktikum bei Jean Paul Gaultier in Paris, wo er weiterhin als Assistenzdesigner arbeitete. Im Jahr 2018 begann Laurent mit der Arbeit an Kollektionen unter seiner eigenen Marke »Laurent & Hermann Progin« und arbeitet derzeit auch als freiberuflicher Stylist, Mode- und Kostümdesigner für verschiedene Projekte in Europa.

 

 

Nora Wyss, Outside Eye Choreografie

 

Nora Wyss (*1989 in Olten, CH) ist Performerin, Kulturaktivistin und Tanzpädagogin. Sie studierte Kunstgeschichte und Soziologie an den Universitäten Basel und Kapstadt (BA) und absolvierte 2020 die Ausbildung in Tanz, Improvisation und Performance (TIP) in Freiburg i.Br. 2020/21 vertiefte sie ihre Praxis im Contemporary Dance Intensive bei Oficina Zero in Portugal und bildet sich seither international weiter.

 

Aktuell entwickelt sie mit Miriam Seifert und Michaela Dašková das Stück Work-Life-Ballet (Uraufführung 2026 am ROXY Birsfelden). Parallel begleitet sie freischaffend Künstler:innen und Kollektive wie marce norbert hörler und Cie La Secousse in dramaturgischer und choreografischer Rolle.

 

 

Kari Leigh Rosenfeld, Videoregie, Kamera, Schnitt

 

Kari Rosenfeld (geb. Houston, TX) ist eine multidisziplinäre:r Künstler:in mit Sitz in Berlin (DE). Kari hat einen Abschluss in Amerikanistik und Philosophie der University of Texas in Austin und schloss 2021 den Master in Art Praxis am Dutch Art Institute ab. Kari war ein:e Co-Gründer:in und Artist in Residence am Cairo Institute of Liberal Arts and Science in Alexandria und hat bereits Arbeiten gezeigt in Gasworks (London), Humberstreet Gallery (Hull), CLB (Berlin) und Motto Books (Berlin). Kari wurde bereits bei Arts of the Working Class und Outline Platform publiziert.

 

 

Elio Ricca, Tonaufnahmen

 

Geb. 1993 in St. Gallen. Frühe musikalische Ausbildung in Klavier, Gitarre und Gesang. Abgeschlossene Lehre als Multimediaelektroniker, danach Berufsmaturität Gestaltung. Studium Fine Arts an der ZHdK (ein Jahr).
Freischaffender Musiker, Ton- Lichttechniker und Ausstellungstechniker. Im Jahr 2014 die Band Elio Ricca gegründet, 4 Musikalben und mehrere Musikvideos produziert. Gewinner des 2025 IBK Popmusik Preis. Lebt und arbeitet in St. Gallen (Schweiz).

 

 

Pablo Giménez Arteaga, Abmischen und Mastering

 

Pablo Giménez Arteaga ist ein Künstler, Musiker, Komponist und Sound Designer aus Barcelona. Seine Praxis konzentriert sich auf die Schaffung von Musik und Sound für eine Vielzahl von Medien und Projekten. Er produzierte und kollaborierte zu Arbeiten in Film, Theater, Performance und Ausstellungen. Er ist Mitglied und Associated Artist bei with the rubbles of old palaces (Berlin). Hier liegt sein Interesse in Recherchen zu Politik, Geschichte, Aktivismus und Nahrungsmitteln, welche in Zusammenarbeiten, Workshops und kulturellen Anlässen münden.

 

 

Andri Vöhringer, Fotografie

 

Andri Vöhringer, 1996, lebt und arbeitet als freischaffender Fotograf in St. Gallen. Er dokumentiert Menschen und ihre Orte und schafft eine einzigartige Atmosphäre mithilfe weniger, aber wichtiger Fragmente. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf die Verwendung von natürlichem Licht, was ihr eine ruhige Bildsprache verleiht. Gemeinsam mit dem Kollektiv LUSA hat er im Mai 2025 eine fotografische Publikation mit dem Titel »Rausch; Sammlung« veröffentlicht.

 

 

Jonathan Lauwers, Notation

 

Jonathan Lauwers (er/they) studiert seit Oktober 2021 »Historischer und Zeitgenössischer Tonsatz« bei Prof. Sebastian Stier an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Zusätzlich verbrachte er als Austauschstudent das Studienjahr 23/24 an der Hochschule Luzern Musik, um dort Musiktheorie bei Prof. Felix Diergarten zu studieren. Lauwers‘ bisheriges kompositorisches Schaffen konzentriert sich vor allem auf Werke für kleinere instrumentale Ensembles in denen er sich mit den Eigenheiten der einzelnen Instrumente im Kontrast zu einem verschmelzenden Gesamtklang auseinandersetzt. Im Kontext seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt er sich zur Zeit mit verschiedenen Notationsmöglichkeiten für Musik und damit, welche Auswirkungen diese auf den Schaffensprozess von Komponist:innen und die Herangehensweise von Interpret:innen haben.

Kunstmuseum St. GallenMuseumstraße 32, 9000 St. Gallen
10.07.25 - 03.05.26
Berlin

Grundstein Antike – Berlins erstes Museum

Ein Besuch auf der Museumsinsel gehört heute für viele Besucherinnen und Besucher Berlins zum festen Programm. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1830 entwickelte sich das zunächst noch Königliche Museum schnell zum Publikumsmagneten. Doch das Erlebnis Museumsbesuch war damals ein völlig anderes als heute. Die Sonderausstellung im Obergeschoss des Alten Museum gibt spannende Einblicke in die Anfänge des Museums und zeigt eine Auswahl von Antiken, die bereits in der ersten Dauerpräsentation von 1830 zu sehen waren.

 

Am 9. Juli 1825 wurde der Grundstein für das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Museum im Berliner Lustgarten gelegt. Nur fünf Jahre später, am 3. August 1830, wurde das erste öffentliche Museum Berlins und Preußens einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Rasch entwickelte sich das Alte Museum zu einem Publikumsmagneten und einer bis heute bedeutenden Institution der archäologischen Grundlagenforschung.

 

In der Sonderausstellung werden nicht nur die baulichen Herausforderungen und innovativen Lösungen Schinkels beleuchtet, sondern auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie das damals ganz andere Erscheinungsbild der Ausstellungsräume, die im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurden. Ein großformatiges Modell im Zentrum der Ausstellung vermittelt einen Eindruck von Schinkels ursprünglichem Bau, von dem zudem nur wenige bildliche Darstellungen aus der Gründungszeit des Museums sowie historische Fotografien aus dem späteren 19. Jh. eine Vorstellung geben.

 

 

Schinkels Geniestreich

 

Das Alte Museum markiert tatsächlich einen Wendepunkt in der Architekturgeschichte öffentlicher Bauwerke für die Kunst: Zum ersten Mal überhaupt wurde ein Gebäude eigens als reines Kunstmuseum konzipiert. Karl Friedrich Schinkel schuf einen Bautypus, der die Gestaltung von Museen über Jahrzehnte hinweg prägen sollte. Der Architekt Schinkel stand bei der Errichtung des Museums vor großen technischen und finanziellen Herausforderungen – der preußische König Friedrich Wilhelm III. forderte äußerste Sparsamkeit, sodass innovative und gleichzeitig kostengünstige Lösungen entwickeln mussten.

 

 

Antike Kunst – und Alte Meister!

 

Während im Sockelgeschoss antike Kleinkunst – insbesondere Vasen, Bronzen, Terrakotten sowie Gemmen, Kameen und Münzen – gezeigt wurden, war das Hauptgeschoss mit der Rotunde antiken (vor allem römischen) Skulpturen und das Obergeschoss der königlichen Gemäldegalerie gewidmet. Letztere kann aus inhaltlichen und konservatorischen Gründen in unserer Ausstellung nur eine Nebenrolle spielen, soll aber in einer für 2030 geplanten großen Jubiläumsausstellung in der James-Simon-Galerie prominent berücksichtigt werden. 

 

 

Kunstgenuss und Wissenshunger des Bürgertums

 

Die Eröffnung des Museums fiel in eine Zeit des aufstrebenden Bürgertums und der Propagierung neuer Bildungsideale. Die Öffentlichkeit verlangte nach frei zugänglichen Möglichkeiten der Kunstbetrachtung, und Friedrich Wilhelm III. förderte diesen Gedanken zur Bildung seiner Untertanen. Rasch wurde das Museum weit über Preußen hinaus zu einem beliebten Reiseziel der bildungsbürgerlichen Gesellschaft. Doch wie öffentlich zugänglich war es tatsächlich? Welche Besuchergruppen strömten in das Museum, und welche Kunstwerke faszinierten sie besonders?

 

 

Der Blick in die Zukunft

 

Die Sonderausstellung zeigt einen Querschnitt der Kunstwerke, die bereits in der ersten Präsentation des Alten Museums zu sehen waren. Skulpturen, Vasen, Bronzen und Terrakotten erzählen die Geschichte einer Sammlung, die bis heute begeistert. Gleichzeitig ist die Ausstellung nicht als reine Retrospektive konzipiert, sondern sie wirft auch einen Blick in die Zukunft und damit in die Zeit nach einer dringend notwendigen Generalsanierung des Hauses. Wir fragen daher das Publikum: Wie muss sich das Museum weiterentwickeln, um auch kommende Generationen für die Kunst der Antike zu begeistern?

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Angelika Walther, wissenschaftliche Museumsassistentin i.F., in Zusammenarbeit mit dem Direktor der Antikensammlung, Andreas Scholl, sowie Moritz Taschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Antikensammlung. Neben weiteren beteiligten Kolleginnen und Kollegen profitiert das Projekt von der profunden Expertise Elsa van Wezels, die intensiv zur Frühgeschichte das Alten und Neuen Museums geforscht und publiziert hat.

 

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation.

Altes MuseumAm Lustgarten, 10178 Berlin
10.12.25 - 03.05.26
Wien

HELMUT LANG – SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005

Mit HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive widmet das MAK Helmut Lang die erste umfassende Ausstellung seines Œuvres und eröffnet zugleich eine neue Perspektive auf sein Werk innerhalb eines erweiterten kulturellen Kontexts.

 

Ausgehend vom größten und einzigen offiziellen öffentlichen Archiv zu seinem Werk, das seit 2011 Teil der MAK Sammlung ist, bietet die Ausstellung einen tiefgehenden und bislang einzigartigen Einblick in Helmut Langs Mindset und seinen kreativen Prozess. Konzipiert als Mixed-Media-Präsentation mit großformatigen, ortsspezifischen Installationen, überschreitet die Ausstellung die Konventionen klassischer Modepräsentationen. Sie zeichnet nach, wie Langs radikale Vision in den Jahren 1986 bis 2005 die Wahrnehmung von Kleidung, Raum, Identität und visueller Kommunikation auf globaler Ebene nachhaltig veränderte.

Mit einem konsequent medienübergreifenden Ansatz stellte Lang etablierte Branchenstandards ebenso infrage wie gesellschaftliche Konventionen. Seine kompromisslose Strenge verband sich mit einer zutiefst menschlichen Haltung und prägte eine leise, zugleich radikale Haltung – getragen von Charaktertreue und dem Mut zum Experiment. 

 

Ideen, die erst Jahre später zum Zeitgeist wurden, nahm er vorweg und übersetzte sie auf eine internationale Bühne – stets in kritischer Distanz zu kurzlebigen Trendzyklen. So entstand ein Werk, das bis heute konzeptionelle und ästhetische Aktualität besitzt.

Der kuratorische Rahmen der Ausstellung ist im MAK Helmut Lang Archiv verankert und greift Langs Konzept der Séance de Travail – »Arbeitssitzung« – als Prozess kontinuierlichen Experimentierens, Verfeinerns und Erneuerns auf. Langs wegweisende Strategien bilden dabei eine zentrale Erzählung: Entlang der Themen IDENTITY, SPACE, SÉANCE DE TRAVAIL, MEDIA & CULTURAL PRESENCE, ARTIST COLLABORATIONS und BACKSTAGE wird sein Werk sowohl in seiner Komplexität wie auch in seiner inneren Kohärenz erfahrbar – als Teil eines größeren kulturellen Narrativs.

Zwischen Wien, Paris und New York definierte Helmut Lang die Rolle der Mode im Spannungsfeld von Architektur, Kunst, Medien und urbaner Kultur grundlegend neu. Er entwickelte ein unverwechselbares ästhetisches Vokabular, das Kleidung als intellektuelle, sinnliche und kulturelle Praxis begreift – nicht als bloßes Produkt. In Kampagnen, urbanen Interventionen, Flagship Stores und in der Zusammenarbeit mit Künstler:innen unterschiedlicher Medien verschob er die Grenzen zwischen kreativen Disziplinen und etablierte eine neue Form von Sichtbarkeit durch Relevanz. Emotionale Resonanz stand dabei über Konsum, verbunden mit einem frühen Bewusstsein für Fragen von Authentizität, Transparenz und der Politik der Repräsentation.

Geprägt von interdisziplinärem Denken, Egalitarismus, kultureller Sensibilität und persönlichem Engagement hat Helmut Lang mehr als nur Modegeschichte geschrieben. Sein Œuvre zwischen 1986 und 2005 zeigt, wie eine konsequent formulierte Vision soziale wie individuelle Paradigmen verschieben kann – und macht ihn zu einer Schlüsselfigur der zeitgenössischen Kultur sowie zu einer nachhaltigen Inspirationsquelle für heutige und kommende Generationen.
 

»Das MAK Archiv ist als ›lebendiges Archiv‹ gedacht. Ich hoffe, es inspiriert andere, den Mut zu haben, ihre eigene Stimme zu finden. Die Vergangenheit ist nie einfacher als die Gegenwart; die Gegenwart ist immer die Möglichkeit.«
— Helmut Lang

Kuratorin, szenografische Idee: Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kustodin MAK Sammlung Design
Wissenschaftliche Beratung: Lara Steinhäußer, Kustodin MAK Sammlung Textilien und Teppiche
Projektassistenz und Visualisierung der szenografischen Idee: Felix Kofler, MAK Sammlung Design
Assistenz und wissenschaftliche Mitarbeit MAK Helmut Lang Archiv: Helena Grünsteidl, MAK Sammlung Textilien und Teppiche; Nicole Miltner, Museumsdatenbank
Ausstellungsgestaltung: Philipp Krummel
Grafische Gestaltung: Lisa Penz, David Gallo

MAK – Museum für Angewandte KunstStubenring 5, 1010 Wien
11.09.25 - 03.05.26
Berlin

Mark Leckey: Enter Thru Medieval Wounds

Auf drei Etagen zeigt die Julia Stoschek Foundation in Berlin mehr als 40 Werke des britischen Künstlers Mark Leckey.

 

Die Julia Stoschek Foundation freut sich, ab dem 11. September 2025 eine der bislang umfangreichsten Einzelausstellungen des britischen Künstlers Mark Leckey (geb. 1964, Birkenhead, Großbritannien) in Berlin zu präsentieren. »Enter Thru Medieval Wounds« verbindet Videoarbeiten aus der Julia Stoschek Collection aus den Jahren 1999 bis 2010 mit neueren Werken und bietet einen umfassenden Einblick in Leckeys künstlerisches Schaffen.

 

Ausgehend von wegweisenden Arbeiten aus der Sammlung wie Leckeys ikonisch gewordener Auseinandersetzung mit britischer Ravekultur Fiorucci Made Me Hardcore (1999) und Cinema-in-the-Round (2006–08), für die er 2008 den renommierten Turner Prize gewann, beschäftigt sich »Enter Thru Medieval Wounds« mit Zusammenhängen von Pop- und Jugendkultur, sozialer Klasse und Technologie seit den 1970er-Jahren bis heute. Seit fast 30 Jahren verfolgt Leckey, wie zeitgenössische Medien unsere Wahrnehmung, Erinnerung und unser Begehren formen – und macht diese Prozesse sichtbar.

 

Der Ausstellungstitel »Enter Thru Medieval Wounds« spiegelt Leckeys Faszination für mittelalterliche Ikonografie und die Funktion von Bildern jenseits bloßer Repräsentation wider. In seinen Arbeiten – vor allem Video, Skulptur und Sound – greift er auf vertraute Objekte und Umgebungen zurück, etwa Bushaltestellen, Autobahnbrücken oder andere urbane Referenzen. Er zeigt, wie sich Erinnerung und Vorstellungskraft über die physische Welt legen und wie digitale Bilder zirkulieren, zerfallen und in veränderter Form wiederkehren.

 

Mit seinem vielschichtigen Werk an der Schnittstelle von bildender Kunst, Musik, Popkultur und Technologie hat Leckey eine künstlerische Sprache geschaffen, die heute für viele jüngere Medienkünstler:innen wegweisend ist.

 

 

Künstler:innenliste

 

Mark Leckey

Julia Stoschek Collection Leipziger Straße 60, 10117 Berlin
15.02.26 - 03.05.26
Davos

Kirchner. Picasso

Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso prägten die Kunst des 20. Jahrhunderts wie kaum zwei andere Künstler. Während Picasso als Erfinder des Kubismus gefeiert wird, steht Kirchner für die ausdrucksstarke Kraft des deutschen Expressionismus. Beide entwickelten radikale Bildsprachen, beide beeinflussten ihre Zeit – und hinterließen bleibende Spuren bei nachfolgenden Generationen. Entdecken Sie zwei außergewöhnliche künstlerische Welten – und was sie überraschend verbindet.

 

»Kirchner. Picasso« beleuchtet bislang wenig beachtete Verbindungen und Unterschiede im Werk der beiden Ausnahmetalente: von der Auseinandersetzung mit Identität, Körper und Geschlecht bis hin zur Rolle des Künstlers in einer sich wandelnden Gesellschaft – die Ausstellung lädt dazu ein, Parallelen und Kontraste im Werk der beiden Künstler zu entdecken. Dabei liegt der Fokus auf der Malerei, ergänzt durch ausgewählte Skulpturen, grafische Arbeiten und Zeichnungen.

 

Kirchners Wunsch, gemeinsam mit Picasso auszustellen, war für den Maler Ausdruck seines Selbstverständnisses als moderner Künstler. Seine Werke sollten im direkten Vergleich mit einem der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts bestehen – als eigenständige Position im internationalen Kontext. »[Curt] Glaser habe ich geschrieben, dass ich eine internationale Ausstellung erwarte, wo Picasso und ich nebeneinander hängen sollen […],« notierte er noch zu Lebzeiten selbstbewusst.

 

Mit dieser Ausstellung wird dieser Wunsch erstmals Wirklichkeit. In einer groß angelegten Kooperation treten die Werke zweier prägender Künstler der Moderne in einen spannungsvollen Dialog. Internationale Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen veranschaulichen, wie sehr ihr Schaffen vom Streben nach individueller Ausdruckskraft und der Dynamik einer Epoche des Umbruchs geprägt war.

 

Eine Ausstellung des Kirchner Museum Davos und des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

 

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster: 26.9.2025–18.1.2026

Kirchner Museum Davos: 15.2.–3.5.2026

Kirchner Museum DavosPromenade 82, 7270 Davos
20.11.25 - 03.05.26
Heidelberg

Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche

Menschliche Identität entsteht fortwährend im Erleben des eigenen Ichs – verwoben mit Biografie, Selbstwahrnehmung, Emotionen und Körperlichkeit. Eine besondere Herausforderung für die Erfahrung von Identität stellen psychische Krisen dar. Darum geht es in der Ausstellung »Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche«. Sie zeigt ausgewählte Werke der Sammlung Prinzhorn, die Menschen mit Psychiatrieerfahrung zwischen 1895 und 2024 geschaffen haben.

 

Menschen mit der Diagnose »Schizophrenie« fällt es oft schwer, ein stabiles, kontinuierliches Selbstbild zu bewahren. Sie erleben einen Verlust der Identität, eine »Ich-Entfremdung«, weil sie ihre eigenen Gefühle, Gedanken oder Handlungen als fremd oder von außen gesteuert empfinden.

 

Im Eingangskabinett zeigen wir die Jacke von Agnes Richter, die sie 1895 in der Anstalt Hubertusburg selbst nähte und innen wie außen mit autobiografischen Texten bestickte. Dieses außergewöhnliche Textil, eines der bekanntesten Werke der Sammlung, lässt sich als Versuch Richters deuten, ihre Identität in der psychiatrischen Anstalt zu wahren.

 

Das Erdgeschoss des Ausstellungssaals bestimmt eine Fülle von Selbstporträts, die, naturalistisch bis abstrakt, symbolisch oder konzeptuell der Selbstvergewisserung in schwieriger Lebenslage dienten, etwa Kerstin Streckes mandalaförmiges »Ich bin« oder die großformatige synapsenartige »Selbst«-Komposition von Dietrich Orth.

 

Auf der Galerie sind fragmentierte oder technisierte Selbstzeugnisse Beispiele für Erfahrungen eines Selbst-Verlustes oder einer Re-Konstruktion des Ichs in psychischen Ausnahmesituationen. Autobiografische Bildergeschichten und Tagebücher befassen sich mit Lebensumständen, die zur Einweisung in eine Anstalt führten. Selbstbildnisse in der Zelle oder im Krankenzimmer, Darstellungen von Behandlungsmethoden und von psychiatrischen Diagnosen geben Einblicke in Entfremdungen von der eigenen Identität auch durch die Institution.

Sammlung PrinzhornUniversitätsklinikum Heidelberg, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg
06.09.25 - 03.05.26
Berlin

Guðný Guðmundsdóttir – NOON

Die Einzelausstellung Noon von Guðný Guðmundsdóttir bezieht sich auf Nymphen, die die Künstlerin in den Medien Fotografie, Installation, Keramik und Zeichnung in ihren drei Daseinsformen aufgreift: Seerosen, Libellen im Entwicklungsstadium und Quellnymphen. Diese Elemente werden mit einem weiteren Thema verbunden, das in der Vergangenheit oft in Guðmundsdóttirs Bildwelt eingeflochten wurde, nämlich die Ästhetik der Schwerindustrie, repräsentiert durch scheinbar unanfechtbare Maschinen und Industriebauten, die jedoch sowohl gegenüber der Sonne als auch dem Universum gar nicht so mächtig sind, wie es beim ersten Anblick erscheint.

 

Das Vorhaben der von Christine Nippe kuratierten Ausstellung ist es, eine Darstellung einer Art Gesellschaft oder Welt zu geben, die sich an dem natürlichen Kreislauf von Wachstum und Verwesung bedient und auch so floriert. Eine Pflanze keimt, wächst und gedeiht bis sie verblüht und mit der Erde eins wird, sinkt in den Erdmantel hinein, entwickelt sich dort zu Öl, das dann mit der Hilfe von leistungsstarken Arbeitsmaschinen ihren Weg zurück an die Erdoberfläche findet und dort die heutige Welt vorantreibt. In der griechischen Mythologie symbolisieren die Wassernymphen die Natur selbst. Sie sind daher wie sie, weder gut noch böse, können aber den jeweiligen Umständen entsprechend durchaus unbarmherzig sein. Die Ölplattformen der modernen Zeit, umgeben von salzigem Meer könnten heute ebenso ihr Reich sein wie es die Gewässer der Seerosen schon immer waren. Die Künstlerin dazu: »Meine Vermutung ist die, dass die Welt der Nymphen, falls es sie gibt, beim ersten Anblick sowohl als hochkultiviert als auch wunderschön zum Vorschein kommt, dass aber hinter der eleganten Fassade öfters auch Konflikte wie Intrigen und Unterdrückungsmanöver brodeln können bis hin zum regelrechten Kampf um Leben und Tod. Vor allem wenn es um den Reichtum geht der durch die Erdölförderung entsteht.«

 

Diese Themen fließen in Werke aus Papier, Ton und eine raumgreifende Skulptur ein, inspiriert vom Foro di Traiano in Rom, eine Art zentraler Vollversammlungsort der Nymphen, an dem getagt und verhandelt wird und an dem Zukunftspläne geschmiedet werden. Der Titel NOON der Einzelausstellung von Guðný Guðmundsdóttir weist ebenfalls darauf: Es handelt sich um die Stunde des Tages, an der alles passieren kann. Es werden in sehr ästhetischen Arbeiten die morphologischen Ähnlichkeiten zwischen Ölplattformen und Seerosen erforscht, es tun sich Gemeinsamkeiten zwischen dem Größten und dem Kleinsten auf und damit ein leises Fragen zu unserer menschlichen Perspektive.

Schwartzsche Villa Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin
13.11.25 - 03.05.26
Frankfurt am Main

Tiere sind auch nur Menschen – Skulpturen von August Gaul

Das Liebieghaus widmet dem bedeutenden Bildhauer August Gaul (1869–1921) eine umfassende Ausstellung, die sein facettenreiches Werk präsentiert. Gaul gilt als einer der ersten modernen Bildhauer Deutschlands. Mit seinen eindringlich realistischen Tierdarstellungen eröffnete er um 1900 ein neues Kapitel der Skulpturgeschichte und wandte sich bewusst von der stärker dekorativen Bildhauerei des 19. Jahrhunderts ab. Seine Werke reichen von fein gearbeiteten Statuetten bis hin zu monumentalen Skulpturen im öffentlichen Raum. Statt Tiere als Symbole von Macht oder Herrschaft darzustellen, zeigt er sie als autonome Wesen, geprägt von sorgfältiger Naturbeobachtung und klarer, reduzierter Formensprache. Wie viele Bildhauer seiner Zeit interessierte ihn die Tatsächlichkeit. Gauls Arbeiten wirken allein durch ihre Präsenz, ohne zu symbolisieren.

 

 

Über die Ausstellung

 

Die Ausstellung lädt dazu ein, die besondere Eigenständigkeit der Skulptur an rund 100 Werken aus Bronze, Keramik und Marmor zu erleben. Dazu gehören zahlreiche Leihgaben aus Berlin, Hamburg, Hanau und Leipzig sowie die nahezu vollständige Frankfurter Privatsammlung von Carlo Giersch. Die Präsentation erstreckt sich über fast alle Bereiche des Liebieghauses und setzt Gauls Werk in einen vielschichtigen Dialog mit Tierdarstellungen aus drei Jahrtausenden – von der Tierverehrung im Alten Ägypten über Mischwesen der griechischen Mythologie bis hin zu Haustieren im alten Rom und christlicher Symbolik. Ein besonderer Höhepunkt ist der im Garten aufgestellte überlebensgroße Adler, den Gaul ursprünglich für das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal in Berlin geschaffen hat. Der Vogel erscheint nicht in der üblichen heroischen Pose, sondern im Landeanflug auf sein Nest. Damit verdeutlicht Gaul exemplarisch sein künstlerisches Programm: er zeigt die Tiere so, wie sie sind. Seine Kunst knüpft zugleich an zeitgenössische naturwissenschaftliche und tierpsychologische Forschungen an, etwa an die von Charles Darwin. Besonders eindrücklich wird dies in der Gegenüberstellung von Gauls Porträt des Orang-Utan »Jumbo« mit einem antiken Bildnis des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel.

 

Die Ausstellung macht deutlich, wie eng Kunst und Wissenschaft bei Gaul miteinander verbunden sind. Darüber hinaus greift sie auch gesellschaftlich relevante Themen wie Großwildjagd, Massentierhaltung und Artenschutz auf. Eine mediale Installation mit Tierdarstellungen aus sozialen Netzwerken bildet den Abschluss und eröffnet den Blick auf das heutige Verhältnis von Mensch und Tier.

 

Kurator: Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Sammlungsleiter der Abteilung Antike und Asien, Liebieghaus Skulpturensammlung)
Projektleitung: Jakob Salzmann (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Antike und Asien, Liebieghaus Skulpturensammlung)

Liebieghaus SkulpturensammlungSchaumainkai 71, 60596 Frankfurt
12.10.25 - 03.05.26
Potsdam

Traces of the Body

Wir leben in einer Gegenwart, die von Beschleunigung und ephemeren Momenten geprägt ist. Begegnungen, Bilder, Erfahrungen erscheinen und vergehen in rascher Folge. In der Soziologie wird dies auch als »soziale Beschleunigung« beschrieben, in der sich Rhythmen von Arbeit, Kommunikation und Wahrnehmung permanent verdichten. Flüchtigkeit ist nicht mehr Ausnahme, sondern Grundbedingung des Lebens.

 

In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage: Was bleibt, wenn das Dauerhafte erodiert und wie lässt sich das Vergängliche überhaupt sichtbar machen? Welche Spuren hinterlassen Körper in einer Zeit, in der sie medial inszeniert, politisch verhandelt und ökonomisch beansprucht werden?

 

Die Malerei der US-amerikanischen Künstlerin Kylie Manning (geb. 1983 in Juneau, Alaska; lebt in Brooklyn) eröffnet eine poetische Antwort. Ihre Gemälde, erstmals in Deutschland umfassend gezeigt, bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Körper erscheinen darin nicht als feste Formen, sondern als Andeutungen. Licht und Bewegung schreiben sich in vielschichtige Flächen ein, die im Prozess von Lasur, Schleifen und Pigmentauftrag ein inneres Leuchten entfalten. Ihre Werke wirken wie Erinnerungslandschaften: vertraut und entrückt zugleich, flüchtige Präsenz im Moment ihres Verschwindens.

 

Die großformatige Arbeiten von Kylie Manning sind großteils eigens für diese Ausstellung entstand. Ihre Werke stehen in bewusster Korrespondenz zu ausgewählten kunsthistorischen Positionen. So treten sie in Dialog mit Jan Brueghel II, dessen barocke Bildwelten noch versuchten, die Gesamtheit der Welt zu ordnen, Wilhelm Lehmbruck, der Körper in fragile Zustände versetzte, bis hin zu Marina Abramović & Ulay oder Anselm Kiefer, die den Körper als Prozess, Spur und Erinnerung verhandelten. Dadurch öffnet sich ein Resonanzraum, in dem sich Fragen nach Körperlichkeit, Sichtbarkeit, Macht und Gender überschneiden. Der Körper erscheint nicht mehr als Form, sondern als Bewegung, Spur, Übergang.

 

Traces of the Body fragt danach, wie wir das Flüchtige begreifen können: als Verlust oder als Möglichkeit? Kann gerade das Ephemere ein präziseres Sehen auf den Körper, auf den Moment, auf uns selbst eröffnen?

 

KURATION: Pola van den Hövel

Villa SchöningenBerliner Straße 86, 14467 Potsdam
21.02.26 - 03.05.26
Berlin

Käthe Kollwitz und das Theater – »Die ›Penthesilea‹ haben wir noch nicht gesehen«

Das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin eröffnet im ehemaligen Theatergebäude des Schlosses Charlottenburg eine neue Perspektive auf das Leben und Werk einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen: Mit der Sonderausstellung „Käthe Kollwitz und das Theater“ rückt ein bislang wenig beleuchtetes Thema in den Fokus – die Theateraffinität von Käthe Kollwitz und ihrer Familie.

 

 

Theater als Teil des Familienalltags

Tagebucheinträge und Briefe an ihren Sohn Hans dokumentieren, wie selbstverständlich Theaterbesuche Teil des Alltags der Familie waren – genauso wie politische Diskussionen und künstlerische Arbeit. Käthe Kollwitz und ihre Familie erlebten die fruchtbarste Zeit der Berliner Theatergeschichte hautnah und besuchten zahlreiche innovative Inszenierungen der großen Regisseure ihrer Zeit, darunter Otto Brahm, Max Reinhardt und Leopold Jessner. Vom Naturalismus des späten 19. Jahrhunderts bis zum expressionistischen Theater der 1920er Jahre verfolgten sie das Bühnengeschehen aufmerksam. Auch Tanz, Konzert, Film und Kabarett gehörten zu diesem reichen kulturellen Kosmos.

 

 

Theater als Resonanzraum für das künstlerische Werk

Die Ausstellung untersucht, welchen Einfluss diese intensiven Seherfahrungen auf das künstlerische Werk von Käthe Kollwitz hatten. Obwohl sie nicht unmittelbar für das Theater arbeitete, spiegeln sich in ihrem Œuvre vielfältige Bezüge zu literarischen Stoffen, szenischen Situationen und dramatischen Verdichtungen wider. Das Theater wird dabei weniger als konkretes Motiv, sondern als gedanklicher Resonanzraum ihres Schaffens sichtbar.

 

 

Highlights der Ausstellung

Eine Vielzahl von Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, neu erschlossenes und digitalisiertes Archivmaterial sowie interdisziplinäre Perspektiven machen deutlich, wie eng das Leben der Familie Kollwitz mit einer der produktivsten Phasen der Berliner Theatergeschichte verwoben war. Neben Arbeiten von Käthe Kollwitz werden Werke von Ernst Barlach, Lovis Corinth, Georg Kolbe, August Macke, Max Liebermann, Ernst Oppler und Emil Orlik präsentiert.

 

 

Umfangreiche Leihgaben und Forschungsarbeit

Die Ausstellung umfasst über 100 Exponate von 17 Leihgebern, darunter Alte Nationalgalerie SMB, Kupferstichkabinett SMB, Stiftung Stadtmuseum Berlin, Ernst Barlach Haus Hamburg, John Neumeier Stiftung Hamburg, Kollwitz Museum Köln sowie Tanzarchiv und Theaterwissenschaftliche Sammlung Köln. Sie schließt eine dreijährige Forschungsarbeit der Kollwitz-Spezialistin Annette Seeler ab, die in Zusammenarbeit mit dem Museum durchgeführt wurde.

 

 

Gestaltung und Begleitpublikation

Das junge Berliner Designerteam Jason Kittner und Meret Schmiese verantwortet die architektonische und grafische Gestaltung der Ausstellung. Begleitend erscheint ein Katalog mit über 200 Abbildungen und ca. 240 Seiten im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, der den Dialog zwischen bildender Kunst und darstellender Kunst vertieft.

 

 

Förderung und Unterstützung

Die Ausstellung, der Katalog und das Vermittlungsprogramm werden durch die großzügige Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf-August Oetker Stiftung und der Richard Stury Stiftung ermöglicht.

Käthe-Kollwitz-Museum BerlinSpandauer Damm 10, 14059 Berlin
19.12.25 - 03.05.26
Berlin

Möglichkeiten einer Insel – Denken in Bildern von Gerstenberg bis Scharf

Die Welt ist unruhig, und sie ist schwierig. Wie gut, dass es Inseln gibt! Draußen, im Freien, oder inwendig imaginierte, die man überall finden kann, ob nun zu Hause oder an anderen Orten. Kunstsammlungen, insbesondere private, sind Inseln der besonderen Art. Ohne Rechtfertigungsdruck sind sie allein den frei gewählten Kriterien des Sammlers unterworfen. Mithin bieten sie einen Rückzugsort, der fernab der Welt ein eigenes Denken in Bildern ermöglicht.

 

Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Dieter und Hilde Scharf beschäftigen sich die »Möglichkeiten einer Insel« mit der Sammlerleidenschaft des Ehepaares und seiner Tochter Julietta Scharf. Erstmals werden im größeren Umfang diejenigen Werke gezeigt, die nicht zum Bestand der seit 2008 als Dauerleihgabe an die Nationalgalerie in einem eigenen Haus gezeigten Sammlung Scharf-Gerstenberg gehören.

 

Ausgehend von der berühmten Sammlung seines Großvaters Otto Gerstenberg (1848–1935), hatte Dieter Scharf 2001 eine Stiftung gegründet, aus deren Fundus er für die »Sammlung Scharf-Gerstenberg« ein Konvolut von rund 350 Werken auswählte. Inhaltlicher Schwerpunkt seiner Sammlertätigkeit war der Surrealismus, doch werden auch seine Vorläufer und Nachfolger mit in den Blick genommen. In den Sammlungsräumen wird auf zwei Etagen ein weites Panorama der fantastischen Kunst geboten, angefangen mit den Werken von Goya, Piranesi oder Redon bis hin zur Art brut von Jean Dubuffet.

 

 

Mehr als Surrealismus

 

Thematisch gehen die »Möglichkeiten einer Insel« über den erweiterten Surrealismus-Begriff der Sammlung Scharf-Gerstenberg hinaus. Zwei Bodenarbeiten der Schweizer Künstlerin Kavata Mbiti bilden hierfür einen kontrastreichen Ausgangspunkt: die titelgebende Plastik aus weißem Acrystal »Möglichkeiten einer Insel I« und die dreiteilige schwarze Holzskulptur »Kiel«. Während Erstere an die biomorphen Formfantasien eines Hans Arp oder Hans Bellmers erinnert und eine sich selbst generierende, semiabstrakte Wesenheit zu verkörpern scheint, lässt Letztere an gefährlich kreisende Haifische denken, deren Rückenflossen drohend aus dem Wasser ragen.

 

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch – die Ausstellung bietet hierfür einen ganzen Archipel möglicher Themen-Inseln. In 12 Kapiteln geht es um Möglichkeiten, den Bedrohungen und Zumutungen des Alltags mit den Mitteln der Kunst zu begegnen: durch einen Rückzug in die Idylle, ins Private oder in eine andere Zeit, durch Zusammenstellungen eigener Bilderwelten, durch gespinsthafte Systeme, Flucht in Fantastik oder einen ironischen Umgang mit dem, was wir am meisten fürchten – den Tod.

 

Gezeigt werden rund 150 Gemälde und Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen oder Objekte von berühmten Künstlern wie Alfred Sisley, Auguste Renoir, Egon Schiele, Max Beckmann und Hannah Höch, aber auch von bisweilen weniger bekannten Schöpfern der fantastischen Kunst wie Alfred Kubin, Léon Spilliaert oder Unica Zürn.

 

Einen weiteren Einblick in die Sammlungen der Familie Scharf gibt vom 24. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026 die Alte Nationalgalerie. Auch hier wird ein weiter Bogen von Goya bis zur zeitgenössischen Kunst geschlagen. Doch während Dieter Scharf, wie später seine Tochter Julietta, den Surrealismus in das Zentrum seiner Sammlertätigkeit stellte, legte sein Bruder Walther Scharf, und in der Nachfolge dessen Sohn René, den Schwerpunkt von »The Scharf Collection« auf den Impressionismus und die klassische Moderne.

Sammlung Scharf-GerstenbergSchloßstraße 70, 14059 Berlin
18.01.26 - 03.05.26
Apolda

Günter Rössler – Mode- und Aktfotografie

»…Es gibt etwas im Werk eines Künstlers, das auf Ewigkeit zielt, gewissermaßen diese magischen Momente die bleiben, die nicht zur Diskussion stehen. Die einfach so da sind, weil es jemanden gelungen ist, genau das so zu formulieren. Günter Rösslers Arbeit empfinde ich so, sie hat etwas Grundsätzliches. Sie wirkt uns heute schon ein Stück klassisch und ein Stück auch fremd. Die Bildwerke kommen wie aus einer anderen, ruhigeren, zauberhaften, in sich selbst stimmigeren Welt. Ich denke, das ist das Besondere, das Günter Rösslers Werk auch in Zukunft ausmachen wird. Und ich denke, das ist der Beitrag, den er geliefert hat zum Thema Fotografie und zur Kunst des 20. Jahrhunderts, das ist seine Handschrift. Ich bin fest davon überzeugt, sie wird bleiben und vielleicht werden spätere Generationen noch andere Dinge im Werk Günter Rösslers entdecken. Ich denke, das was wir entdeckt haben trägt und reicht bereits heute schon aus.«

Dr. Volker Rodekamp, ehemaliger Direktordes Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig

 

 

Prägende Figur der deutschen Fotografie

Günter Rössler prägte die Geschichte der deutschen Fotografie wesentlich. 1926 in Leipzig geboren, studierte er von 1947 bis 1950 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach seinem Studium arbeitete er freiberuflich als Reportagefotograf. Für bekannte Zeitschriften berichtete er in zahlreichen Fotoreportagen und Bildberichten über das gesellschaftliche und alltägliche Leben in der DDR und den Ländern Süd- und Osteuropas.

 

 

Der Blick auf den Alltag

Er interessierte sich vor allem für den Alltag einfacher Menschen, den er respektvoll, emotional, nie wertend und kommentierend, mit seiner Kamera festhielt. Rössler entwickelte dabei seinen eigenen, unverwechselbaren Stil. Sein Fokus war auf das Wesentliche gerichtet: Natürlichkeit, Einfachheit und Authentizität. Ihm gelangen lebensnahe Bildserien, die geprägt sind von einer hohen künstlerischen Qualität und einer faszinierenden zeitgeschichtlichen Dimension – Dokumente des Menschlichen.

 

 

Mode als Teil des Lebens

In der Modefotografie gehörte Günter Rössler zu den herausragenden Figuren. Sie stand für ihn in engem Zusammenhang mit der Reportagefotografie. Er vertrat die Auffassung, Mode sei nicht aus dem Alltag gelöst darzustellen. Als Fotojournalist verknüpfte Rössler seine Modedarstellungen mit dem Bildhintergrund zu einer neuen Bildauffassung. Erste Aufträge erhielt er von den Zeitschriften Der RundfunkPutz und PelzDer Brühl und Die Bekleidung.

 

 

Ein modernes Frauenbild

Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren prägte er mit seinen Modeaufnahmen, welche die Natürlichkeit und das Selbstbewusstsein der Frauen betonen, den Stil der legendären Mode- und Kulturzeitschrift Sibylle. Für die Zeitschrift Modische Maschen verantwortete er von 1967 bis 1990 Fotografie und Layout allein. In diesen Jahrzehnten trug er maßgeblich dazu bei, ein modernes Frauenbild in der DDR zu vermitteln.

 

 

Zeitlose Bildsprache

Rösslers Modebilder wirken auch heute nahezu zeitlos, sie faszinieren durch Leichtigkeit und eine scheinbar improvisierte Dynamik. Sie werden nicht nur als stilvolle Modefotografien geschätzt, sondern auch als kulturelle Zeitdokumente mit einem hohen künstlerischen Anspruch.

 

 

Pionier der Aktfotografie in der DDR

Bekannt wurde Günter Rössler durch seine Aktfotografie, der er sich ab den 1960er Jahren verstärkt widmete. Mit seiner ersten Einzelausstellung 1979, führte er die Aktfotografie in der DDR als eigenständige und ernsthafte Kunstform in die öffentliche Diskussion ein. Er wurde zum Wegbereiter und einer der führenden und beachteten Vertreter des Genres Aktfotografie. Durch regelmäßige Veröffentlichungen seiner Aktaufnahmen in der Zeitschrift Das Magazin erlangte er breite öffentliche Aufmerksamkeit. In Günter Rösslers Bilderwelten dominieren Zeitlosigkeit, sowie Ausdrucksstärke junger, selbstbewusster Frauen. Die Fotografien zeugen von großem Respekt und Vertrauen zwischen Fotograf und Modell.

 

 

Ehrlichkeit und Direktheit

Ein hervorstechendes Merkmal seiner Aktbilder ist ihre unbedingte Ehrlichkeit, es gibt kein Verdecken oder Wegwenden der Schamhaftigkeit zuliebe, keine Geziertheit. Auf vielen Bildern schaut die dargestellte Frau den Fotografen, und somit den Betrachter, direkt an – auch sie bekennt sich zu ihrem Wirken am Aktbild, zu Rösslers Auffassung zum Akt. Die Abstraktion auf Schwarz-Weiß, seine perfekte Lichtführung, lässt die Körper skulpturhaft erscheinen. Gerade durch die Schlichtheit der Inszenierung wirkt die Formensprache seiner Fotografie so überzeugend.

 

 

Handwerk und Dunkelkammerarbeit

Rössler fotografierte zeitlebens analog. Den letzten Schliff gab er dem Bild in der Dunkelkammer. Er belichtete und vergrößerte stets selbst, durch Wedeln und andere Techniken legte er schließlich Helligkeit und Dunkelheit fest. Es sind stille, kraftvolle Bilder, deren hoher ästhetischer Anspruch den Betrachter berühren, wenn er sich auf Rösslers Sicht- und Arbeitsweise einlässt.

 

 

Ein stilles Vermächtnis

Nach mehr als 60 Jahren künstlerischen Schaffens starb Günter Rössler am 31.12.2012 in Leipzig. Er war ein stiller, bescheidener Mensch, der es geschafft hat, sich ein Leben lang treu zu bleiben. Er war ein Teil seiner Fotografie und sie war ein Teil von ihm: Unprätentiös, treffend und stilsicher.

 

Kunsthaus Apolda AvantgardeBahnhofstraße 42, 99510 Apolda/Thüringen
18.01.26 - 03.05.26
Apolda

Matthias Eckert – LEIB & SEELE. Männerportraits

Das fotografische Werk von Matthias Eckert gründet auf mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung. Neben Architektur- und Reportagefotografie liegt sein klarer Schwerpunkt auf dem Porträt. Zahlreiche Landes- und Bundespolitiker hat er bereits ins rechte Licht gerückt – ebenso wie eine Vielzahl von Künstlern: Musiker, Maler, Schauspieler und Schriftsteller. Menschen faszinieren ihn, und stets ist er auf der Suche nach markanten Gesichtern und besonderen Charakteren.

 

Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten widmen sich ausschließlich seiner Arbeit mit männlichen Models, die aus ganz Deutschland nach Thüringen reisen, um sich von ihm porträtieren zu lassen. Viele von ihnen stehen unter Vertrag bei nationalen und internationalen Agenturen und schätzen die hohe Qualität seiner Aufnahmen. Doch über die reine handwerkliche Präzision hinaus – die »Pflicht« – legt Eckert in seinen freien künstlerischen Arbeiten besonderen Wert auf die »Kür«: seinen eigenen, unverwechselbaren Blick auf die Männer vor der Kamera.

 

Wer ist der Mensch hinter dem Gesicht? Welche Unsicherheiten verbergen sich hinter dem perfekt modellierten Körper? Die größte Erfüllung findet der Fotograf, wenn seine Modelle sich in den Bildern wiederfinden und für einen flüchtigen Moment ihre wahre Persönlichkeit offenbaren.

 

Leib & Seele, Körper & Geist, Kraft & Psyche: Eckert zeigt seine Protagonisten in einem Spannungsfeld zwischen Stärke und Verletzlichkeit, zwischen Selbstbewusstsein und Sensibilität. Oft umgibt sie eine feine Melancholie – immer aber sind sie durchdrungen von einer intensiven, stillen Sinnlichkeit.

 

»Matthias Eckerts Porträts sind einfühlsame und empathische Darstellungen. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine raffinierte visuelle Kühle aus, die auf seine klaren Kompositionen und die detailreichen Grauabstufungen zurückzuführen ist. Sein Einsatz von Licht wechselt zwischen brillanten Glanzlichtern und tiefen Schatten, was die kontemplative Natur seiner Fotografie noch verstärkt.« (Lens Culture Magazin)

Kunsthaus Apolda AvantgardeBahnhofstraße 42, 99510 Apolda/Thüringen
07.03.26 - 03.05.26
Konstanz

SEE LIVE – Noemi Strittmatter

Noemi Strittmatter (*1999) ist im Kunstverein Konstanz keine Unbekannte: bereits 2023 war die junge Künstlerin in der Gruppenschau »Kikeriki« der Klasse für Malerei von Professor Thomas Bechinger (Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) vertreten. Aber ihre jetzige Solo-Schau »see live« bedeutet nicht einfach einen Rückgriff, sondern war für das kuratorische Team eine Neuentdeckung: ungewöhnlich rasch hat sich Strittmatters malerische Position fortentwickelt. So haben sich ihre großformatigen Arbeiten von einer überwiegend dunklen Farbgebung gelöst zu expressiver Farbigkeit in unerwarteten, oft kühnen Konstellationen. Aquarellartig fließende Flächen kombinieren sich mit scharfkantig abgegrenzten Formen, die, ausgeführt in Öl- und Lackfarbe, räumlich aus dem Bildgrund hervortreten.

 

Ihre Motive greift Strittmater aus dem Alltagsleben, oft sind es fragmentarische Ausschnitte, die wie flüchtige Blicke erscheinen, die zu Bildern einfrieren, in ungewöhnlichen Perspektiven, in Aufsichten wie von einer ungelenk geführten Drohne: zwei kräftige Männerkörper, sportiv bekleidet, bewegen sich in einer schwebenden Bewegung dynamisch aufeinander zu, der Bildtitel weist ihre Tätigkeit als »ringen« aus.

 

Details werden in einer Vergrößerung herangezoomt, die zu einer abstrakten Lesung verleitet und erst bei genauerer Betrachtung figurative Elemente entdecken lässt: die Pumpenkonstruktion am Euter einer Milchkuh. Eine assoziative Deutungshilfe bieten die Bildtitel, in der Ohne Titel-Gegenwartskunstwelt ebenso ungewöhnlich wie amüsant: eine Reihe kreisrunder, sandigfarbener Flächen mit schlierigen Tupfern in Heidelbeerviolett heißt »Dr. Oetker«, die Darstellung eines Fußes im roten Sportschuh, der die weiße Markierungslinie vor großer Sandfläche leicht überschreitet, ist mit »now jump – no jump« bezeichnet.

 

Noemi Strittmatters Bilder konstruieren unmittelbare Momente ebenso wie spannungsgeladene Situationen, die die Künstlerin selbst als  mitunter merkwürdig und teilweise abgründig beschreibt - durchaus risikobereit, aber immer auch eher beiläufig-ironisch richtet Strittmatter ihren – und damit auch unseren – Blick auf ganz unterschiedliche Lebensbereiche, von den dicht, als »Masse« gruppierten Baby-Köpfen der Entbindungsstation, über ein Mini-Golf-Looping bis hin zu Grillhühnchen am »Wendepunkt«: see live.

Kunstverein KonstanzWessenbergstraße 39/41, 78462 Konstanz
05.02.26 - 03.05.26
München

Daniel Grüttner – Out of the Web

Mit der aktuellen Ausstellung Daniel Grüttner – Out of the Web erörtert die Staatliche Graphische Sammlung München zum wiederholten Mal die Frage nach dem Stellenwert der Zeichenkunst im 21. Jahrhundert. Das Projekt bildet den Auftakt zu drei aufeinanderfolgenden Ausstellungen im Jahr 2026, die das Verhältnis zwischen Malerei und Zeichnung innerhalb eines individuellen künstlerischen Œuvres diskutieren.

 

Neu ist, dass Grüttner sich mit seiner aktuellen Ausstellung auch als Zeichner vorstellt. Bisher unbeachtet blieb, dass er normalerweise in dem Zeitraum, in dem ein einzelnes Ölbild entsteht, geradezu tagebuchartig den Schaffensprozess im Atelier mit Zeichnungen begleitet. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass er die vom Tagewerk mit Ölfarbe gesättigten Pinsel auf Papierbögen fieberhaft »ausstreicht«. Tatsächlich aber reflektiert er beim Zeichnen mit Verve sein Tagewerk – das aktuelle Bild, das sich im Werden befindet, kommentiert, überdenkt und treibt er von Zeichnung zu Zeichnung weiter. Im Kontext der Gemälde kommt den Blättern damit eine nicht geringe Bedeutung zu, da sie weder Skizzen oder Vorstudien darstellen noch im Nachgang zu einem Bild als eine Art Reflexion oder Kommentar zu verstehen sind. Vielmehr sind sie ebenbürtige Dialogpartner im voranschreitenden Prozess der Werkgenese. Das erklärt im Fall seiner jüngsten monochromen Gemälde auch die außerordentliche Dynamik und Spannung der zeichnerischen Grapheme auf jedem einzelnen Zeichnungsblatt, wenn die Gestaltform jenseits der Farbe für den schöpferischen Prozess unabdingbar wird.

 

Ein zentrales künstlerisches Phänomen, das ihn in seinem Werk umtreibt, ist die grundsätzliche Überlegung, wie sich im Schaffensprozess jenseits der planen Oberfläche malerisch ein Bildraum einstellt und festgehalten werden kann, ohne zu erstarren. Gerade weil die Farbigkeit in der Werkgruppe Out of the Web nicht im ersten Rang steht, wird dieser Prozess für den Betrachter zur reizvollen visuellen Herausforderung. Mit großer Sicherheit gelingt es Grüttner in dieser minimalistisch anmutenden Serie, einzelne Strichtypen und Spolien, die zunächst nur den Eindruck ephemerer Gesten erwecken, im monochromen Bildraum so zu balancieren, dass sie eine überzeugende Komposition darstellen und doch flüchtig erscheinen. Pentimenti sind hier kaum möglich, da sie sich fraglos als sichtbare Spuren abzeichnen würden.

 

Beeindruckend ist, wie es Grüttner gelingt, trotz der monochromen Bildgründe in Gelb oder Blau sowie mehrheitlich in einem farblosen Weißgrau die Quintessenz seines malerischen Denkens ins Bild zu setzen. Mehr noch unterstreicht die Monochromie die Konsequenz seiner malerischen Gedankenwelt und ruft zugleich sein vielfarbiges Werk in Erinnerung, das damit umso radikaler wirkt. Andererseits strahlen die abstrakten Bildräume der nicht weniger komplexen monochromen Kompositionen eine ungewöhnliche Form von Ruhe gegenüber seinen bekannten impulsiven Farbwelten aus. In der Zusammenschau fällt ins Auge, dass auch hier die Frage von Form und Nichtform außer Diskussion steht. Das Bild wird vielmehr im Zustand des Entstehens und Vergehens gehalten, womit die Suche nach einem Motiv obsolet ist – eine konzeptuelle Entscheidung, die als das Nonplusultra abstrakter Malerei gelten kann, sich aber selten überzeugend einstellt.

 

Es ist unerheblich, ob das Werk von Grüttner als gegenständlich oder ungegenständlich, will sagen figurativ oder non-figurativ zu bezeichnen ist, wenn ihn vielmehr der transitorische Zustand zwischen diesen Polen interessiert, in dem er seine Werke halten will, wenn er sie für gültig erklärt und aus dem Atelier entlässt.

 

Sicher ist, dass der Maler und Zeichner Daniel Grüttner die lustvolle Introspektion unter dem Titel Out of the Web weniger als eine Zäsur denn mehr als eine Reflexion seiner künstlerischen Mittel versteht. Sie stellt einen Moment des Innehaltens dar, bevor er sich anderen künstlerischen Fragestellungen zuwenden wird und in neue Bildwelten voranschreitet.

 

Michael Hering

Direktor Staatliche Graphische Sammlung München

Staatliche Graphische Sammlung MünchenBarer Straße 40, 80333 München
28.02.26 - 03.05.26
Nordhorn

gute aussichten – junge deutsche fotografie 2024/25

Mathilde Tijen Hansen
Kyu Sang Lee
Clarita Maria
NiKA
Robin C. Wolf
Larissa Zauser

 

In Kooperation mit dem Projekt »gute aussichten« zeigt die Städtische Galerie Nordhorn acht Künstlerinnen und Künstler mit junger Fotografie.

 

»gute aussichten« wurde 2004 von Josefine Raab und Stefan Becht als Initiative zur Nachwuchsförderung künstlerischer Fotografie gegründet. Jedes Jahr juriert »gute aussichten« gemeinsam mit prominenten Vertreter:innen der Kunst- und Kulturszene die besten Abschlussportfolios aus dem Kreis der aktuellen Hochschulabsolventen im Bereich Fotografie. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden in deutschen und internationalen Ausstellungshäusern vorgestellt. Inzwischen gilt »gute aussichten« als renommiertester Wettbewerb für junge Fotografie in Deutschland.

 

Die Gruppe der aktuelle Preisträger:innen zeigt auf beindruckende Weise, wie weit die künstlerischen Mittel und Strategien der Fotografie in der neuen Generation heute aufgefächert sind. Das Spektrum reicht von der klassischen Dokumentarfotografie über die Einbindung von Video bis hin zu skulpturalen Elementen und raumgreifenden Installationen. 

 

Dass es dabei aber nicht nur um Formexperimente geht, betonen Stefan Becht und Josefine Raab von gute aussichten: »Die Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft, die psychosozialen Implikationen der sogenannten Sozialen Medien, das gleichzeitige ›Zuhause-Sein‹ in verschiedenen Kulturen, das Erinnern, wenn es keine Bilder aus der Vergangenheit gibt, die künstlerische Autorenschaft in Zeiten von generativen Bildsystemen sowie die Traditionen der Tiroler Schützenvereine und die Rolle der Frauen. (…) So bleiben lebendige, durchaus auch konträr geführte Diskurse die gebotenen Instrumente demokratischer Findungsprozesse und gute aussichten Preistragende, die Aspekte und Facetten virulenter Themen vertiefen und ausleuchten, tragen mit künstlerischen Mitteln das ihre dazu bei.«

 

Fotografie wird hier überzeugend von den jungen Künstler:innen als individuelles, kommunikatives und gesellschaftliches Handeln ernst genommen. 

Städtische Galerie NordhornVechteaue 2, 48529 Nordhorn
27.11.25 - 03.05.26
Berlin

Zurück in Berlin – Eine Marienbüste und die Sammlung Benoit Oppenheim

Eine durch den Kaiser Friedrich Museumsverein erworbene Büste der Maria lactans bildet das Herzstück einer neuen Kabinettsausstellung im Bode-Museum. Das Werk, das einst Teil der berühmten Berliner Sammlung von Benoit Oppenheim war, kehrt nach einer langen Reise zurück.  

 

Im Zentrum der Kabinettausstellung »Zurück in Berlin. Eine Marienbüste und die Sammlung Benoit Oppenheim« steht eine neu erworbene Büste der Maria lactans aus dem frühen 16. Jahrhundert. Das Werk zählt zu den feinsten oberschwäbischen Skulpturen des ausgehenden Mittelalters und gehörte einst zur bedeutenden Sammlung des Berliner Bankiers Benoit Oppenheim, deren Meisterwerke heute größtenteils im Bode-Museum bewahrt werden.

 

Oppenheim (1842–1931) hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine außergewöhnlich qualitätsvolle Sammlung mittelalterlicher Skulpturen aufgebaut, die er in seiner Villa im Tiergarten präsentierte und in zwei prächtigen Katalogen dokumentierte. Ab 1920 jedoch begann er, die Werke wieder zu veräußern – sehr zum Bedauern Wilhelm von Bodes, der auf Schenkungen an die Berliner Museen gehofft hatte. Die Ausstellung würdigt erstmals diese besondere Sammlerpersönlichkeit.

 

Die Maria lactans selbst blickt auf eine bewegte Provenienz zurück. 1907 noch bei Oppenheim nachweisbar, gelangte sie 1928 in die Sammlung des jüdischen Bankiers Jakob Goldschmidt, dessen Kunstbesitz 1936 aufgrund nationalsozialistischer Verfolgung versteigert wurde. Die Büste wurde damals vom Kunsthändler Johannes Hinrichsen erworben und im selben Jahr von den Staatlichen Museen zu Berlin angekauft. Nach der 2023 erfolgten Restitution an die Erben Goldschmidts konnte der Kaiser Friedrich Museumsverein das Werk – unterstützt von der Friede Springer Stiftung und der Kulturstiftung der Länder – 2025 zurückerwerben.

 

Als Reliquiar konzipiert, birgt die von Maria präsentierte Kugel ein Fach, das einst mit Bergkristall verschlossen war. Vermutlich enthielt es, im Kontext der innigen Darstellung des stillenden Jesuskindes, eine Marienmilchreliquie – eine im späten Mittelalter viel verehrte Pilgergabe aus der Milchgrotte von Bethlehem.

 

Die Büste wird nun zusammen mit weiteren aus der Sammlung Oppenheim stammenden Spitzenwerken des nördlichen Spätmittelalters im Bode-Museum gezeigt und nach Abschluss der Sonderausstellung in dessen Dauerausstellung übergehen.

Bode-MuseumAm Kupfergraben, Eingang über die Monbijoubrücke, 10117 Berlin
14.03.26 - 03.05.26
Berlin

Memory Is a Strange Bell

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) und das Künstlerhaus Bethanien präsentieren gemeinsam Arbeiten von Künstler:innen, die 2025 mit dem Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Berliner Senats ausgezeichnet wurden. Die Ausstellung wird parallel in beiden Häusern realisiert und versammelt jeweils internationale künstlerische Positionen von in Berlin lebenden und arbeitenden Künstler:innen. Sie macht einmal mehr deutlich, welche zentrale Rolle verlässliche Förderstrukturen für die Produktion und Vermittlung zeitgenössischer Kunst einnehmen.


Die gezeigten Positionen verbindet eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen und historischen Fragestellungen sowie die kritische Reflexion von Machtverhältnissen, Normen und Ideologien. In einem breiten Spektrum an ästhetischen Ansätzen und Medien – darunter Video, Sound, Fotografie, Malerei, Zeichnung, Installation und Performance – verhandeln die Arbeiten unterschiedliche, teils widersprüchliche Erfahrungs- und Wirklichkeitsräume. Dabei werden sichtbare und unsichtbare Machtstrukturen thematisiert, die die individuelle und kollektive Wahrnehmung sowohl im physischen wie auch im digitalen Raum bestimmen sowie die Kanonisierung von Wissen und kulturellen Ausdrucksformen prägen.


Weitere Arbeiten kreisen um Phänomene der Erinnerung – ihre Prozesshaftigkeit, Fragilität und inhärente Ambivalenz. Darauf verweist auch der Titel der Ausstellung, inspiriert von einer Zeile aus einem Brief der US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (*1830 †1886) an ihre Schwester: »Memory is a strange Bell – Jubilee, and Knell« (»Erinnerung ist eine sonderbare Glocke – Jubelfeier und Trauergeläut«). In der Metapher des Glockenläutens, das sowohl Freude als auch Verlust markiert, wird Erinnerung als ambivalenter, dynamischer Prozess lesbar – nicht als statische Fixierung, sondern als fortwährende, komplexe Bewegung. Zugleich spielt das Zitat auf eine Gegenwart an, die von paradoxen Spannungen geprägt ist, ein fortwährendes Pendeln zwischen multiplen Krisen und dem Streben nach Fortschritt und Wachstum.

 

Künstler:innen: İpek Burçak, Nadja Buttendorf, Markus Draper, Martin Eberle, Noi Fuhrer, Olga Monina, Shaun Motsi, Leonie Nagel, Ania Nowak, Niclas Riepshoff, Max Schaffer, Alina Schmuch, Antje Taubert, Sergio Zevallos

 

Kuratorinnen: Lidiya Anastasova, Antje Weitzel

Neuer Berliner KunstvereinChausseestraße 128/129, 10115 Berlin
14.03.26 - 03.05.26
Berlin

Katja Strunz. Future Collapses, Past Rises

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) präsentiert mit Future Collapes, Past Rises eine neue Ausstellung von Katja Strunz, die zahlreiche Ansätze und Techniken der Künstlerin vereint. Gezeigt werden Skulpturen aus lackiertem Stahl, die auf Prinzipien des Einfaltens und -fallens verweisen, sowie origamiartige Collagen, die auf hochauflösenden Satellitenbildern einer sich durch den Einfluss des Menschen verändernden Erdoberfläche basieren. Beide Werkgruppen zeugen von einer Balance zwischen Werden und Vergehen und betonen mit der Vielzahl der Perspektiven, die der künstlerische Prozess des gezielten Faltens des Materials hervorbringt, die Potentialität eines ständigen Wandels. Die ausgewählten Arbeiten werden ergänzt um gefundene Objekte sowie neue zeitgeschichtliche Bezüge. Der n.b.k. Showroom wird zum Ort sich stets neu in Beziehung setzender Vergangenheiten und einer brüchig bleibenden Zukunft.


In ihrer Werkreihe In Formation (2025) arbeitet die Künstlerin dabei erstmals mit Satellitenbildern des von NASA-Wissenschaftlern gegründeten Analyseunternehmens Planet Labs PBC, die die Erdoberfläche mit einer Datenerfassungsrate von über 30 Terabyte pro Tag kontinuierlich dokumentieren. Eine Auswahl der so entstandenen Fotografien wird von Strunz gefaltet und miteinander collagiert. In immer neuen Konstellationen definiert sie die Grenzen der abgebildeten Landschaften neu und lässt sie in ebenso kristallinen wie körperlichen Strukturen aufeinandertreffen. Begleitet werden sie in der Ausstellung im n.b.k. durch zahlreiche weitere Collagearbeiten mit handgeschöpftem und handgefärbtem Papier, den so genannten Pulp Paintings, die die Bandbreite von Strunz’ Arbeit mit dem Medium Papiercollage verdeutlichen.


Als Kontrapunkte sind den Wandarbeiten Metallskulpturen zur Seite gestellt, die ebenfalls auf dem Prinzip der Faltung basieren und mit der Vielzahl ihrer möglichen Betrachtungswinkel zusätzlich die Zeitlichkeit jeder Raumerfahrung betonen. Zentral für die Dynamik, die in den Werken von Katja Strunz zum Ausdruck kommt, ist eine Sequenzialität ohne feste Reihenfolge: Das Einfalten, Umfalten und Neufalten, das die Arbeiten verkörpern, steht für eine non-lineare Zeitordnung, die immer neue Verbindungen hervorbringt. Kontinuitäten werden durch Momente der Kompression, der Fragmentierung oder des Stürzens ausgesetzt, die Idee einer final zu erreichenden Idealform in Frage gestellt und durch ein ständiges Ein-, Um- und Aufbrechen ersetzt.

 

Kuratorin: Michaela Richter

 

Katja Strunz (*1970 in Ottweiler / Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist bekannt für ihre Skulpturen, Wandarbeiten, umfangreichen Installationen sowie Papierarbeiten, in denen sie sich mit der Interaktion von Zeit und Raum beschäftigt. Schon während ihrer Studienzeit feierte sie erste Erfolge mit präzisen Interventionen in bestehende Architekturen, seit Anfang der 2000er Jahre hat sie ihre Auseinandersetzung mit philosophischen und physischen Prinzipien der »Raumzeit« kontinuierlich weitergetrieben und basierend darauf eine abstrakte Formensprache entwickelt, die sie in zahlreiche Materialien überträgt. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen präsentiert, u. a.: Muzeum Sztuki, Łódź (2025); Kestner Gesellschaft, Hannover (2023); Pinakothek der Moderne, München (2020); Kunstmuseum Bonn (2020); Indianapolis Museum of Contemporary Art (Solo, 2019); Haus Konstruktiv, Zürich (2019); São Paulo Biennale (2013); Berlinische Galerie (Solo, 2013); Camden Arts Centre, London (Solo, 2009); Centre Pompidou, Paris (2009); Carnegie Museum of Art, Pittsburgh (2008); Museum Haus Esters, Krefeld (Solo, 2006).

Neuer Berliner KunstvereinChausseestraße 128/129, 10115 Berlin
16.04.26 - 06.05.26
Düsseldorf

Kunsthalle unterwegs: FOLDS (in tape fields)

FOLDS (in tape fields) ist eine Kooperation zwischen der Kunsthalle Düsseldorf und dem IMAI – Inter Media Art Institute, die im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellungsprojekts Circulating Copies des IMAI auf Bildschirmen und Lautsprechersystemen im Düsseldorfer Stadtraum realisiert wird.

 

KMRU untersucht, wie urbane Infrastrukturen das Hören im öffentlichen Raum bedingen und strukturieren. Ausgehend von Hörspaziergängen, Umwegen und beiläufigen Aufnahmen nähert er sich Düsseldorf als einem auditiven Feld, in dem sich Routinen, Rhythmen und Erwartungen überlagern.
FOLDS (in tape fields) entfaltet sich über verschiedene Orte und Lautsprechersysteme im Stadtraum. Klangmotive, Schleifen und Feldaufnahmen tauchen versetzt und wiederkehrend auf, ohne sich zu einem geschlossenen Ganzen zu fügen. Zeit wird gedehnt, unterbrochen oder zurückgeführt. Bedeutung entsteht im Vorübergehen, im Verweilen oder auch im Überhören. Statt einer festen Kartografie eröffnet die Arbeit eine offene, vielschichtige Form der Wahrnehmung.
“IN THE BEGINNING there was a river. The river became a road and the road branched out to the whole world. And because the road was once a river it was always hungry.” Ben Okri, The Famished Road, 1991

 

Der in Berlin lebende Klangkünstler KMRU (Joseph Kamaru, * 1997 in Nairobi, Kenia) nutzt Fied Recordings, Ambient Sound und experimentelle Techniken, um Hörkulturen jenseits vorherrschender Wahrnehmungsnormen zu erforschen. Er realisiert international Kompositionen, Installationen und Performances und hat mehrere Alben veröffentlicht, darunter auf seinem eigenen Label OFNOT.

 

Circulating Copies ist ein zweijährliches Ausstellungsprojekt der Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute auf Bildschirmen und Lautsprechersystemen im Düsseldorfer Stadtraum. Audiovisuelle Medien sind hier alltäglich präsent und werden zugleich kaum als gestaltbare oder veränderbare Strukturen wahrgenommen. Die zweite Edition des Projekts widmet sich daher der Frage, wie diese Infrastrukturen das Sehen und Hören im öffentlichen Raum organisieren, verhandeln und reflektieren.

 

Öffentliche audiovisuelle Infrastrukturen – Screens, LED-Wände, Durchsagesysteme, Beschallungsanlagen – sind keine neutralen Träger von Information oder Unterhaltung. Sie beruhen auf Annahmen darüber, wie wir mehrheitlich sehen und hören, und wie unsere Aufmerksamkeit „funktioniert“. Diese Annahmen produzieren Ausschlüsse: Sie privilegieren bestimmte Körper, Sinne und Erfahrungsweisen und machen andere unsichtbar oder unhörbar. Circulating Copies setzt hier an und fragt, wie künstlerische Interventionen diese Bedingungen sichtbar, hörbar und veränderbar machen können. Sehen und Hören werden dabei nicht als universelle Fähigkeiten verstanden, sondern als unterschiedliche, situierte und relationale Erfahrungen, die in konkreten technischen und sozialen Umgebungen entstehen.

 

Neben den Arbeiten im Stadtraum umfasst Circulating Copies ein begleitendes Programm, das in engem Austausch mit nicht-visuell bzw. nicht-lautsprachlich orientierten Künstler:innen, Theoretiker:innen, Übersetzer:innen und Aktivist:innen entsteht, und das normierende Zugänge zu audiovisueller Kunst gezielt aufbricht.

Kunsthalle DüsseldorfGrabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf