Berlin
Museum

Kunstgewerbemuseum

Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Das Kunstgewerbemuseum ist das älteste seiner Art in Deutschland. Es beherbergt weltberühmte Zeugnisse des europäischen Kunsthandwerks und Designs, darunter prunkvolle Reliquiare aus Gold und Edelstein, kostbare Vasen aus Glas oder Porzellan, fein bestickte Kleider, detailreich intarsierte Möbel bis hin zu Klassikern modernen Industriedesigns. Die Dauer- und Sonderausstellungen des Kunstgewerbemuseums können an zwei Orten in Berlin bewundert werden: am Kulturforum nahe dem Potsdamer Platz und im malerisch auf einer Halbinsel in der Dahme gelegenen Schloss Köpenick, wo Meisterwerke der Raumkunst vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gezeigt werden.

 

Das Haus am Kulturforum entstand bis 1985 nach den Entwürfen von Rolf Gutbrod, einem der führenden deutschen Architekten der 1960er-Jahre. Kennzeichnend für seine Architektur ist die Sichtbarkeit konstruktiver Elemente. Das Museum ist als »gebaute Landschaft« gedacht und nimmt mit seiner Begrünung Bezug auf den benachbarten Tiergarten. Während das Gebäude nach außen geschlossen wirkt, empfängt es den Eintretenden mit einem offenen Treppenhaus und großzügigen Ausstellungsräumen. Die Besucher sind eingeladen, sich ganz den Prunkstücken der Sammlung zu widmen und von einer Ebene zur anderen zu wandeln.

Veranstaltungen und Ausstellungen

27.02.25 - 07.06.26

Mode aus Paris – Schenkung Erika Hoffmann

Anlässlich einer Schenkung der Berliner Kunstsammlerin Erika Hoffmann präsentiert das Kunstgewerbemuseum 22 Kleidungsstücke und Accessoires aus mehr als 20 Jahren Pariser Modegeschichte.

 

Seit dem 19. Jahrhundert bietet Paris vielen Designer:innen eine Plattform, um ihre Kreativität zu entfalten und ihre Kollektionen einer internationalen Öffentlichkeit zu präsentieren. Die frühen 1980er-Jahre waren geprägt von Optimismus und gewagter Opulenz, die besonders in der Mode zum Ausdruck kamen. Das kreative Zentrum dieser Ära wurde von Manfred »Thierry« Mugler, Jean Paul Gaultier und Jean-Charles de Castelbajac dominiert, die mit ihren Entwürfen ein neues, starkes und selbstbewusstes Frauenbild prägten: Es äußerte sich in breiten Schultern über akzentuierte Silhouetten bis hin zu auffälligen Materialien und Farben.

 

 

Kunst und Mode

 

Für die Kunstsammlerin und Textilunternehmerin Erika Hoffmann war die Pariser Mode stets eine bedeutende Inspirationsquelle. Durch ihren Beruf und ihr Interesse an zeitgenössischer Mode und Kunst war sie in Künstlerkreisen bestens vernetzt. Regelmäßig reiste sie in die Modehauptstadt, um die Boutiquen der Designer zu besuchen. Zweiundzwanzig ihrer dort erworbenen Outfits schenkte sie nunmehr dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, das diese erstmals präsentiert.

 

Neben Objekten von de Castelbajac, Gaultier und Yves Saint Laurent liegt der Fokus auf den frühen Entwürfen des jungen Manfred »Thierry« Mugler. 1978 hatte er seine erste Boutique an der Place des Victoires eröffnet. Für ihn waren Frauen »Glamazonen« – glamouröse und selbstbewusste Amazonen. Exemplarisch hierfür ist der in der Ausstellung präsentierte Brustpanzer mit passendem Zipfelrock aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion 1980. In dieser Zeit erwirbt Erika Hoffmann in jeder Saison luftige Tageskleider, ausgefallene Jumpsuits, modische Alltagskleidung und ausgefallene Abendkleider des aufstrebenden Designers.

 

 

Im Atelier von Andy Warhol

 

Eines dieser Tageskleider, ein beige-braunes Etuikleid mit durchgehender Knopfleiste am Rückenteil, trug sie auch beim Treffen mit Andy Warhol in dessen Atelier in New York. Erika und ihr Mann Rolf Hoffmann begannen bereits in den 1960er-Jahren ihrem persönlichen Geschmack folgend zeitgenössische Kunst zu sammeln. Bei Andy Warhol hatte das Paar ein Doppelporträt in Auftrag gegeben, und Erika Hoffmann entschied sich, an diesem Tag dieses Mugler-Kleid zu tragen. Eine Fotodokumentation dieser Session wird ebenfalls in der Ausstellung präsentiert.

 

Das zentrale Ausstellungsstück, eine Weste aus Papier von Maison Margiela, steht für Erika Hoffmanns zwei Leidenschaften: Das Sammeln von avantgardistischer Kunst und ihr Interesse an zeitgenössischer Mode. Gefertigt im Jahr 1994, zeigt die Weste den experimentellen Ansatz von Martin Margielas Werk, in dem sich vor allem sein konzeptueller Entwurfsprozess widerspiegelt und die Grenzen zwischen Kunst und Mode verschwimmen.

 

 

Die Schenkung Erika Hoffmann

 

Über die 22 Stücke der Ausstellung hinaus umfasst die Schenkung an das Kunstgewerbemuseum 21 weitere Kleidungsstücke, die nach Entwürfen russischer Konstruktivisten aus den 1920er-Jahren angefertigt wurden. Deren Präsentation ist für einen späteren Zeitpunkt geplant.

 

 

Kuratorin

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Katrin Lindemann, Kuratorin für Mode und Textil am Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin.

15.11.25 - 14.06.26

Heimsuchung: 40 Jahre KGM am Kulturforum

Ein Jubiläum, wie das 40-jährige Bestehen des 1985 eröffneten Kunstgewerbemuseums (KGM) im von Rolf Gutbrod entworfenen Neubau am Kulturforum in West-Berlin, ist häufig Anlass für einen feierlichen Rückblick. Das KGM wählt einen anderen Weg und lädt zur aktiven Beschäftigung mit den vielschichtigen Ebenen nicht nur seiner Geschichte, sondern vor allem seiner Zukunft ein.

 

Die Ausstellung »Heimsuchung: 40 Jahre KGM am Kulturforum« versteht sich als eine Art Séance – ein gemeinsames Hinhören auf die Echos der Vergangenheit, die Potenziale der Gegenwart und die noch ungeschriebenen Zukünfte des Hauses. Anstelle einer fest vorgegebenen Erzählung öffnet sie einen Raum für die komplexen Fragen, die diesen Ort seit vier Jahrzehnten prägen.

 

 

Visionen und Brüche

 

Die Geschichte des Kunstgewerbemuseums ist von Visionen und Brüchen geprägt, nicht zuletzt durch die ehemalige Teilung in Ost- und West-Berlin, die zwei bis heute existierende Standorte des Museums – das Kulturforum im Westen und Schloss Köpenick im Osten Berlins – zur Folge hatte.

 

Die Ausstellung spürt der Gründungsidee des Hauses als Einrichtung, die der Geschmacksbildung von Handwerkern dienen sollte, seinen ursprünglichen Antriebskräften als Unterrichtsanstalt mit Vorbildersammlung und den Konflikten nach, die mit solch einer tief im 19. Jahrhundert verwurzelten Vorstellung einhergingen. Anstatt jedoch eine abgeschlossene Version der Geschichte des Museums zu präsentieren, werden Teile der Sammlung, der Methodik und der institutionellen Vergangenheit so gezeigt, dass sie die vielschichtige Natur des Museums erlebbar machen.

 

Was ist von diesem Gründungsgedanken übriggeblieben beziehungsweise wie wurde er in das 20. Jahrhundert transferiert? Für die Beantwortung dieser Frage kann das Kulturforum konsultiert werden, das nicht nur Museumsstandort ist, sondern ein Ort vielfältiger Kontroversen und Debatten: Zeugnis einer Zukunftsvision, dessen heutige Realität die zahlreichen Kompromisse und ungelösten Fragen in der Geschichte des Kunstgewerbemuseums widerspiegelt.

 

 

Heim/suchung

 

Mit der komplexen, über annährend 20 Jahre andauernden Baugeschichte des heutigen Museums am Kulturforum gingen Konflikte und Potenziale einher, die mit neuen Anforderungen an das Museum generell verknüpft waren. Sie betrafen konservatorische und bautechnische Erfordernisse, aber vor allem den vordringlichen Auftrag und gleichermaßen Anspruch des Museums ein demokratischer Bildungsort zu sein.

 

Die Ausstellung widmet sich insbesondere diesen sozialen und museologischen Realitäten, für die Rolf Gutbrod mit dem Einbau einer durch das Haus eingezogenen Vermittlungsgalerie eine wegweisende und viel beachtete Lösung gefunden hatte. Die Ausstellung beleuchtet die Erfolge und das Scheitern einer gebauten Vision, und lüftet zugleich den Vorhang, um Einblicke in die Realität zu geben, die sich in den Restaurierungswerkstätten und Büros abspielt.

 

 

Die Zukunft als offene Frage

 

Die Ausstellung blickt nach vorn und begreift die Zukunft als einen offenen Prozess mit großem Gestaltungsspielraum. Angesichts notwendiger anstehender Veränderungen, wie Renovierung, Sanierung und inhaltlicher Neuausrichtung, stellt die Ausstellung die Zukunft des KGM zur Diskussion. Sie ist keine finale Antwort, sondern eine offene Frage, die in der Sprache der Institution gestellt wird: als Einladung an die Öffentlichkeit, am nächsten Kapitel mitzuwirken.

 

 

Team

 

Koordination und Co-Kuration: Ann-Kathrin Illmann, Carina Kitzenmaier, Dr. Claudia Kanowski, Kevin (Finn) Strüder, Dr. Sibylle Hoiman

10.12.25 - Auf unbestimmte Zeit

Haus Lemke – Die Möbel von Mies van der Rohe und Lilly Reich

Mit der erstmals vollständigen Präsentation der Möbel aus Haus Lemke in Berlin zeigt das Kunstgewerbemuseum eine der umfangreichsten original erhaltenen Innenausstattungen aus dem Werk von Ludwig Mies van der Rohe.

 

Die Möblierung von Haus Lemke orientiert sich klar an der von Mies van der Rohe und Lilly Reich seit Mitte der 1920er-Jahre entwickelten Gestaltung. Furnierte Holzmöbel waren ungeachtet der spektakulär modernen Stahlrohrmöbel unverändert die Grundlage der Wohnungseinrichtung. Im Stil des anspruchsvollen Innenausbaus ihrer Zeit kombinieren sie die in streng geometrischen Formen und Raumproportionen gebundene Materialästhetik edlen Holzes mit nicht minder aufwendiger Verarbeitung von Stein-, Glas- und Metalloberflächen.

 

 

Haus Lemke: Das »Mies van der Rohe Haus« in Berlin-Lichtenberg

 

In den Jahren 1932/33 erbaut, ist Haus Lemke heute als »Mies van der Rohe Haus« bekannt. Am Obersee in Alt-Hohenschönhausen (Bezirk Lichtenberg) gelegen, überrascht der auf einem Seegrundstück mit weitläufigem Garten konzipierte Bau mit seinen zurückhaltenden Dimensionen. Die Ausstattung von Haus Lemke mit Möbeln nach Entwürfen aus dem Büro Mies van der Rohe erfolgte lange nach der Bauübergabe im April 1933. Mies legte in dieser Zeit erste Pläne für die Einrichtung des Arbeitszimmers vor, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Vermutlich wurde die Planung 1934 mit Lilly Reich fortgesetzt und auch ehemalige Mitarbeiter wie Friedrich Hirz hinzugezogen. Das Arbeits- und das Schlafzimmer wurden vollständig nach den neuen Entwürfen ausgestattet, während man im Wohnzimmer bereits vorhandene Möbel nutzte. Nach Martha Lemkes Erinnerung war die Einrichtung erst 1937 abgeschlossen. Sie wurde im selben Jahr in der Deutschen Bauzeitung vorgestellt mit einer Fotografie von Max Krajewsky, der damals eine Serie von Innenraumaufnahmen des Gebäudes angefertigt hatte.

 

Mit Kriegsende und der Vertreibung der Eigentümer begann 1945 die wechselvolle Nutzung des Hauses unter anderem als Autowerkstatt und Lager. Sie führte bis 1989 zu tiefgreifenden Um- und Rückbauten und zur Veränderung des gesamten Ensembles von Haus und Garten. 1977 vom Magistrat von Ost-Berlin unter Denkmalschutz gestellt, gelangte das Gebäude mit der politischen Wende 1990 in die kommunale Trägerschaft des Bezirks, heute Berlin-Lichtenberg. Das Haus wurde öffentlich zugänglich und erhielt mit der Umbenennung in »Mies van der Rohe Haus« eine zeitgemäße Nutzung als kommunale Galerie. Von 2000 bis 2002 schließlich erfolgte eine denkmalpflegerische Grundsanierung.

 

Die Restaurierung und Konservierung der Möbel wurde ermöglicht durch die großzügige Förderung des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder und der Julius-Lessing-Gesellschaft e. V., Freundeskreis des Kunstgewerbemuseums.

26.02.26 - 03.05.26

Jerszy Seymour: Mutuogenesis

»Mutuogenesis« ist eine lebendige soziale Skulptur als Ausstellung und Prototyp einer neuen Form des Lebens, Lernens, Produzierens und der Gemeinschaft, deren Kern soziale und ökologische Gerechtigkeit bildet.

 

Zwischen dem Neuköllner Co-Lab »Lucky Garage« im Stadtteilzentrum Falscher Fisch und dem Kunstgewerbemuseum findet die Zusammenarbeit des Künstlers und Designers Jerszy Seymour mit der internationalen, jungen Community der S27 – Kunst und Bildung statt. Durch die Gemeinschaftsarbeit entsteht eine immersive, vielfarbige, mutuogene Umgebung aus wiederverwerteten Materialien, die alle Lebensfunktionen bietet und die Bühne für ein Programm mit Vorträgen, Performances und Interventionen einer Reihe diverser Künstler:innen, Designer:innen und Aktivist:innen schafft.

24.04.26 - 04.10.26

Zinn vom Mittelalter bis zum Jugendstil

Zinnobjekte sind als integraler Bestandteil der europäischen Kulturgeschichte im Kunstgewerbe weitverbreitet und dennoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Berliner Kunstgewerbemuseum zeigt in seiner Dependance in Schloss Köpenick eine Sonderausstellung, die das Zinn in seiner Verwendung vom Mittelalter bis in den Jugendstil verfolgt. Anhand von ca. 100 Kunstwerken wird dabei nicht nur die Entwicklung vom Sakralobjekt zum Gebrauchsgegenstand verdeutlicht, sondern auch die komplizierte Nutzung des Materials im Möbelbau.

 

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf den Kunsttischler Johann Daniel Sommer, der Ende des 17. Jahrhunderts im württembergischen Künzelsau tätig war. In seinen Möbeln fügen sich Schildpatt, Horn und Zinn zu einem Dekor, der die Nähe zur Malerei und Goldschmiedearbeit aufweist.

Standort
Standort
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstaggeschlossen
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–17:00
Freitag10:00–17:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
Social Media
Teilen