Heidelberg
Museum

Sammlung Prinzhorn

Universitätsklinikum Heidelberg, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg

Die Sammlung Prinzhorn ist ein Museum für Kunst von Menschen mit psychischen Ausnahmeerfahrungen. Gegründet um 1900 wurde die Sammlung wesentlich ausgebaut nach dem Ersten Weltkrieg und bildet damit einen wichtigen historischen Ausgangspunkt für das heute wachsende Interesse an so genannter Outsider Art. Der einzigartige Bestand von rund 40.000 bildkünstlerischen Werken, Texten und Musikstücken der Zeit von 1825 bis heute, wesentlich aus deutschsprachigen Ländern, wächst ständig.

 

Aufgabe des Museums ist es, zum Wahrnehmen, Vermitteln und Erforschen der genannten Kunst sowie ihrer Schöpfer:innen beizutragen, diesen damit eine Stimme zurückzugeben sowie Entstigmatisierung und gesellschaftliche Inklusion von Psychiatrie-Erfahrung und Psychiatrie-Erfahrenen zu befördern. Zu diesem Zweck entwickelt die Sammlung Prinzhorn eigene Ausstellungen, begleitende Veranstaltungen und Publikationen, die Vorbildcharakter für andere Häuser haben. Das Museum unterstützt zudem das weltweit wachsende Interesse an Kunst von Psychiatrie-Erfahrenen mit dem Versenden von Ausstellungen sowie Leihgaben für andere Häuser im In- und Ausland und fördert die Forschung externer Wissenschaftler und Künstler.

 

Jährlich werden zwei bis drei thematische Ausstellungen gezeigt mit dem Ziel, zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankung beizutragen. Über Kontextualisierung und Deutung künstlerischer Werke, die von psychischen Ausnahme-Erfahrungen und ihren gesellschaftlichen Folgen geprägt sind, leistet die Sammlung einen Beitrag zur Inklusion betroffener Menschen. Als Teil des Universitätsklinikums Heidelberg versteht sich das Haus aber nicht nur als Museum und Ausstellungsort, sondern auch als wissenschaftliche Einrichtung, die das Schicksal der hier vertretenen Künstler:innen, ihre Werke und übergeordnete Fragestellungen erforscht.

Veranstaltungen und Ausstellungen

01.07.20

Die Sammlung Prinzhorn – von »Irrenkunst« zur Outsider Art

Die Sammlung Prinzhorn umfasst derzeit ca. 40.000 Werke von 1221 Künstler:innen aus der Zeit von 1800 bis heute. Damit bildet sie auch mehr als 200 Jahre Psychiatriegeschichte ab. Viele Künstler:innen der Sammlung aus der Zeit um 1900 verbrachten einen Großteil ihres Lebens in der Anstalt. Die von den sogenannten »Anstaltsinsassen« geschaffenen Werke wurden u.a. als »Anstaltskunst«, »Irrenkunst« oder z.B. von Hans Prinzhorn z.B. als »Bildnerei der Geisteskranken« bezeichnet. Menschen mit psychischen Ausnahmeerfahrungen verbringen heute – wenn überhaupt – nur noch eine kurze Zeit in der Psychiatrie. Ein Großteil der Werke der Sammlung wird heute der Art brut oder Outsider Art zugeordnet. Der Kontext, in dem Kunst von Menschen mit psychischen Ausnahmeerfahrungen entsteht, und die Wahrnehmung dieser Werke haben sich somit in den letzten 200 Jahren stark gewandelt. Die Dauerausstellung gibt Einblick in die Geschichte der Sammlung und stellt Themen vor, die für das Verständnis der Werke grundlegend sind, wie z.B. »Kunst und Psychiatrieerfahrung«, »Psychiatriegeschichte«, »Alltag in der Anstalt um 1900«. Und sie zeigt rund 120 Werke von 37 Künstler:innen der Sammlung von den Anfängen bis heute.

 

Folgende Künstler:innen sind in der Dauerausstellung vertreten:
Thomas Astor (1896–1916 nachweisbar), Hermann Behle (1867–1942), Harald Bender (1950–2014), Marcia Blaessle (1956–1983), Else Blankenhorn (1873–1920), Friedrich Boss (1899–1977), Franz Karl Bühler (1864–1940), Alois Dallmayr (1883–1940), Josef Forster (1878–1949), Alexandra Galinova (1936–2021), Karl Genzel (1871–1925), Sonja Gerstner (1952–1971), Paul Goesch (1885–1940), Josef Heinrich Grebing (1879–1940), Nicole Guiraud (*1946), Emma Hauck (1878–1920), August Klett (1866–1928), Johann Knopf (1866–1910), Elfriede Lohse-Wächtler (1899–1940), Heinrich Mebes (1842–1918), Peter Meyer (1872–1930), Jakob Mohr (1884–1940), Wilhelm Müller (1881–1941), August Natterer (1868–1933), Clemens von Oertzen (1853–1919), Otto Ohlmann (1888–1943), Maria Puth (1894–1978), August Richter (1801–1873), Joseph Schneller (1878–1943), Erich Spießbach (1901–1956), Frau St. (Lebensdaten unbekannt), Alfred Stief (1952–2022), Vanda Vieira-Schmidt (*1949), Wilhelm Werner ((1898–1940), Hyacinth Freiherr von Wieser (1883–1927), Hans Wühr (1942–1981), Karl Maximilian Würtenberger (1872–1933).


Um neben wechselnden Sonderausstellungen auch eine Dauerausstellung präsentieren zu können, wurde ein Teil des Museums 2019/20 umgebaut. 

20.11.25 - 03.05.26

Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche

Menschliche Identität entsteht fortwährend im Erleben des eigenen Ichs – verwoben mit Biografie, Selbstwahrnehmung, Emotionen und Körperlichkeit. Eine besondere Herausforderung für die Erfahrung von Identität stellen psychische Krisen dar. Darum geht es in der Ausstellung »Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche«. Sie zeigt ausgewählte Werke der Sammlung Prinzhorn, die Menschen mit Psychiatrieerfahrung zwischen 1895 und 2024 geschaffen haben.

 

Menschen mit der Diagnose »Schizophrenie« fällt es oft schwer, ein stabiles, kontinuierliches Selbstbild zu bewahren. Sie erleben einen Verlust der Identität, eine »Ich-Entfremdung«, weil sie ihre eigenen Gefühle, Gedanken oder Handlungen als fremd oder von außen gesteuert empfinden.

 

Im Eingangskabinett zeigen wir die Jacke von Agnes Richter, die sie 1895 in der Anstalt Hubertusburg selbst nähte und innen wie außen mit autobiografischen Texten bestickte. Dieses außergewöhnliche Textil, eines der bekanntesten Werke der Sammlung, lässt sich als Versuch Richters deuten, ihre Identität in der psychiatrischen Anstalt zu wahren.

 

Das Erdgeschoss des Ausstellungssaals bestimmt eine Fülle von Selbstporträts, die, naturalistisch bis abstrakt, symbolisch oder konzeptuell der Selbstvergewisserung in schwieriger Lebenslage dienten, etwa Kerstin Streckes mandalaförmiges »Ich bin« oder die großformatige synapsenartige »Selbst«-Komposition von Dietrich Orth.

 

Auf der Galerie sind fragmentierte oder technisierte Selbstzeugnisse Beispiele für Erfahrungen eines Selbst-Verlustes oder einer Re-Konstruktion des Ichs in psychischen Ausnahmesituationen. Autobiografische Bildergeschichten und Tagebücher befassen sich mit Lebensumständen, die zur Einweisung in eine Anstalt führten. Selbstbildnisse in der Zelle oder im Krankenzimmer, Darstellungen von Behandlungsmethoden und von psychiatrischen Diagnosen geben Einblicke in Entfremdungen von der eigenen Identität auch durch die Institution.

Standort
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Universitätsklinikum Heidelberg, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–20:00
Donnerstag11:00–17:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
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