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Wiesbaden

Bastian Muhr – Tapetenwechsel. Intervention

Klassische Gemälde haben einen Vorder- und einen Hintergrund. Eine Tapete auf der Wand ist also der Hintergrund für das, was sich im Raum abspielt? Oder ist die Tapete bereits das Ereignis und der Hintergrund die Architektur in der sie sich befindet? Bastian Muhr stellt uns diese Fragen. Aber viel mehr als das. Indem er ausgesuchte Werke, also klassische Bilder auf den Tapeten platziert, bringt er neue Ebenen ins Spiel. Wörtlich, also räumlich, aber auch im inhaltlichen Sinne, in dem er Bezüge zwischen den »Bildern« schafft.

 

Die Tapeten selbst erstellt er mittels einer »Tapetenmaschine«, einem Algorithmus, der den Verlauf des Musters bestimmt, entweder linear oder per Zufall, indem festgelegte Elemente willkürlich aneinandergesetzt werden. Ähnlich wie in Muhrs Bleistiftzeichnungen, deren Struktur durch Auswürfeln (ganz analog per Hand) fortgeschrieben wird, kommt eine Komponente ins Spiel, die System und Zufall in Dialog treten lässt.

 

Im Eingriff in den Raum, in die Architektur, die dieser uns bietet, testet Bastian Muhr unsere Wahrnehmung. Wie schon bei Zickzack, seiner Bodenarbeit im Projektraum 2016 (https://museum-wiesbaden.de/bastian-muhr), bildet auch hier eine lineare Struktur eine Art Netz, das sich zwischen Wand und Raumkontinuum schiebt.

Diese Ausstellung endet in
3
Tage
23
Std
35
Min
43
Sek
Termine
Start27.02.2026
Ende28.06.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–21:00
Freitag11:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum WiesbadenFriedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Die Gründung der Wiesbadener Museumssammlungen verdankt sich bürgerlichem Engagement des frühen 19. Jahrhunderts. Der Grundstock der Sammlungen geht auf die bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Sammlertätigkeit des Privatsammlers Johann Isaac Freiherr von Gerning zurück. Einer Anregung des in Wiesbaden zur Kur weilenden Johann Wolfgang von Goethe folgend, wurden die Kunstwerke, Altertümer und Naturalien von Gernings vom Staat Nassau erworben und zunächst im Palais des Nassauischen Erbprinzen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Folge bildeten sich drei Museen, deren Träger der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, der Nassauische Verein für Naturkunde und der Nassauische Kunstverein waren. Im Jahr 1900 gingen die drei Museen in städtisches Eigentum über. Zwischen 1913 und 1915 entstand ein Neubau nach Plänen des Architekten Theodor Fischer. In der Konzeption des Fischer-Baus entstand ein modernes Gebäude, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der drei Sparten gerecht wurde und bereits Platz für wechselnde Ausstellungen bot. In den 1920er und frühen 1930er Jahren entwickelten die Direktoren mit Unterstützung der assoziierten Vereine eine rege Sammel- und Ausstellungstätigkeit. Auch wurden mit Hilfe Wiesbadener Bürger:innen wichtige Sammlungsergänzungen in allen Bereichen vorgenommen. Als Dauerleihgabe des Kunstmuseums gehörten dazu zahlreiche Gemälde des Wiesbadener Sammlers Heinrich Kirchhoff. In diese Zeit fällt auch die Wirkungszeit des Präparators Josef Burger, der eine umfangreiche und hochwertige Sammlung zur Präsentation in der Dauerausstellung des Naturhistorischen Museums schuf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen alle Gemälde aus dem Umfeld des Expressionismus, wie beispielsweise Werke von Jawlensky oder Klee, und der konstruktiven Positionen zunächst ins Depot des Museums. Im Jahr 1937 wurden die Arbeiten dann ins zentrale Sammellager nach Potsdam abtransportiert. Der Sammler Heinrich Kirchhoff musste seine Dauerleihgaben zurücknehmen. Von 1935 bis 1945 war Hermann Voss Direktor des Museums. Unter seiner Leitung wurden über 200 Werke erworben, darunter auch hochkarätige Barockgemälde. Ab 1943 war Voss parallel Sonderbeauftragter für das Führermuseum in Linz. Seine Erwerbungen werden derzeit auf ihre rechtmäßige Provenienz hin untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Gemälde unrechtmäßig aus jüdischem Besitz in das Museum gelangten. Nach Kriegsende wurde das Gebäude zum »Central Collecting Point« der Amerikaner. Nachdem die hier vorübergehend eingelagerten Kunstschätze – darunter die Büste der Nofretete und Rembrandts Mann mit dem Goldhelm – wieder an ihre Besitzer:innen zurückgegeben worden waren, begann in den 1950er und 1960er Jahren mit sparsamsten Mitteln eine Phase der Wiedereinrichtung der Sammlungen. In diese Zeit fällt auch der beginnende Aufbau der heute wertvollsten und bedeutendsten Sammlung der Kunst – der Jawlensky-Sammlung – durch den damaligen Museumsdirektor Clemens Weiler. Im Jahr 1973 übereignete die Stadt Wiesbaden die drei Sammlungen dem Land Hessen, das sie seitdem als Museum Wiesbaden betreibt. Heute stehen den beiden Abteilungen, der Kunstsammlung und den Naturhistorischen Sammlungen, 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Abwechslungsreich proportionierte Galerien mit weiträumigen Durchblicken und großzügige neue Ausstellungsräume bilden ein attraktives Umfeld für anregende Begegnungen mit Exponaten der Kunst und Natur.