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Wiesbaden

Brutpflege – Liebe ohne Worte. Studienausstellung

Jedes Lebewesen beginnt sein Leben verletzlich. In Ozeanen, Wäldern und Wüsten stehen Eltern vor derselben Frage: Wie viel können sie der nächsten Generation weitergeben? Manche Arten entlassen ihren Nachwuchs in die Welt und kehren nie zurück. Andere bewachen Eier, tragen ihre Jungen, bauen Behausungen, bringen Nahrung und vermitteln Fähigkeiten. Und wiederum andere fasten, kämpfen oder geben sogar ihr Leben für ihren Nachwuchs. Dabei können Mütter, Väter, Helfer und ganze Gemeinschaften beteiligt sein, deren Einsatz das Weiterbestehen des Lebens ermöglicht.

 

Die biologischen Grundlagen von Fürsorge sind im Tierreich tief verwurzelt und über verschiedene Arten hinweg ähnlich. Die Körperchemie und Nervenbahnen, die bei uns Menschen Bindung, Motivation und Belohnung begleiten, finden sich in verwandten Formen auch in sehr unterschiedlichen Tiergruppen wieder — selbst bei Vögeln, Amphibien und Fischen.

 

Wenn der Antrieb bei der Brutpflege ähnlich ist, könnte dann auch das Erleben der Elternschaft Gemeinsamkeiten haben? Bei Tieren ist oft vom reinen »Instinkt« die Rede. Aber vielleicht fühlen auch Tiere etwas, das in ihrer Welt dieselbe Funktion erfüllt: Nähe, Motivation, Bindung. Wir können nicht genau wissen, was (andere) Tiere empfinden. Ihre Körper, Sinne und Lebenswelten unterscheiden sich von den unseren. Doch wenn Eltern ihre Nachkommen schützen und versorgen, drängt sich eine Frage auf: Ist Fürsorge ein rein instinktives Verhalten, und wie unterscheidet sie sich von dem, was Menschen als »Elternliebe« bezeichnen?

Diese Ausstellung endet in
199
Tage
20
Std
44
Min
47
Sek
Termine
Start07.06.2026
Ende10.01.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–21:00
Freitag11:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Museum WiesbadenFriedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Die Gründung der Wiesbadener Museumssammlungen verdankt sich bürgerlichem Engagement des frühen 19. Jahrhunderts. Der Grundstock der Sammlungen geht auf die bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Sammlertätigkeit des Privatsammlers Johann Isaac Freiherr von Gerning zurück. Einer Anregung des in Wiesbaden zur Kur weilenden Johann Wolfgang von Goethe folgend, wurden die Kunstwerke, Altertümer und Naturalien von Gernings vom Staat Nassau erworben und zunächst im Palais des Nassauischen Erbprinzen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Folge bildeten sich drei Museen, deren Träger der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, der Nassauische Verein für Naturkunde und der Nassauische Kunstverein waren. Im Jahr 1900 gingen die drei Museen in städtisches Eigentum über. Zwischen 1913 und 1915 entstand ein Neubau nach Plänen des Architekten Theodor Fischer. In der Konzeption des Fischer-Baus entstand ein modernes Gebäude, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der drei Sparten gerecht wurde und bereits Platz für wechselnde Ausstellungen bot. In den 1920er und frühen 1930er Jahren entwickelten die Direktoren mit Unterstützung der assoziierten Vereine eine rege Sammel- und Ausstellungstätigkeit. Auch wurden mit Hilfe Wiesbadener Bürger:innen wichtige Sammlungsergänzungen in allen Bereichen vorgenommen. Als Dauerleihgabe des Kunstmuseums gehörten dazu zahlreiche Gemälde des Wiesbadener Sammlers Heinrich Kirchhoff. In diese Zeit fällt auch die Wirkungszeit des Präparators Josef Burger, der eine umfangreiche und hochwertige Sammlung zur Präsentation in der Dauerausstellung des Naturhistorischen Museums schuf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen alle Gemälde aus dem Umfeld des Expressionismus, wie beispielsweise Werke von Jawlensky oder Klee, und der konstruktiven Positionen zunächst ins Depot des Museums. Im Jahr 1937 wurden die Arbeiten dann ins zentrale Sammellager nach Potsdam abtransportiert. Der Sammler Heinrich Kirchhoff musste seine Dauerleihgaben zurücknehmen. Von 1935 bis 1945 war Hermann Voss Direktor des Museums. Unter seiner Leitung wurden über 200 Werke erworben, darunter auch hochkarätige Barockgemälde. Ab 1943 war Voss parallel Sonderbeauftragter für das Führermuseum in Linz. Seine Erwerbungen werden derzeit auf ihre rechtmäßige Provenienz hin untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Gemälde unrechtmäßig aus jüdischem Besitz in das Museum gelangten. Nach Kriegsende wurde das Gebäude zum »Central Collecting Point« der Amerikaner. Nachdem die hier vorübergehend eingelagerten Kunstschätze – darunter die Büste der Nofretete und Rembrandts Mann mit dem Goldhelm – wieder an ihre Besitzer:innen zurückgegeben worden waren, begann in den 1950er und 1960er Jahren mit sparsamsten Mitteln eine Phase der Wiedereinrichtung der Sammlungen. In diese Zeit fällt auch der beginnende Aufbau der heute wertvollsten und bedeutendsten Sammlung der Kunst – der Jawlensky-Sammlung – durch den damaligen Museumsdirektor Clemens Weiler. Im Jahr 1973 übereignete die Stadt Wiesbaden die drei Sammlungen dem Land Hessen, das sie seitdem als Museum Wiesbaden betreibt. Heute stehen den beiden Abteilungen, der Kunstsammlung und den Naturhistorischen Sammlungen, 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Abwechslungsreich proportionierte Galerien mit weiträumigen Durchblicken und großzügige neue Ausstellungsräume bilden ein attraktives Umfeld für anregende Begegnungen mit Exponaten der Kunst und Natur.