Berlin
Kunstverein

Neuer Berliner Kunstverein

Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) zeigt Ausstellungen zur Gegenwartskunst, die durch vielfältige Veranstaltungen ergänzt werden. Im n.b.k. werden Diskussionen zu Themen der Zeit initiiert und Anregungen zu ästhetischen wie politischen Auseinandersetzungen gegeben – in einer Bildungsinstitution, die zu relevanten Fragestellungen aus Kunst und Gesellschaft arbeitet, wie etwa Urbanität, Globalisierung, Transkulturalität, Feminismus, Digitalität und Technologieentwicklung. Der n.b.k. gibt Besucher:innen die Möglichkeit, aktiv an kulturellen Prozessen teilzuhaben und sowohl lokale Kontexte als auch globale Perspektiven zu reflektieren.

 

Der n.b.k. mit Artothek und Video-Forum ist ein Ort der ästhetischen Erfahrung, der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und der offenen Diskussion über gesellschaftliche Themen. Mit seinem Ausstellungs- und Diskursprogramm, seinen Kooperationsprojekten und seinen Publikationsreihen versteht sich der n.b.k. als Werkstatt der Ideen und als lebendiger Ort der Kunstszene Berlins.

 

 

Ausstellungsräume im Erdgeschoss und im 1. OG

 

Der n.b.k. verfügt über Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen im Erdgeschoss sowie mit dem Showroom im 1. OG über einen weiteren Ausstellungsraum. Das Team des n.b.k. realisiert an beiden Orten in Zusammenarbeit mit seinen Kooperationspartner:innen und Gastkurator:innen Einzelausstellungen und umfangreiche Neuproduktionen von Einzelkünstler:innen sowie umfassende Themen- und Gruppenausstellungen. Ziel ist die Präsentation von jüngeren künstlerischen Ansätzen und des Produktionsstandorts Berlin ebenso wie von renommierten internationalen Künstler:innen in neuen Kontexten.

 

 

n.b.k. Fassade

 

Die Fassade des n.b.k. dient im jährlichen Wechsel zeitgenössischen Künstler:innen als Interventionsfläche, für die sie spezielle Projekte entwickeln. Die Außenprojekte sollen direkt in den öffentlichen Raum wirken, eine aktive Auseinandersetzung mit der urbanen Umgebung und eine Debatte über zeitgenössische Kunst und ihre ästhetischen und gesellschaftlichen Implikationen anregen.

 

 

n.b.k. Billboard

 

Die Aktivitäten des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) im urbanen Raum werden seit September 2021 durch das Format »n.b.k. Billboard« erweitert. An der Straßenkreuzung Friedrichstraße / Torstraße, nur zwei Gehminuten vom n.b.k. entfernt, befindet sich der Standort der großen Präsentationsfläche – eingebettet in ein zentrales, spannungsvolles und hochfrequentiertes urbanes Umfeld. Hier werden der Berliner Öffentlichkeit eigens konzipierte Werke internationaler zeitgenössischer Künstler:innen präsentiert.

Veranstaltungen und Ausstellungen

11.09.25 - 31.08.26

Nora Turato. they filled me up with words

Sprache – in gesprochener wie geschriebener Form – ist zentrales Merkmal in Nora Turatos Werk, das von der Künstlerin in Wandarbeiten, Videos, Sound, Performances und ihren Künstlerinnenbüchern der Serie pool erforscht wird. Dabei arbeitet sie mit vorgefundenem Material aus vielseitigen Quellen wie u. a. dem Internet, Social Media, Presse, Büchern, Filmen, Musik und Gesprächen. Von der Künstlerin gesammelt und akribisch neu geordnet, wird ein Überfluss an Wortmaterial bis auf die Essenz heruntergebrochen. Turato macht so auf gesellschaftliche Bedingtheiten, Entwicklungen und Phänomene aufmerksam, die der Sprache zugrunde liegen und deren Gebrauch prägen.


Die bislang siebenteilige Reihe pool gleicht laut Turato jeweils einem Jahresbericht: Das von der Künstlerin zyklisch gesammelte Material an gefundenen Texten und Sprachfragmenten dient als Hauptquelle für ihre Performances und mündet zugleich in eine limitierte Auflage an Künstlerinnenpublikation. Ob in ausdrucksstarken Solo-Performances oder als großformatige typografisch gestaltete Rauminstallationen – ihre Arbeiten spiegeln präzise Beobachtungen einer stark von Bildern und KI-generierten Inhalten geprägten Gesellschaft wider und machen zugleich auf Veränderungen im Sprachgebrauch und damit verbundene Bedeutungsverschiebungen aufmerksam.


Turatos neue, eigens für die Fassade des n.b.k. konzipierte Arbeit they filled me up with words markiert einen Wendepunkt in ihrer Praxis, der mit ihrem neuesten medienübergreifenden Werkzyklus und der gleichnamigen Performance pool7 begann und als dessen Höhepunkt fungiert. Dabei dient ihr eigener Körper als Ausgangspunkt – als Quelle der Sprache und der Handschrift. Ihr langjähriger »Konsum« unzähliger vorgefundener Wörter wird hier von der Künstlerin mit physiologischen Prozessen wie »verschlingen«, »verdauen« und »würgen« verglichen. Turato untersucht Konditionierungen, die das menschliche Verhalten prägen – mit einem Fokus darauf, wie diese erlernten Muster physisch sichtbar werden. Hierbei wird die Handschrift nicht nur als Form der Sprachdarstellung betrachtet, sondern auch als ein direktes Ergebnis verinnerlichten Verhaltens. Im Gegensatz zur Typografie, die die ausführende Hand zu ersetzen sucht, steht die unmittelbare Geste der Handschrift in direktem Zusammenhang mit Turatos performativer Praxis, die den Kern ihrer künstlerischen Arbeit bildet.


Die Solo-Performance pool7 von Nora Turato wird nach Stationen in London, Amsterdam und Wien auch in Berlin einmalig von der Künstlerin aufgeführt.

 

Kuratorin: Lidiya Anastasova

14.03.26 - 03.05.26

Memory Is a Strange Bell

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) und das Künstlerhaus Bethanien präsentieren gemeinsam Arbeiten von Künstler:innen, die 2025 mit dem Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Berliner Senats ausgezeichnet wurden. Die Ausstellung wird parallel in beiden Häusern realisiert und versammelt jeweils internationale künstlerische Positionen von in Berlin lebenden und arbeitenden Künstler:innen. Sie macht einmal mehr deutlich, welche zentrale Rolle verlässliche Förderstrukturen für die Produktion und Vermittlung zeitgenössischer Kunst einnehmen.


Die gezeigten Positionen verbindet eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen und historischen Fragestellungen sowie die kritische Reflexion von Machtverhältnissen, Normen und Ideologien. In einem breiten Spektrum an ästhetischen Ansätzen und Medien – darunter Video, Sound, Fotografie, Malerei, Zeichnung, Installation und Performance – verhandeln die Arbeiten unterschiedliche, teils widersprüchliche Erfahrungs- und Wirklichkeitsräume. Dabei werden sichtbare und unsichtbare Machtstrukturen thematisiert, die die individuelle und kollektive Wahrnehmung sowohl im physischen wie auch im digitalen Raum bestimmen sowie die Kanonisierung von Wissen und kulturellen Ausdrucksformen prägen.


Weitere Arbeiten kreisen um Phänomene der Erinnerung – ihre Prozesshaftigkeit, Fragilität und inhärente Ambivalenz. Darauf verweist auch der Titel der Ausstellung, inspiriert von einer Zeile aus einem Brief der US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (*1830 †1886) an ihre Schwester: »Memory is a strange Bell – Jubilee, and Knell« (»Erinnerung ist eine sonderbare Glocke – Jubelfeier und Trauergeläut«). In der Metapher des Glockenläutens, das sowohl Freude als auch Verlust markiert, wird Erinnerung als ambivalenter, dynamischer Prozess lesbar – nicht als statische Fixierung, sondern als fortwährende, komplexe Bewegung. Zugleich spielt das Zitat auf eine Gegenwart an, die von paradoxen Spannungen geprägt ist, ein fortwährendes Pendeln zwischen multiplen Krisen und dem Streben nach Fortschritt und Wachstum.

 

Künstler:innen: İpek Burçak, Nadja Buttendorf, Markus Draper, Martin Eberle, Noi Fuhrer, Olga Monina, Shaun Motsi, Leonie Nagel, Ania Nowak, Niclas Riepshoff, Max Schaffer, Alina Schmuch, Antje Taubert, Sergio Zevallos

 

Kuratorinnen: Lidiya Anastasova, Antje Weitzel

14.03.26 - 03.05.26

Katja Strunz. Future Collapses, Past Rises

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) präsentiert mit Future Collapes, Past Rises eine neue Ausstellung von Katja Strunz, die zahlreiche Ansätze und Techniken der Künstlerin vereint. Gezeigt werden Skulpturen aus lackiertem Stahl, die auf Prinzipien des Einfaltens und -fallens verweisen, sowie origamiartige Collagen, die auf hochauflösenden Satellitenbildern einer sich durch den Einfluss des Menschen verändernden Erdoberfläche basieren. Beide Werkgruppen zeugen von einer Balance zwischen Werden und Vergehen und betonen mit der Vielzahl der Perspektiven, die der künstlerische Prozess des gezielten Faltens des Materials hervorbringt, die Potentialität eines ständigen Wandels. Die ausgewählten Arbeiten werden ergänzt um gefundene Objekte sowie neue zeitgeschichtliche Bezüge. Der n.b.k. Showroom wird zum Ort sich stets neu in Beziehung setzender Vergangenheiten und einer brüchig bleibenden Zukunft.


In ihrer Werkreihe In Formation (2025) arbeitet die Künstlerin dabei erstmals mit Satellitenbildern des von NASA-Wissenschaftlern gegründeten Analyseunternehmens Planet Labs PBC, die die Erdoberfläche mit einer Datenerfassungsrate von über 30 Terabyte pro Tag kontinuierlich dokumentieren. Eine Auswahl der so entstandenen Fotografien wird von Strunz gefaltet und miteinander collagiert. In immer neuen Konstellationen definiert sie die Grenzen der abgebildeten Landschaften neu und lässt sie in ebenso kristallinen wie körperlichen Strukturen aufeinandertreffen. Begleitet werden sie in der Ausstellung im n.b.k. durch zahlreiche weitere Collagearbeiten mit handgeschöpftem und handgefärbtem Papier, den so genannten Pulp Paintings, die die Bandbreite von Strunz’ Arbeit mit dem Medium Papiercollage verdeutlichen.


Als Kontrapunkte sind den Wandarbeiten Metallskulpturen zur Seite gestellt, die ebenfalls auf dem Prinzip der Faltung basieren und mit der Vielzahl ihrer möglichen Betrachtungswinkel zusätzlich die Zeitlichkeit jeder Raumerfahrung betonen. Zentral für die Dynamik, die in den Werken von Katja Strunz zum Ausdruck kommt, ist eine Sequenzialität ohne feste Reihenfolge: Das Einfalten, Umfalten und Neufalten, das die Arbeiten verkörpern, steht für eine non-lineare Zeitordnung, die immer neue Verbindungen hervorbringt. Kontinuitäten werden durch Momente der Kompression, der Fragmentierung oder des Stürzens ausgesetzt, die Idee einer final zu erreichenden Idealform in Frage gestellt und durch ein ständiges Ein-, Um- und Aufbrechen ersetzt.

 

Kuratorin: Michaela Richter

 

Katja Strunz (*1970 in Ottweiler / Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist bekannt für ihre Skulpturen, Wandarbeiten, umfangreichen Installationen sowie Papierarbeiten, in denen sie sich mit der Interaktion von Zeit und Raum beschäftigt. Schon während ihrer Studienzeit feierte sie erste Erfolge mit präzisen Interventionen in bestehende Architekturen, seit Anfang der 2000er Jahre hat sie ihre Auseinandersetzung mit philosophischen und physischen Prinzipien der »Raumzeit« kontinuierlich weitergetrieben und basierend darauf eine abstrakte Formensprache entwickelt, die sie in zahlreiche Materialien überträgt. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen präsentiert, u. a.: Muzeum Sztuki, Łódź (2025); Kestner Gesellschaft, Hannover (2023); Pinakothek der Moderne, München (2020); Kunstmuseum Bonn (2020); Indianapolis Museum of Contemporary Art (Solo, 2019); Haus Konstruktiv, Zürich (2019); São Paulo Biennale (2013); Berlinische Galerie (Solo, 2013); Camden Arts Centre, London (Solo, 2009); Centre Pompidou, Paris (2009); Carnegie Museum of Art, Pittsburgh (2008); Museum Haus Esters, Krefeld (Solo, 2006).

Standort
Standort
Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag12:00–18:00
Mittwoch12:00–18:00
Donnerstag12:00–20:00
Freitag12:00–18:00
Samstag12:00–18:00
Sonntag12:00–18:00
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