Basel
Museum

Kunstmuseum Basel

St. Alban-Graben 16, 4051 Basel

Der stetige Ausbau der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, die mit dem 1661 angekauften Amerbach-Kabinett ihren Anfang nahm, machte über die Jahrhunderte hinweg mehrmals Umzüge der Sammlung innerhalb Basels erforderlich. 1936 wurde der Hauptbau am St. Alban-Graben eröffnet. 1980 fand mit dem Kunstmuseum Basel | Gegenwart eine erste Erweiterung statt, 2016 mit dem Neubau eine zweite.

 

Der Hauptbau des Kunstmuseums Basel aus dem Jahr 1936 wurde von dem Basler Architekten Rudolf Christ zusammen mit dem Stuttgarter Baumeister Paul Bonatz, beide Vertreter einer konservativen Moderne, entworfen. Er war als reines Sammlungshaus konzipiert worden, eine Bestimmung, die er seit der Eröffnung des Neubaus im Frühjahr 2016 mit dessen speziell für Sonderausstellungen konzipierten Oberlichträumen wieder voll wahrnehmen kann.

 

Im Erdgeschoss präsentiert sich heute die Sammlung Basler Kunst, im Zwischengeschoss die Werke der Sammlung Im Obersteg. Im ersten Obergeschoss finden sich die Sammlungen mit Kunst aus dem Mittelalter und der Renaissance sowie des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Werke der Klassischen Moderne und der Europäischen Nachkriegsmoderne werden im 2. Obergeschoss präsentiert. Schliesslich beherbergt der Hauptbau im Zwischengeschoss auch das Kupferstichkabinett sowie im Erdgeschoss den Shop und das Bistro Kunstmuseum.

 

Im April 2016 eröffnete gegenüber dem Hauptbau und unterirdisch mit diesem verbunden ein drittes Haus: der Neubau, entworfen vom ortsansässigen Architekturbüro Christ & Gantenbein. Er ist sowohl für Sonderausstellungen als auch für Sammlungspräsentationen konzipiert.

 

In den Oberlichtsälen im 2. Obergeschoss werden die grossen Sonderausstellungen präsentiert. Die anderen Geschosse sowie der unterirdische Verbindungstrakt zum Hauptbau sind für Sammlungswerke ab 1950 vorgesehen – mit Ausnahme des zeitgenössischen Kunstschaffens, das im Kunstmuseum Basel | Gegenwart gezeigt wird. Im Erdgeschoss des Neubaus befindet sich zudem eine zusätzliche Verkaufsstelle des Shops im Hauptbau.

 

1980 fand mit der Eröffnung des Museums für Gegenwartskunst am St. Alban-Rheinweg – eines der weltweit ersten Museen für zeitgenössische Kunst – eine erste Erweiterung des Kunstmuseums Basel statt. Heute trägt es den Namen Kunstmuseum Basel | Gegenwart.

 

Das Kunstmuseum Basel | Gegenwart zeigt Werke zeitgenössischer Kunst aus den Beständen des Kunstmuseums Basel und der Emanuel Hoffmann-Stiftung sowie Sonderausstellungen. Neben wechselnden Sammlungspräsentationen, die stets in einen Dialog mit der Ausstellungstätigkeit treten, finden regelmäßig Vorträge und Diskussionen zu Themen aktueller Kunst statt sowie Werkbetrachtungen und Führungen.

Veranstaltungen und Ausstellungen

27.05.24 - 31.12.26

Louise Lawler

Louise Lawler präsentiert die beiden Werke »(Bunny) Sculpture and Painting (adjusted to fit, distorted for the times)« und »Three Flags (swiped and taken) (adjusted to fit) (mirrored or flipped) Cease Fire» im Kunstmuseum Basel, welche in Dialog mit den Werken »Damascus Gate. Variation I« (1969–70) von Frank Stella und Sol LeWitts »Wall Drawing #304» (1977) vor Ort treten. Beide Werke sind Teil der Serie »adjusted to fit«, in der Lawler ihre Fotografien digital anpasst, um sie dem Ausstellungsraum anzupassen.

 

»(Bunny) Sculpture and Painting (adjusted to fit, distorted for the times)« zeigt eine verzerrte Fotografie von Jeff Koons' »Rabbit« (1986) und Peter Halleys »The Acid Test« (1992), die Lawler 1999 in der Ausstellung »The American Century« im Whitney Museum fotografiert hat. Die Ausstellung wurde damals breit und äußerst kontrovers diskutiert und rief Fragen nach nationaler Identität und übergreifenden Narrativen der Kunstgeschichte auf.

 

»Three Flags (swiped and taken) (adjusted to fit) (mirrored or flipped) Cease Fire» zeigt Jasper Johns »Three Flags« (1958), das Lawler 2021 in der Ausstellung »Jasper Johns: Mind/Mirror« im Whitney Museum fotografiert hat. Wie im Titel deutlich wird, gehört das Werk zur ›swiped‹ Werkgruppe. Das Verb ›swipen‹ bezieht sich auf die auf den flüchtigen Charakter eines Bildes und spielt auf die Art und Weise an, wie wir heute visuelle Informationen konsumieren.

 

Im ersten Stock des Neubaus ist das 1994 von Jasper Johns geschenkte Werk »Flag above White with Collage» (1955) ausgestellt und obwohl Jasper Johns' ikonische amerikanische Flagge in Louise Lawlers Werk fast verschwindet, bleibt sie dadurch für viele Betrachter:innen dennoch erkennbar. Louise Lawler betont durch die klare Erkennbarkeit des Originals den Kult um die ›Meisterwerke der Kunstgeschichte‹. Gleichzeitig hinterfragt sie diesen Kult sowie die damit verbundene nationale Identität und den kunsthistorischen Kanon, indem sie Johns' Werk übernimmt, verändert und wiederholt ausstellt. Die Werke werden auf selbstklebendem Vinyl gedruckt und im Raum installiert, welcher Teil der Kunstpräsentation ist. Die Spannung zwischen den fotografierten Werken in der ursprünglichen Präsentation, dem Werk von Louise Lawler und Lawler's Werk in neuem Kontext spielt eine zentrale Rolle in ihrer Arbeit.

 

 

Bio

 

Die amerikanische Künstlerin Louise Lawler (geb. 1947) ist eine der wichtigsten Vertreter:innen der Institutionskritik und arbeitet mit Fotografien, Materialbildern und Installationen. Ihr Werk konzentriert sich auf Fotografien von Werken anderer Künstler, meist Männer, die in Museen, Lagerräumen, Auktionshäusern und bei Sammler:innen ausgestellt sind. Ausgehend von Grundsätzen der Konzeptkunst nutzt Louise Lawler Fotografie als konzeptuelles Werkzeug, um auf unausgesprochene Aspekte des Kunstbetriebs aufmerksam zu machen. Ihre Fotografien untersuchen die komplexen Ausstellungs-, Rezeptions- und Zirkulationsbedingungen von Kunstwerken und analysieren sie als Objekte in ihrem Kontext. Dabei verdeutlichen sie, wie sich die Bedeutung der fotografierten Werke je nach Umgebung und Präsentationsform verändert. Louise Lawler hinterfragt das Kunstsystem, an dem sie teilhat, und inszeniert viele ihrer eigenen Werke neu, um deren ikonische Qualität zu hinterfragen.

11.04.25 - 31.12.27

Große Kunst

Ein großes Kunstwerk zu schaffen ist keine Kleinigkeit. Reicht der Platz im Atelier? Passt es auf eine Staffelei, oder muss es auf dem Boden bearbeitet werden? Bis ins 19. Jahrhundert hinein war allein schon die Beschaffung einer großen Leinwand eine Herausforderung.

 

Repräsentative Landschaftsgemälde wie Alexandre Calames Das Rosenlauital mit dem Wetterhorn (1856) verlangten nach Größe, um ihre majestätische Wirkung zu entfalten. Das grandiose Panorama steht stellvertretend für die landschaftlichen Schönheiten der Schweiz und versinnbildlicht zugleich das zunehmende Bewusstsein einer nationalen Identität. Um die von großen Gefühlen übermannten Gesichtszüge ging es Auguste Rodin, als er 1908/1909 zu Studienzwecken den Kopf von Pierre de Wissant für das Denkmal Die Bürger von Calais – von dem eine Version im Innenhof des Museums steht – überlebensgroß modellierte.

 

Die US-amerikanische Malerin Shirley Jaffe hingegen wählte 1965 ein Format, in das sie beim Malen die Energie ihres ganzen Körpers einfließen lassen konnte. Und Jenny Holzers imposantes Patriot 9 (2022) – das jüngste Werk im Rundgang – lässt zunächst an nichts Böses denken; unter der Oberfläche jedoch liegen die großen Konflikte unserer Zeit; auf die Leinwand übertragene FBI-Dokumente zum Patriot Act, der den Ermittlungsbehörden der USA 2001 weitreichende Befugnisse im «Krieg gegen den Terror» zusprach.

 

Raumgreifend, anspruchsvoll, beeindruckend – die dreißig eindrucksvollen Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums in diesem Rundgang geben Einblick in solche ganz unterschiedlichen Beweggründe für große Kunst.

 

Kuratorin: Eva Reichert

30.08.25 - 01.01.29

Renée Levi – »Mira«

Wie ein Windstoß zieht Mira, das neue Wandgemälde von Renée Levi, rund um den kleinen Hofumgang im Kunstmuseum Basel | Hauptbau. Die Malerei, ein Geschenk der Künstlerin, ist vor Ort entstanden.

 

»Mit der Spraydose kann ich mit Schnelligkeit Zeichnen, in einem Atemzug ohne Absetzen durchziehen. Da ist keine Zeit zum Denken, nur Bewegung. Und mit freiem Kopf werde ich selbst Teil der Spraydose«, so die Basler Künstlerin Levi über ihre Aktion. Begrenzt wird Levis Malerei nur durch einen weißen Rahmen entlang von Bodenleiste und Decke. Er definiert die drei grünlich-grau grundierten Wände zu einem Windkanal, der vom Museumsshop um die Ecken des Innenhofs zur Infotheke führt. Der Rahmen ist zugleich die einzige Vorbereitung vor Ort. Farbwahl und Linienführung entspringen, »on Spot, im Moment des Machens«, so Levi. «Es gibt keinen Test und keine Korrekturen. Was passiert, ist passiert und bleibt so.«

 

Die Idee für die Wandarbeit kam von der Direktorin des Kunstmuseums Basel, Elena Filipovic: »Der kleine Hofumgang des Museums ist ein Ort der Ruhe und Erholung. Oft sehe ich dort Besuchende, die lesen oder sich zwischen den Ausstellungsbesuchen ausruhen.« Solche Ruhezonen sind wichtig für das Museum, entsprechend wollte Filipovic der Atmosphäre mehr Aufmerksamkeit schenken. Der Hofumgang sollte aber, neben seiner architektonischen Rolle, auch wieder als Raum für Kunst ausgewiesen werden. So entstand die Idee, ein Werk in Auftrag zu geben, das diesen Ort bis zur Sanierung schmücken wird. Levi war dafür die naheliegende Wahl: »Sie ist eine in Basel lebende Künstlerin, die sich intensiv mit Malerei und Architektur beschäftigt und eine feministische Perspektive einbringt, die den kleinen Hofumgang auf eine Weise zum Leben erweckt, wie nur sie es kann.«

 

Levi ist schon länger mit mehreren Werken in der Sammlung des Kupferstichkabinetts vertreten. Im Frühling 2025 wurde dieser Bestand an Werken auf Papier durch den Ankauf der zwei großformatigen Gemälde Yafa (2004) und Sabine (2010) erweitert und damit die Position von Levi breiter in der Sammlung des Kunstmuseums Basel verankert. Der groß0zügige Vorschlag von Levi, ihre Wandarbeit im kleinen Hofrundgang dem Museum zu schenken, ist ein Zeichen für die gegenseitige Wertschätzung.

 

Kuratiert von Philipp Selzer 

29.08.25 - 31.05.26

Neue Konstellationen – Kunstwerke aus der Sammlung

Kunst ist weit mehr als nur ein Spiegel ihrer Zeit. Sondern sie stellt Fragen, die Epochen überdauern. In dieser Ausstellung werden Kunstwerke vom 16. Jahrhundert bis heute aus den Sammlungen des Kunstmuseums Basel und der Emanuel Hoffmann-Stiftung gezeigt. Sie alle thematisieren die dunklen Seiten unseres Daseins: Krieg und Konflikt, Gewalt und Zerstörung – und letztlich Vergänglichkeit. Die monumentale Installation von Andreas Slominski (* 1959) dient als konzeptueller Dreh- und Angelpunkt. Ihr spannungsreiches Wechselspiel von Faszination und Bedrohung, Eingrenzung und Kontrolle beeinflusste die transhistorische Auswahl der gezeigten Werke.

 

Hans Holbein der Jüngere (1497/98–1543) beispielsweise verwendete symbolische Motive wie Totenschädel, um auf die Unausweichlichkeit des Todes zu verweisen. Lotti Krauss (1912–1985) und Niklaus Stoecklin (1896–1982) reagierten auf die Verwüstungen des Ersten Weltkriegs am Hartmannsweilerkopf in den französischen Vogesen mit kargen Landschaftsdarstellungen. Dabei wird die von Kampfhandlungen gezeichnete Natur zum Sinnbild für menschliches Leid. Kara Walker (* 1969) schuf aus historischen Quellen ein von Gewaltdarstellungen geprägtes Schattenspiel. Ihre Erzählung offenbart, wie stark Rassismus und Sexismus in das soziale Gefüge eingeschrieben sind.

 

Diese Sammlungspräsentation verleiht Unbehagen, Verletzlichkeit und Gewalt Sichtbarkeit. Nicht in der Absicht, damit abzuschließen, sondern um zum Nachdenken darüber anzuregen, wie wir mit der Vergangenheit, mit anderen und mit dem, was wir lieber nicht sehen wollen, umgehen.

 

 

Mit Werken von:

 

Sadie Benning
Frits van den Berghe
Hans Bock der Ältere
Miriam Cahn
Niklaus Hasenböhler
Hans Holbein der Jüngere
Jenny Holzer
Lotti Krauss
Klara Lidén
Niklaus Manuel genannt Deutsch
Walter Moeschlin
Meret Oppenheim
Andreas Slominski
Anselm Stalder
Niklaus Stoecklin
Hinrich Stravius
André Thomkins
Kara Walker

07.03.26 - 02.05.26

Marc Bauer – Fear Rage Desire Still Standing

Das Kunstmuseum Basel zeigt ein Projekt des international renommierten Schweizer Künstlers Marc Bauer (*1975). In seinen Zeichnungen setzt er sich aus einer queeren Perspektive mit Geschichte, Erinnerung, Geschlecht und Identität auseinander. Unter dem Titel Fear Rage Desire, Still Standing verknüpft er kunsthistorische Motive, zum Beispiel von Künstler:innen wie Hieronymus Bosch (um 1450–1516) und Nasta Rojc (1883–1964), mit Fotos aus dem Internet und Archivmaterial. Im Zentrum seines Schaffens stehen die Konstruktion von Männlichkeit und die dadurch hervorgehende Gewalt, mit der die Gesellschaft und – als zentrales Thema in diesem Projekt – besonders queere Menschen konfrontiert sind. Bauer spannt den Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart und macht sichtbar, wie tief diese Gewalt in den gesellschaftlichen Strukturen verankert ist.

 

Für seine Werke recherchiert Bauer intensiv: Es liest wissenschaftliche Texte, taucht in Archive ein und spricht mit Wissenschaftler:innen und Expert:innen, darunter Jonathan D. Katz, der die Ausstellung The First Homosexuals organisiert, recherchiert und in Chicago, USA, kuratiert hat. Danach wählt er aus verschiedenen Quellen Bildmaterial und Texte aus. Diese verarbeitet er zu einer sehr persönlichen und äusserst faszinierenden Bildwelt, die mehrdeutig ist und zum Denken anregt.

 

Bauers Zeichnungen entstehen zum Teil direkt auf den Museumswänden und werden nach Ablauf der Präsentationsdauer wieder zerstört. Besucher:innen des Kunstmuseums können den Entstehungsprozess ab dem 4. März 2026 vor Ort mitverfolgen. Zweimal wird der Künstler die Wandzeichnungen weiter überarbeiten (vom 12.–17. Mai 2026 und vom 3.–7. November 2026). Die Zeichnungen an den Wänden, auf Leinwand und Papier bilden zusammen mit dem von den Berliner Künstlern Sin Maldita (Tim Roth) und Philipp Hülsenbeck komponierten Soundtrack eine multimediale Installation.

 

Die Einladung an Bauer erfolgte anlässlich der Ausstellung The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939, die vom 7.3. bis 2.8.2026 im Neubau zu sehen ist.

 

 

Zu Marc Bauer

 

Marc Bauer (* 1975, Genf) lebt und arbeitet in Zürich. Er studierte an der École Supérieure d’Arts Visuels Genève (heute HEAD) und an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Seit 2015 ist er Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Seine Arbeiten wurden in Einzelprojekten an renommierten internationalen Institutionen wie dem Menil Drawing Institute, Houston (2023–2024); der Berlinischen Galerie (2020–2021), Berlin; dem Istituto Svizzero, Mailand (2020); dem Drawing Room, London (2019); dem Centre Culturel Suisse, Paris (2013) und dem MAMCO, Genf (2010), gezeigt. Arbeiten von ihm wurden zudem in Gruppenausstellungen unter anderem im Kunsthaus Zürich (2025, 2019, 2015 und 2008); im Guggenheim Museum Bilbao (2021); im Migros Museum, Zürich (2019 und 2014); im S.M.A.K., Gent (2015) und in der Albertina in Wien (2015) gezeigt. Bauer nahm außerdem an der Biennale von Sydney 2018 und der Liverpool-Biennale 2014 teil.

 

Er ist Preisträger des Prix Meret Oppenheim 2020 und Gewinner des GASAG Kunstpreises 2020 und wurde 2009 mit dem Manor Kunstpreis Genf und 2001, 2005 und 2006 mit dem Swiss Art Award ausgezeichnet.

 

Kuratiert von Anita Haldemann

07.03.26 - 02.08.26

The First Homosexuals – Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939

Die Ausstellung The First Homosexuals im Kunstmuseum Basel widmet sich der frühen Sichtbarkeit gleichgeschlechtlichen Begehrens und der Geschlechtervielfalt in der Kunst. Sie beleuchtet anhand von rund hundert Gemälden, Fotografien, Arbeiten auf Papier und Skulpturen, wie sich ab 1869 – dem Jahr der ersten Nennung des Begriffs «homosexuell« – neue Bilder von Sexualität, Geschlecht und Identität bildeten. Die vielschichtige Ausstellung öffnet den Blick auf queere Netzwerke, intime Porträts, kodiertes Verlangen, koloniale Verflechtungen und mutige Lebensentwürfe.

 

Diese Ausstellung wurde zuerst von Alphawood Exhibitions im Wrightwood 659, Chicago, organisiert, recherchiert und kuratiert von Jonathan D. Katz, Kurator, und Johnny Willis, stellvertretender Kurator. Für das Kunstmuseum Basel wurde sie in Zusammenarbeit mit den Kurator:innen Rahel Müller und Len Schaller adaptiert.

 

Der Begriff »homosexuell« wurde 1869 zum ersten Mal im deutschen Sprachraum verwendet und erfuhr in den folgenden Jahrzehnten einen substanziellen Wandel. Die Debatte über seine Bedeutung reichte von einer universellen Neigung zur gleichgeschlechtlichen Liebe bis hin zur Konzeption eines »dritten Geschlechts». Mit der Zeit bezeichnete der Begriff eine Minderheit, die ihr gleichgeschlechtliches Begehren bejahte – genau das Gegenteil seiner ursprünglichen Intention. In diesen Jahrzehnten setzten sich Künstler:innen ganz unterschiedlich damit auseinander: Sie porträtierten Freund:innen und Liebhaber:innen, hielten den Alltag von Paaren fest oder experimentierten mit Geschlechterrollen. Die Kunst bot ihnen dazu Freiräume und Mittel, um auszudrücken, wofür es noch keine richtige Sprache gab.

 

Die Ausstellung The First Homosexuals erzählt vom Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesen Themen im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. In verschiedenen Kapiteln werden Künstler:innen und Schriftsteller:innen vorgestellt, die sich offen mit homosexuellen und trans Identitäten auseinandersetzten und diese teilweise auch lebten. Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Aktdarstellung im Zusammenhang mit den sich wandelnden Vorstellungen von Sexualität und zeigt, wie Freundschaft und vertraute kunsthistorische Motive als diskrete (und in einigen Fällen auch nicht so diskrete) Codes für gleichgeschlechtliches Verlangen dienten. Die Ausstellung blickt auch über Europa hinaus und untersucht, wie viele europäische Künstler:innen gleichgeschlechtliches Verlangen den kolonialen Gebieten als inhärent zuschrieben und wie, als Antwort darauf, Künstler:innen weltweit diese koloniale Vorherrschaft in Frage stellten und sich ihr widersetzten.

 

The First Homosexuals zeichnet sowohl das kulturelle und künstlerische Schaffen als auch die frühe Geschichte der LGBTQIA+-Community nach. Die Ausstellung zeigt die wechselseitige Prägung homosexueller und trans Identitäten sowie die Herausbildung einer eigenständigen Transidentität, wie sie moderne Künstler:innen seit der Einführung des Begriffs »trans» im Jahr 1910 entworfen haben. Die Basler Adaption kombiniert internationale Leihgaben – manche davon werden zum ersten Mal in der Schweiz zu sehen sein – mit den reichen Beständen des Kunstmuseums. Zusammen ermöglichen die Kunstwerke Einblicke in die Genese eines Begriffes, der heute selbstverständlich Teil der Identität eines Menschen und unserer Gegenwart ist.

 

Begleitend zur Ausstellung im Wrightwood 659 hat Monacelli Press (ein Phaidon Imprint) einen umfangreichen Katalog herausgegeben, der 22 aufschlussreiche Essays von führenden Expert:innen für Kunstgeschichte und queere Geschichte enthält, die sich jeweils auf eine geografische Region konzentrieren – von Japan über Australien bis hin zu der indigenen Bevölkerung Südamerikas.

 

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Alphawood Foundation Chicago, eine private Stiftung, die sich für eine gerechte, faire und humane Gesellschaft einsetzt.

18.04.26 - 23.08.26

Helen Frankenthaler

Mit Helen Frankenthaler (1928–2011) zeigt das Kunstmuseum Basel im Frühjahr 2026 eine Pionierin der abstrakten Malerei. Mehr als fünfzig Werke zeigen die kreative Kraft einer der wichtigsten Künstler:innen der US-amerikanischen Nachkriegszeit. Es ist die bislang größte Werkschau ihrer Malerei in Europa und ihre erste Einzelausstellung in einem Museum in der Schweiz.

 

Im Alter von nur 23 Jahren veränderte Helen Frankenthaler mit ihrer innovativen Soak-Stain-Technik die Malerei: Mit verdünnter Farbe schuf sie auf ungrundierter Leinwand, die sie auf dem Boden auslegte, Kompositionen von enormer Leuchtkraft – oft in großem Format. Sie bearbeitete die Farbe von allen Seiten mit Schwämmen, Schabern, Haushaltsbürsten und anderen Werkzeugen. So erreichte sie, dass die Leinwand die Pigmente aufsog und Stoff und Farbe eins wurden. Obwohl Frankenthaler dem Zufall im Malprozess viel Raum ließ, bewahrte sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Balance und Struktur. Ihre Werke bestechen durch einen lyrischen Umgang mit Farbe und mutige kompositorische Entscheidungen.

 

Aufgewachsen in einer gebildeten und wohlhabenden jüdischen Familie in New York, erhielt Frankenthaler eine Ausbildung als Malerin. Mit 20 Jahren arbeitete sie bereits selbständig in einem eigenen Atelier in Manhattan und schloss bald Bekanntschaft mit dem einflussreichen Kunstkritiker Clement Greenberg und Künstler:innen der ersten Generation des Abstrakten Expressionismus, darunter Lee Krasner, Barnett Newman, ihrem späteren Ehemann Robert Motherwell und Jackson Pollock. Pollocks Bearbeitung der horizontalen Leinwand gab den Anlass, die revolutionäre Technik zu entwickeln, mit der sie sich im männlich dominierten Umfeld behauptete und zur Pionierin der Farbfeldmalerei wurde.

 

Frankenthaler entwickelte ihre Malerei während ihrer langen Karriere permanent weiter. Neben einzigartigen Gemälden auf Leinwand und Papier schuf sie Keramikwerke, Skulpturen, Wandteppiche und insbesondere Druckgrafiken. Im Alter von 83 Jahren verstarb sie in Darien, Connecticut.

 

Die Ausstellung Helen Frankenthaler beleuchtet anhand von 40 Gemälden und 15 Werken auf Papier ihre Entwicklung über mehr als fünf Jahrzehnte und gibt erstmals Einblick in ihre intensive Auseinandersetzung mit der westlichen Kunstgeschichte von der italienischen Renaissance bis zur Moderne. Während des Studiums hatte sie sich vor allem in Pablo Picassos Kubismus sowie Bilder von Paul Cezanne, Wassily Kandinsky, Joan Miró und Henri Matisse vertieft. Ab den 1950er Jahren ließ sie sich immer wieder von älterer Malerei inspirieren, die sie in Museen in New York und Chicago sah. Besonders auf ausgedehnten Europareisen besuchte sie unzählige Museen und bewunderte Maler wie Tizian, Peter Paul Rubens und Claude Monet. Der Einbezug von Gemälden, auf die sich Frankenthaler explizit bezieht, ermöglicht in der Ausstellung eine völlig neue Perspektive ihr Werk.

 

Kuratiert von Anita Haldemann

Standort
Hauptbau
St. Alban-Graben 16, 4051 Basel
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–20:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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